Viti Levu – Fidschis Hauptinsel abseits der ausgetretenen Pfade

Viti Levu – Fidschis Hauptinsel abseits der ausgetretenen Pfade

Fidschi! Südpazifik! Eines der Ziele das für uns Europäer auf Grund der großen Distanz doch meist unerreichbar scheint und vielleicht gerade deshalb einen großen Reiz ausübt. Einen Reiz, dem auch ich nicht widerstehen konnte. Obwohl der Hauptgrund für meinen Besuch hier eher unter Wasser lag, haben die Inseln natürlich auch über Wasser unendlich viel zu bieten. Gerade hier am anderen Ende der Welt ist es aber nicht einfach den Fängen der Pauschaltourismusindustrie zu entkommen, doch es lohnt sich. Und wer die Mühe auf sich nimmt, der kann ein vielseitiges Südseeparadies entdecken, mit den freundlichsten Menschen die mir bisher auf Reisen begegnet sind.

Der Fidschi-Archipel liegt etwa 2100 km nördlich von Neuseeland und umfasst 332 Inseln von welchen 110 bewohnt sind. Die Haupt- und auch größte Insel Fidschis hat rund 10.500 km² ( etwa drei mal so groß wie Mallorca) und beherbergt zwei internationale Flughäfen (Nadi und Suva). Für die meisten Touristen ist Viti Levu nur ein Zwischenstop auf ihrem Weg zu den weiteren Inseln. Unweit der Küste liegen die Inselgruppen der Mamanucas und Yasawas. Paradiesinseln wie aus dem Bilderbuch und Drehort unter anderem für die Filme “Cast Away” und “Die blaue Lagune”. Leider gibt es für den Transport auf diese Inseln und den Verkauf von Hotelpaketen dort nur einen Anbieter, der somit alles diktiert. Die Touristeninseln bestehen quasi nur aus Resorts inkl. Bespaßung und Tagesprogramm und haben somit mit dem eigentlichen Fidschi leider wenig zu tun. Da das Konzept anscheinend aufgeht, wurde es auch in allen Unterkünften der Hauptinsel in denen ich übernachtete erfolgreich umgesetzt. Dem “Individual-Reisenden” wird ein Programm vorgesetzt, in das er sich nach Belieben eintragen kann, um dann mit vielen anderen Gleichgesinnten auf Touristen zugeschnittene Aktivitäten zu absolvieren. Für einen stolzen Obolus versteht sich. Das überraschende an der Sache ist, die überwiegende Zahl der Reisenden findet’s toll.

Ich nicht!

Ich wollte das wahre Fidschi sehen, abseits organisierter Bustouren und betrunkener Backpacker. Natürlich ist das mit mehr Aufwand verbunden, doch dieser lohnt sich meist und Geld spart man dabei auch noch. Voraussetzung auf einer großen Insel wie Viti Levu ist hier ein fahrbarer Untersatz. Viele Orte sind zwar auch mit dem Bus oder per Tramping (was auf Fidschi mehr als üblich ist) erreichbar, aber überall kommt man so natürlich nicht hin.

Hier also meine 5 MUST-Do’s um Fidschis Hauptinsel abseits der ausgetretenen Pfade zu erleben:

1. Dschungeltrekking und Wasserfälle

Die meisten Flächen der Insel werden landwirtschaftlich genutzt und so ist natürlich wie auch anderswo nicht viel vom eigentlichen Bewuchs übrig. Ein relativ ursprüngliches Stück Regenwald befindet sich im Koroyanitu National Heritage Park. Der Nationalpark, benannt nach dem gleichnamigen Berg, welchen man auch besteigen kann, bietet neben einigen schönen Dschungeltrecks auch wunderschöne Wasserfälle, deren Becken zum Baden einladen. Erreichbar über die Stadt Lautoka an der Westküste ist der Weg nicht unbedingt einfach zu finden. Dies hat den Vorteil, dass es hier so gut wie keine Touristen hin verschlägt und sicher auf Grund der holprigen Anreise auch keiner der Tourenanbieter einen Ausflug hierhin anbietet. Auffindbar nur per Offline-Navi-App oder durch Nachfragen bei den Einheimischen fuhren wir bis in’s Bergdorf Abaca, fragten dort nach einem Guide und waren kurze Zeit später auf dem Treck zum ersten der drei Wasserfälle. Dicht bewachsenen Dschungel und zahlreiche Vögel gibt es hier zu sehen und es ist beeindruckend, welche Vielfalt so weit entfernt von den nähsten Kontinenten vorherrscht. Doch das Highlight ist nach der schweißtreibenden Wanderung sicherlich der Sprung in eines der kühlen Wasserfallbecken, die man dann völlig für sich alleine hat.

Ein weiterer lohnenswerter Kurztrek führt zum Biausevu Wasserfall im Süden der Insel. Es wird empfohlen diesen Trek mit Guide zu machen, doch es geht auch ohne und wir haben uns nur ein mal verlaufen ;-). Rund neun mal muss man auf dem Weg diverse Flüsse durchqueren, bevor man den schönen Wasserfall mit großem Badebecken davor erreicht. Das Wasser schimmert grünlich im Licht der einfallenden Sonnenstrahlen und ist so rein, dass es Trinkwasserqualität besitzt. Da hierher leider auch Tagestouren angeboten werden, empfiehlt sich ein Besuch am Morgen oder Nachmittag um auch diesen schönen Wasserfall für sich alleine zu haben.

 

2. Surfen am Natadola Beach

Der schönste Strand der Insel lässt tatsächlich das erste Mal richtiges Südseeflair aufkommen. Weißer Puderzuckersandstrand, im Wind wehende Palmen und die leuchtenden Türkistöne des Wassers, die sich im tiefen Blau des Ozeans verlieren. Und das Ganze ohne allzu viele Besucher und nicht verschandelt durch Liegebatterien. Ideal auch zum Baden und Schnorcheln hat sich mir die Schönheit dieses Ortes in seiner Gänze erschlossen beim Reiten einer der türkisen Wellen des Riff- oder Beachbreaks. Das Gefühl hier auf dem Surfbrett zu sitzen und umgeben von dieser Wahnsinns-Kulisse auf die nächste Welle zu warten: Unbezahlbar!

Tipp: Vorher bei den Einheimischen durchfragen und sich ein Surfboard leihen, dort sind nämlich keine zu bekommen.

 

3. Sigatoka Sand-Dünen

Es ist immer wieder wunderlich, welch eigentümliche Landschaften die Natur hervorbringt und wie sich diese Landschaften trotz räumlicher Nähe doch krass voneinander unterscheiden können. Nur ca. 20 Minuten Fahrzeit vom Natadola Beach entfernt an der Südwestküste der Insel befinden sich die Sigatoka Sand-Dünen. Wie der Name schon sagt haben die hier herrschenden Winde riesige Dünen geschaffen, direkt vor dem tiefen Blau des Pazifiks, der im Gegensatz zur Natadola-Bucht hier wild und ungezähmt ist. Die Dünen sind über verschieden lange Wanderwege zu erreichen und auch hierher werden Touren angeboten um die Wege mit Guide abzulaufen, was aber nicht nötig ist. Ich habe einfach die Karte am Besucherzentrum abfotografiert, mich alleine auf den längsten Weg gemacht und bin unterwegs tatsächlich keiner Menschenseele begegnet. Ist den meisten Südseeurlaubern wohl einfach zu anstrengend. Doch wer zu faul ist verpasst einiges. Nach einem kurzen Marsch durch Wald und über Hügel erreicht man die Dünen. Riesige Sandberge, die sich stark abheben von den nördlich liegenden Palmenhainen und den dunkelblau heranrollenden Brechern des Pazifiks. In den Tälern zwischen den Dünen wähnt man sich in einer Wüste, wäre da nicht das Donnern der Wellen, welche man nach dem überqueren mehrerer Dünen erreicht. Ein anstrengender Marsch am Strand entlang führt zurück zu einem Waldpfad und zum Besucherzentrum, man darf nur die Abzweigung nicht verpassen, etwas tricky. Um den Tagestouren aus dem Weg zu gehen, morgens oder nachmittags hingehen und am besten den langen Weg laufen, es lohnt sich!

 

4. Besuch eines Dorfes

Auch diese Aktivität wird im Rahmen von organisierten Tagestouren angeboten, doch was man bei so einer Veranstaltung erlebt ist natürlich wenig authentisch. Die Alternative hierzu ist: Einfach mal bei den Leuten die man so im Laufe des Tages trifft nachfragen wo sie wohnen und ob sie nicht Lust haben ihr Dorf einem interessierten Touristen näher zu bringen. Die meisten Leute reagieren hier sehr offen. Ich hätte ja auch kein Problem damit, jemanden die Sehenswürdigkeiten von Geldersheim zu zeigen ;-). So geriet ich an Say, der mich nach Feierabend mit in sein Dorf Korovisilou an der Südküste Viti Levu’s nahm. Er nahm sich viel Zeit mir den ganzen Ort zu zeigen und erzählte mir viel darüber, wie die Menschen hier leben. Er zeigte mir wo er wohnt, wir besuchten seine Familie und gesellten uns schließlich zur allabendlichen Kava Zeremonie hinzu. Hier kommen die Dorfbewohner abends zusammen um zu reden, Musik zu machen und Kava zu trinken. Ein Getränk, gepresst aus einer Wurzel, dass nach exzessivem Genuss eine entspannende Wirkung haben soll und im ganzen Land getrunken wird. Ich hab’s nicht exzessiv genossen, kann also auch nicht sagen, ob’s stimmt. Da das Dorf nicht von vielen Touristen besucht wird, war ich für die Dorfbewohner natürlich genauso Attraktion, wie sie für mich. Ich stellte mich dem Dorfoberhaupt vor, wurde freundlich in die Gemeinschaft aufgenommen und teilte die ein oder andere Kava-Schale. Ein wirklich schönes Erlebnis mit diesen freundlichen, offenen Menschen zusammenzusitzen und der Musik und dem Gesang zu lauschen. Etwas peinlich wurde es als ich als Initiationsritus von einer gut beleibten Fidschianerin zu einem traditionellen Tanz aufgefordert wurde und mich selbstverständlich zum Amüsement aller Anwesenden zum “Vollhorst” machte. Nichtsdestotrotz ein einmaliges Erlebnis und absolut empfehlenswert für alle die das wahre Fidschi kennenlernen möchten und zudem völlig umsonst.

 

5. Fiji Time

“No hurry, no worry, I am on Fiji time”! Auf Fidschi läuft alles etwas gemütlicher ab und Stress ist ein Fremdwort. Es gilt also einen Gang zurückzuschalten und es nicht so eng mit der Zeit und Pünktlichkeit zu nehmen. Für uns Europäer etwas gewöhnungsbedürftig ist es eigentlich ganz angenehm, dass es z.B. niemanden stört, wenn man ein für eine Stunde geliehenes Surfboard erst nach drei Stunden zurückgibt. Wenn man gerade aus Indonesien kommt, wo sich die Leute auch nicht wirklich Stress machen, fällt es nicht ganz so schwer ;-).

 

Sicherlich haben auch einige Tage am Strand auf einer der vielen Resortinseln ihren Reiz, doch das wirkliche Lebensgefühl und die Vielfalt Fidschi’s kann nur entdecken, wer abseits der ausgetretenen Pfade wandert. Etwas Ausdauer und eine ordentliche Portion Offenheit (die uns Deutschen ja meist abgeht) sind notwendig, werden aber durch die freundlichen Menschen dieses Inselstaates dicke belohnt.

Bula!

 

 

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