The Humpbacks of Tonga – Buckelwale hautnah

The Humpbacks of Tonga – Buckelwale hautnah

Unbeugsam pflügte sich das kleine Boot durch die hohen Wellen vor den Inseln Vava’u’s. An Bord, sieben Passagiere, ein Guide und ein Skipper. Alle Augen sind auf den Horizont gerichtet um einen “Blas”, eine Flosse oder den Rücken eines Wales zwischen den Wellen zu entdecken. Es werden Wetten abgeschlossen, wer wohl als erstes seekrank wird und plötzlich hören wir hinter uns ein lautes “Pffffffffffffffff”. Das Atmen eines Buckelwals, der aber sofort danach wieder abtauchte. Unser Guide sprang in’s Wasser und winkte uns kurz darauf zu Folgen. Bei ihm angekommen sah ich nichts als tiefes Blau. Augenscheinlich kein Anzeichen mehr des Wals. Doch was uns sicher sein ließ, dass er irgendwo unter uns sein musste ist sein lauter Gesang, der auf dieser kurzen Distanz so enorm kräftig ist, dass der eigene Brustkorb durch die Schallwellen vibriert. Wir schaukelten eine gefühlte Ewigkeit auf den Wellen und lauschten den Gesängen, als sich langsam eine Silhouette unter uns herauszuschälen beginnt. “He’s coming, he’s coming” rief unser Guide und tatsächlich, da kam er, ein riesiger Buckelwal-Bulle. Er zog unter uns vorbei, kam zum Atmen an die Oberfläche und tauchte sofort wieder ab. Eine Begegnung von vielleicht 30 Sekunden, aber ungeheurer Intensität. Mit breitem Grinsen kletterte ich zurück auf’s Boot und Al, unser Skipper, versicherte mir: “You will see a lot more!”

Buckelwale werden den Furchenwalen zugeordnet und erreichen eine Größe von bis zu 18 Metern und ein Gewicht von maximal 30 Tonnen. Sie sind in allen Ozeanen beheimatet, wobei man davon ausgeht, dass im Atlantik und im Pazifik jeweils eine nördliche und eine südliche Population existiert. Buckelwale leben überwiegend allein oder in kleinen Gruppen. Mütter mit Nachwuchs werden oft von einer sogenannten “Eskorte”, einem Bullen begleitet, der sie vor anderen Walen oder Gefahren schützt und sie auch oft zum Weiterziehen bewegt, wenn Menschen im Wasser sind. Die Ernährung der Tiere besteht vorwiegend aus Krill und kleineren Fischen, welche in den Sommermonaten in riesige Mengen vertilgt werden um Fettreserven zu schaffen, von welchen in den Wintermonaten in den wärmeren Gewässern gezehrt wird. Buckelwale nehmen also während ihrer Zeit im Südpazifik keine Nahrung zu sich.

Die Buckelwale von Tonga

Ein beeindruckendes Merkmal der Tiere ist ihr Gesang, der zu den facettenreichsten überhaupt im Tierreich gehört und hauptsächlich von männlichen Tieren produziert wird. Der Gesang besteht aus Einzelstrophen die sich regelmäßig wiederholen und erreicht eine Lautstärke von bis zu 190 Dezibel. Alle Tiere einer Population singen das gleiche Lied, das sich im Laufe der Jahre immer wieder etwas verändert. Durch die starke Jagd auf die Tiere seit dem 17. Jahrhundert war ihre Anzahl bis zur Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts weltweit auf nicht mehr als einige tausend Tiere geschrumpft. 1966 wurde ein totales Fangverbot erlassen und nur noch einige kleine Inselstaaten (u.a. Tonga) fuhren noch einige Jahre mit dem Walfang fort. Durch das Fangverbot konnten sich die Populationen bis heute wieder soweit erholen, dass man mittlerweile wieder von mehr als 60.000 Tieren weltweit ausgeht. Nichtsdestotrotz stehen die Wale nach wie vor auf der roten Liste der gefährdeten Arten und es gibt leider immer noch ignorante Länder wie Japan, die die Jagd fortführen wollen.

Die Buckelwale von Tonga

Jedes Jahr zwischen Juli und Oktober ziehen Buckelwale von der Antarktis in die warmen Gewässer des Südpazifiks um sich dort zu Paaren und ihre Jungen zu kriegen. Den Kälbern werden dort die Grundlagen des Überlebens im Ozean beigebracht und sie werden auf die lange Wanderung zurück in die nahrungsreichen Gewässer der Antarktis vorbereitet. Die größte Ansammlung ist um die Inseln des Königreichs Tonga anzutreffen. So verwundert es auch nicht, dass die Tiere hier bis 1978 traditionell gejagt wurden, bis ein schlauer Monarch ihren touristischen Wert erkannt hat. Heute ist Tonga eines von nur zwei Ländern auf der Welt, in welchen es erlaubt ist, zu den Tieren in’s Wasser zu gehen und mit Ihnen zu Schnorcheln. Soweit ich das beurteilen kann, verläuft die Annäherung unter größtmöglicher Rücksichtnahme auf die Tiere (max. 4 Schnorchler, 5 m Abstand) und wenn der Wal keine Lust auf Interaktion hat, ist er mit zwei Flossenschlägen schnell außer Sicht. Wie für die meisten anderen waren die Begegnungen mit Buckelwalen auch für mich Hauptgrund meiner Reise nach Tonga und ich war verwundert, dass trotz dieser “Touristenattraktion” nur sehr wenige Menschen ihren Weg dorthin finden. Prinzipiell ist Whalewatching auf allen Inselgruppen des Königreichs möglich, die meisten Anbieter finden sich allerdings auf Vava’u und hier machte ich auch meine erste Erfahrung mit den Walen. Der große Vorteil an Vava’u ist die super Sichtweite unter Wasser, so dass man die Tiere auch von größerer Entfernung sehen und filmen kann.

Die Buckelwale von Tonga

Nachdem oben genannter Walbulle leider keine Lust verspürte etwas in unserer Nähe zu bleiben, pflügten wir weitere drei Stunden durch die Wellen, bis wir schließlich mehrere Wale in Küstennähe entdeckten. Langsam näherte sich unser Boot den Tieren. Die Wale rasteten und es zeichnete sich ab, dass es sich um zwei Erwachsene (Mutter und Eskorte) und ein Kalb handelte. Langsam und leise glitten wir in’s Wasser und pirschten uns an die Tiere heran. Die Sicht war blendend und so konnten wir die zwei ausgewachsenen Tiere in einer Tiefe von vielleicht 30 Metern Ruhen sehen, während das Kalb zum Luftholen an der Oberfläche war (Kälber müssen ca. alle 5, ausgewachsene Tiere alle 20 Minuten Luft holen). In respektvollem Abstand beobachteten wir die majestätischen Geschöpfe und mussten nicht lange warten, bis auch die beiden großen Buckelwale zum Atmen nach oben kamen und sich danach wieder in Ruheposition begaben. Ich weiß ich hab’ dass schon öfter geschrieben, aber diesen Tieren in freier Wildbahn zu begegnen ist ein absolut unglaubliches Gefühl. So schön, leicht und anmutig bewegen sie sich unter Wasser, trotz ihrer Größe und ihres Gewichts. Sie nehmen uns wahr, sehen uns an, die Kälber kamen oft sogar bis auf kurze Distanz heran um uns neugierig zu mustern. Wunderschöne friedvolle Geschöpfe, die unbedingt schützenswert sind.

Die Buckelwale von Tonga

Die Wale ließen sich nicht von uns stören und so waren wir weit über eine Stunde mit ihnen im Wasser, bis sie weiterzogen. Bereits an meinem ersten Tag Whalewatching so ein Hammer-Erlebnis, dass Glück war mir mal wieder hold! Ein paar Tage später flog ich nach Süden auf die Ha’apai Gruppe und war gespannt ob die Walbegegnungen von Vava’u hier noch zu toppen sind. Auf Ha’apai gibt es nur fünf Anbieter für Whalewatching Touren und Unmengen und damit meine ich wirklich Unmengen von Buckelwalen. Man sieht sie vom Strand aus, man sieht und hört ihre “Blows” vom Boot aus und man hört ihren Gesang beim Tauchen. Mehrere Tage verbrachte ich hier auf dem Wasser und hatte noch einige wirklich spektakuläre Begegnungen mit den Ozeanriesen, über wie unter Wasser. Buckelwale springen gerne oder schlagen mit ihren Flossen auf’s Wasser, was auch vom Boot aus schon schön anzusehen ist. Vor allem die Kälber haben ihren Spass an den Sprüngen und ich sah einige direkt neben unserem Boot hochkommen und reinplatschen. Der Wahnsinn! Im Wasser ist leider die Sicht mit der auf Vava’u nicht vergleichbar und man muss näher an die Tiere heran, bis man sie zu Sehen bekommt, doch die Begegnungen sind nicht weniger spektakulär. Mir waren mehrere Whale-swims mit “Mutter und Kalb” vergönnt, einige mit ausgewachsenen und Jugendlichen Buckelwalen und ich hatte sogar eine Begegnung mit einer ganzen Gruppe von fünf Tieren.

Die Buckelwale von Tonga

Die wohl intensivste Begegnung machte ich an einem Sonntag! Sonntags ist auf Tonga absolut “tote Hose”, es geht gar nichts. Folglich finden auch keine Whalewatching-Touren statt. Ich war auf der Insel Uoleva und konnte hier regelmäßig die Wale vom Strand aus beobachten, wie sie sich im flachen Wasser über dem vorgelagerten Riff aufhielten. Ich schnappte mir also ein Kajak und machte mich alleine auf die “Jagd”. Erst war es mir etwas unbehaglich mit dieser kleinen Plastikschale so weit auf den offenen Ozean hinauszurudern und mich diesen Meeresriesen zu nähern. Doch als ich nur ein paar Meter neben mir zwei Rückflossen auftauchen sah und die “Blows” der Tiere hörte siegte meine Abenteuerlust. Maske auf, Flossen an und ab in’s Wasser! Es waren Mutter und Kalb, die hier in nicht mal 25 Meter tiefem Wasser ruhten. Mit einer Hand zog ich das Kajak hinter mir her, mit der anderen hielt ich meine Kamera und näherte mich langsam den Tieren. Trotz der schlechten Sicht war es einfach wahnsinnig intensiv, diesen Tieren hier auf offener See ganz alleine so nahe zu kommen. Das Kalb kam einige Male in meine Nähe um mich zu mustern und ich konnte beobachten, wie es spielte und bei seiner Mutter Milch trank (bis zu 300 l am Tag). Fast eine ganze Stunde ließen die Wale mich in ihrer Nähe verweilen, bevor sie mit ein paar Flossenschlägen außer Sichtweite waren. Der Hammer!

Selbstverständlich habe ich versucht so viele der oben geschilderten Begegnungen wie möglich festzuhalten und hoffe, ich kann euch mit diesem Video einen kleinen Eindruck vermitteln, wie es ist diesen Tieren in freier Wildbahn zu begegnen:

Wer ein mal im Leben so intensive Begegnungen mit den Ozeanriesen hatte, kann einfach kein Verständnis mehr dafür aufbringen, dass immer noch darüber diskutiert wird Fangverbote wieder aufzuheben und die Jagd, welche die Tiere im letzten Jahrhundert bereits an den Rand der Ausrottung gebracht hat, erneut aufzunehmen. Umso wichtiger ist es um die Schönheit und Artenvielvalt zu wissen und den Menschen begreiflich zu machen, dass die Erhaltung der Meere und ihrer Lebewesen mindestens genauso wichtig ist wie die vielen ebenfalls unterstützenswerten Umweltschutzbemühungen an Land.

Wer gerne selbst nach Tonga möchte für eine “Once in a Lifetime”-Erfahrung mit Buckelwalen, dem kann ich auf Vava’u Al von Dolphin Pacific Diving und auf Ha’apai Finau von Tiana’s wärmstens an’s Herz legen. Beide sind sehr bemüht, unter größtmöglicher Rücksichtnahme auf die Buckelwale, ihren Gästen einige hammermäßige Erlebnisse zu verschaffen.

 

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