Tiger Beach und Bimini – Die besten Haitauchplätze der Welt?

Tiger Beach und Bimini – Die besten Haitauchplätze der Welt?

Tiger Beach und kein Strand weit und breit… Ich stehe am Bug des Expeditonsbootes MV Shearwater und lasse meinen Blick schweifen über das glitzernde Türkis des karibischen Meeres. Kein Land in Sicht, keine unnötigen Störfaktoren, nur der Wind, das Meer und unzählige Haie die unser Boot umkreisen. Was sich für die meisten wie das Horroszenario eines Schiffbruchs anhört, war für mich ein lange gehegter Traum. Mit eigenen Augen wollte ich diesen außergewöhnlichen Spot in den Gewässern der Bahamas sehen. Abtauchen in der Haisuppe aus Zitronen-, und Riffhaien um am Grund den Herrschern von Tiger Beach zu begegnen, den Tigerhaien…

Tiger Beach

Wie schon erwähnt, es gibt keinen Strand am Tiger Beach und wenn es einen gäbe, würde dort sowieso keiner Baden gehen. Denn es regieren die Haie. Es handelt sich vielmehr um eine große Sandbank bzw. ein ganzes Tauchgebiet auf einer Tiefe von 12 bis 15 Metern in den Gewässern der Bahamas. Den Spot so außergewöhnlich macht ein großer Reichtum an Haien und die hohe Chance dort eben auch auf Tigerhaie zu treffen. Das Ganze kombiniert mit dem warmen, klaren Wasser der Bahamas und der geringen Tauchtiefe machen Tiger Beach zum idealen Haispot.

Zitronenhaie am Tiger Beach

Wenn Tigerhaie in den Medien auftauchen, ob auf Fotos oder Videos, sind ca. 90% dieser Aufnahmen am Tiger Beach entstanden, denn es soll keinen besseren Ort dafür geben. Und spätestens nach Tales by Light war ich vollends angefixt. Ich musste zum Tiger Beach und zwar mit dem Meister selbst: Jim Abernethy. Jim führt seit 20 Jahren Haiexpeditionen auf die Bahamas. Er kennt die Region und vor allem auch die Tiere wohl besser als seine eigene Familie und ist nach wie vor Naturschützer mit Leib und Seele. Die Erwartungen an Tiger Beach waren hoch, verdammt hoch. Ob der berühmte Platz dem Vergleich standhalten kann mit Hailights wie der Bequa Lagoon auf Fidschi oder den Protea Banks in Südafrika, das wollte ich herausfinden?

Sonnenuntergang am Tiger Beach

Tagestour oder Livaboard?

Da Tiger Beach nicht gerade um die Ecke von Grand Bahama liegt, ist die Auswahl an Tauchbasen mit Tagesausfahrten dorthin doch mehr als begrenzt. Im Vorfeld hatte ich mal bei Epic Diving angefragt. Die Tagestrips sind in der Regel extrem schnell ausgebucht und außerdem auch ziemlich kostenintensiv dafür, dass man dann letztlich mehr Zeit auf der Fahrt verbringt als am eigentlichen Tauchplatz.

Es war also schnell klar für mich, es musste eine mehrtägige Expedition sein. Auch hier ist der Kreis der Anbieter zum Glück noch recht überschaubar und so landete ich schnell beim Pionier und Florida-Hai-Guru Jim Abernethy und seinen Scuba Adventures. Zwar schlägt der einwöchige Aufenthalt auf seiner MV Shearwater auch ordentlich zu Buche, aber er versprach dafür Tauchen, Tauchen, Tauchen und Haie satt.

Die MV Shearwater bei der Einreise auf die Bahamas

Tauchen am Tiger Beach

Nach der nächtlichen Überfahrt von Palm Beach in Florida nach Grand Bahama, konnten die Einreiseformalitäten schnell geklärt werden und wir machten uns auf den Weg zu Tiger Beach. Leider zeigte sich bei unserer Ankunft dort schnell, dass die Sichtverhältnisse unter Wasser zu schlecht waren um dort unseren ersten Tauchgang zu machen (O-Ton: Wir wollen die Haie ja sehen, bevor sie uns berühren). Wir mussten deshalb an ein tieferes Riff ausweichen und erst mal “nur” mit ein paar karibischen Riffhaien vorlieb nehmen.

Karibischer Riffhai @ Tiger Beach

Allerdings klarte mit einlaufender Flut die Sicht auf und kurz vor Sonnenuntergang war es dann soweit. Rückblickend ein surreales Erlebnis auf diesem kleinen Boot zu stehen, umringt von unzähligen Haien und in dem Wissen da gleich rein springen zu müssen. Die Haie sind natürlich nicht umsonst so interessiert, unzählige Köderboxen hängen von den Seiten des Bootes und die Hauptköderbox ruhte bereits unter uns auf dem Sandboden. Der faulige Geruch von altem Fisch lag in der Luft, mischte sich mit der Meeresbrise und sollte für die nächste Woche unser steter Begleiter sein. So riecht also Abenteuer.

Ab in die komplett schwarze Ausrüstung (soll möglichst wenig Aufmerksamkeit bei den Haien erregen), Haiabwehrstab in die Hand und gaaaaanz langsam rein gleiten lassen um die an der Oberfläche kreisenden Zitronenhaie nicht zu nervös zu machen und dann bääääm: Strahlend weißer Sand, glasklare Sicht, karibischer Fischreichtum und die ersten Haie, die neugierig unsere Köderbox umkreisten. Ruhig und langsam platzierten wir uns in der Nähe der Köderbox und staunten. Zwar sollten wir an diesem Abend “nur” karibische Riffhaie, Zitronenhaie und den ein oder anderen Bullenhai zu sehen bekommen, doch in diesem Szenario und auf Berührdistanz waren wir nicht minder beeindruckt.

Abtauchen am Tiger Beach

Endlich Tiger

Selbstverständlich hingen auch über Nacht unsere Köder im Wasser und schienen ihr Odeur weit genug verbreitet zu haben. Denn schon am frühen Morgen konnten wir sie unterem unserem Boot kreisen sehen, Tigerhaie! Schnell noch den letzten Bissen Müsli zwischen die Zähne und nichts wie ab in den Tauchanzug. Wieder war ich beim langsamen Abtauchen geplättet von der Schönheit und dem geballten Leben, welches an diesem Tauchplatz herrscht. Doch schnell war ich abgelenkt, als der erste Tigerhai langsam und riesig wie ein Schlachtschiff in die am Boden aufgereihte Tauchertruppe schwebte. Alles schien plötzlich etwas langsamer abzulaufen. Die hektischen Bewegungen der anderen Haiarten verloren an Beachtung und wie in Zeitlupe bewegte sich das majestätische Tier auf den Köder zu und darüber hinweg.

Tigerhai @ Tiger Beach

Immer wieder fanden einer oder zwei Tigerhaie ihren Weg in unsere “Köderlandebahn” und wir photographierten und filmten was das Zeug hielt. Ich war einfach nur beeindruckt und bin es noch, von dieser Schönheit.

Tigerhai @ Tiger Beach

Als dann kurz vor mir ein Tigerhai nach einem am Boden liegenden Köderfetzen schnappte und direkt weiter auf mich zu schwamm, rutschte mir dann doch kurz das Herz in die Hose und ich rammte meinen Abwehrstab vor mir in den Sand. Der Hai kam weiter auf mich zu und schwamm dann knapp über meinen Kopf hinweg, was für ein Erlebnis.

Tigerhai @ Tiger Beach

Auf Tuchfühlung mit Zitronenhaien

Auf Grund der geringen Tiefe sind die Tauchzeiten lang und man muss keine Oberflächenpausen einlegen. So konnte jeder selbstständig wann er wollte kurz auftauchen um seine Flasche neu befüllen zu lassen und direkt wieder runter. Man wollte ja schließlich nichts verpassen. Allerdings kann nach so langer Zeit selbst die Karibik etwas kalt im Neo werden, so dass die Pausen bei den meisten Tauchern unserer 10-köpfigen Truppe immer länger wurden. Deshalb hatte ich das Glück, am Ende eines Tauchganges alleine mit Jim Abernethy im Wasser sein zu können.

Die Köderlandebahn mit Tigerhai

Natürlich wurden wir vor den Tauchgängen ausführlich gebrieft, wie wir uns den Haien gegenüber verhalten sollten um Gefahrensituationen zu vermeiden. Aber nicht nur das, Jim wollte, dass wir eine Verbindung zu den Tieren aufbauen und uns einzelnen Tieren bewusst nähern. Er erzählte, dass er seit Jahren Freundschaften pflegt mit einigen Haien, allen voran natürlich mit Tigerhai-Dame Emma. Diese Haie erkennen ihn, völlig egal welchen Neoprenanzug er trägt und suchen seine Nähe und Berührungen.

Karibischer Riffhai @ Tigerbeach

Als wir so alleine am Meeresgrund knieten, umringt von Bullen-, Zitronen- und Riffhaien, gab Jim mir ein Zeichen, dass er mir Rückendeckung gibt während ich mich am Boden liegenden Zitronenhaien nähern sollte. Ich versuchte völlig entspannt zu sein, freilich nicht ganz einfach in dieser Situation. Ich schloß kurz die Augen, verlangsamte meine Atmung und achtete auf einen ruhigen Herzschlag, bevor ich mich dem ersten Zitronenhai näherte. Leider war ich wohl doch zu schnell und ungestüm, denn er legte keinen Wert auf meine Nähe. Ich versuchte es weiter, bewegte mich immer langsamer und ruhiger, bis mich einer der Haie schließlich an sich ran ließ und mein vorsichtiges Streicheln zu genießen schien. Ein “Once in a lifetime”-Erlebnis, dass jedem Kritiker vor Augen führen sollte, das Haie weiß Gott nicht die blutrünstigen Monster sind, als welche sie uns von den Medien verkauft werden. Eine Erfahrung, welche ich erst danach vollkommen realisieren konnte und die mich an diesem Abend sicherlich zum glücklichsten Expeditionsteilnehmer machte…

Auf Tuchfühlung mit Zitronenhaien – Photo: Jim Abernethy

Ab nach Bimini

Leider machte uns am Folgetag das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Heftiger Wind wühlte das Meer auf und ließ ordentliche Wellentürme entstehen. Beim Versuch in der Nähe von Tiger Beach zu ankern, riss unser Ankerseil und wir verloren den Anker. Ein Drama. Die Crew hatte zwar vorgesorgt und einen zweiten Anker an Bord, nichtsdestotrotz musste der erste Anker geborgen werden. Mit Tauchgerät ging die Crew ins Wasser und suchte mehr tastend als sehend auf Grund der schlechten Sicht nach dem Anker. Er wurde schließlich gefunden, doch die Bedingungen ließen ein Abtauchen am Tiger Beach an diesem Tag einfach nicht zu. Da das Wetter auch für die Folgetage nicht besser aussah, beschlossen wir einstimmig vorzeitig nach Bimini zu fahren, denn dort befinden sich die Tauchplätze direkt hinter der Insel und sind so geschützt von Wind und Wellen.

Bimini

Die nächtliche Überfahrt allerdings führte uns durchs offene Meer! Die Crew prophezeite bereits, dass es heftig wird und es wurde heftig. Das einzige Mal an Bord, dass mir echt schlecht wurde und mit frischer Luft zum Erholen war leider auch nicht viel, da man erstens während der Fahrt viel zu leicht von dem kleinen Tauchdeck fallen kann und es zweitens vor der Tür natürlich immer schön nach verwesendem Fisch roch. Also war einfach durchhalten angesagt bis Bimini…

Haie wie Hunde

Unweit der Insel Bimini ankerten wir und versenkten unsere Köder. Den Wind konnten wir dort im Schatten der Insel nicht mehr spüren, sondern das pure Karibikpanorama genießen mit dem leuchtend türkisen Wasser unter uns und der Insel im Hintergrund.

Bimini

Bereits vom Boot konnte man die Haie über dem strahlend weißen Sandboden kreisen sehen. Vor Bimini gibt es kein Riff und dementsprechend auch kaum Fisch, nur Sand und Haie. So rechneten wir fest mit Ammen- und Bullenhaien und hofften auf die ein oder andere Begegnung mit einem großen Hammerhai (bis 6 m Länge).

Es war eine wahre Freude in das glasklare, türkise Wasser einzutauchen. Auch hier sah man bereits vom Boot aus die ersten Haie um unsere Köderbox kreisen. Wie erwartet Ammen- und Bullenhaie. Die Ammenhaie kennen keine Scheu und gehen direkt auf Tuchfühlung. Ein absolut surreales Erlebnis.

Ammenhai @ Bimini

Wie ein Hund möchten Sie, dass man ihnen den Kopf krault, lassen auch echt nicht locker und stupsen einen immer wieder an. Total verrückt aber auch echt unterhaltsam. Wenn man nur nicht immer die Bullenhaie im Auge behalten müsste….

Ammenhaie kraulen 😉

Bullenhaie sind die Tiere mit dem höchsten Testosteronspiegel überhaupt und können blitzschnell von tiefenentspannt zu fuchsteufelswild umschalten. Nicht dass sie deswegen beim Tauchen extrem gefährlich wären, aber man sollte sie definitiv im Auge behalten, da sie sich immer näher ran arbeiten und das in der Regel von hinten.

Bullenhai @ Bimini

Die großen Hammerhaie von Bimini

Bis zum Nachmittag mussten wir mit diesen beiden Haiarten Vorlieb nehmen, genossen aber dennoch die Tauchgänge und Interaktion mit den Tieren. Am Nachmittag wurde die Sicht immer schlechter und plötzlich verdunkelte ein Schatten die Sonne. Ein großer Hammerhai schoß durch die Tauchgruppe und verschwand wieder im Nebel. Doch es dauerte nicht lange, bis er wieder und wieder zurück kam. Bis die Sonne untergegangen war und darüber hinaus blieben wir im Wasser und staunten über dieses beeindruckende und irgendwie auch skurril aussehende Tier, bis schließlich Kälte und Hunger alle Taucher zurück aufs Boot trieb.

Großer Hammerhai @ Bimini

Auch Bimini ist nicht tief und man kann dementsprechend eigentlich ebenfalls so viel tauchen wie man will, was wir am letzten Tag auch noch mal voll auskosteten und dieses Mal dauerte es nicht so lange, bis der erste Hammerhai auftauchte. Bereits vom Boot erkennt man die großen Schatten an ihren Schwimmbewegungen und so hieß es nichts wie ab ins Wasser.

Großer Hammerhai @ Bimini

Ähnlich wie am Vortag kam der Hammerhai immer wieder in die Gruppe und verschwand dann wieder für einige Minuten. Nach einer Weile dann tauchte plötzlich ein zweiter auf und die Tiere fassten immer mehr Vertrauen und näherten sich uns bis auf ca. einen Meter.

Hammerhaie @ Bimini

Hätte ich keinen Atemregler im Mund, wäre mir dieser sicherlich oft offen gestanden als die großen, skurrilen Wesen an mir vorbeizogen. Ein beeindruckendes Schauspiel. Etwas nervig war nur, dass man immer die neugierigen Bullenhaie im Auge haben mussten, die sich von hinten näherten und einen auch beim Auftauchen und Sicherheitsstop in der Regel begleiteten. Wenn man nicht wüsste, dass selbst diese Haiart lange nicht so schlecht ist wie ihr Ruf könnte einem manchmal fast etwas mulmig werden.

Großer Hammerhai @ Bimini

Tiger Beach und Bimini – die besten Haitauchplätze der Welt?

Wer in Bimini kein ordentliches Hammerhaifoto oder Video schießen konnte, der hat irgendetwas ganz grundlegendes falsch gemacht oder hatte schlicht keine Kamera dabei. Denn wir hatten gerade am zweiten Tag wirklich Hammerhaiaction ohne Ende. Wehmütig doch voller Euphorie ob der tollen Erlebnisse holten wir am Abend alle Köder aus dem Wasser und machten uns an die nächtliche Überfahrt nach Florida, wo wir am nächsten Morgen wieder in die USA einreisten und von Bord gingen.

Ob Tiger Beach und Bimini die besten Haitauchplätze der Welt sind, hängt sicherlich von der Betrachtungsweise ab. Wer generell gegen das Anködern der Raubfische ist, wird hier wohl eher auf Cocos oder Galapagos verweisen. Für mich als Haifreak allerdings, waren die beiden Plätze die besten die ich je betaucht habe um große Haie zu sehen.

Wohl nirgendwo sonst auf der Welt kommt man derart nahe an die größten Räuber der Meere ran und das unter perfekten Tauchbedingungen. Nach diesen Tauchgängen wird mir jede flüchtige Haibegegnung wie man sie auf normalen Tauchgängen mit viel Glück mal haben kann nur noch fad vorkommen. Tiger Beach und Bimini sind die ultimativen Haitauchplätze und für mich stand bereits auf der Rückfahrt nach Florida fest: I will be back!

Wenn die Haie sterben, stirbt das Meer…

Seit Millionen von Jahren regieren die eleganten Jäger unsere Meere. Seit Millionen von Jahren erhalten Sie das natürliche Gleichgewicht und tragen so zu gesunden Ökosystemen in unseren Meeren bei. Doch leider gibt es seit geraumer Zeit eine Bedrohung, der selbst die majästischen Jäger nicht gewachsen sind: Haifischflossensuppe. Neben weiteren durch den Mensch versursachter massiver Probleme wie Überfischung, Umweltverschmutzung und Klimaerwärmung ist eine verdammte Suppe die wohl größte Bedrohung, welche die weltweit über 500 verschiedenen Hairarten teilweise bereits an den Rande der Ausrottung gebracht hat.

Zukünftige Generationen werden mit Recht mit den Fingern auf uns zeigen und uns Barbaren nennen, wenn wir zulassen, dass diese seit der Uhrzeit nahezu unveränderten, wunderschönen Tiere für immer aus unseren Weltmeeren verschwinden!

Wenn Ihr helfen möchtet Haie vor der Ausrottung zu bewahren, dann:

  • verzichtet am besten ganz auf Fisch
  • verzichtet auf Haiprodukte
  • informiert Euer Umfeld
  • begegnet den Tieren in freier Wildbahn und lasst lokale Communities dadurch von lebenden statt von toten Tieren profitieren

Weitere Infromationen:

Die Kommentare sind geschloßen.
Folge Live Wild auf Facebookschliessen
oeffnen