Tauchen und Schnorcheln auf Palau

Tauchen und Schnorcheln auf Palau

Die Augen weit aufgerissen und wild um sich blickend, fummelte Nadine an dem Karabiner an ihrem Jacket, der sie mit der Strömungsleine und diese mit dem mehrere Meter unter ihr liegenden Gestein verband. Im Augenwinkel nehme ich wahr was gerade passiert, reiße den Blick von dem Spektakel um uns herum los und tauche zu ihr. Zu spät? Panik! Sie will hoch! Wir befinden uns in knapp 20 Meter Tiefe im German Channel. Die Strömung bläst uns fast die Masken weg. Um uns, neben uns, hinter uns ein riesiger Makrelenschwarm durch den jagende graue Riffhaie schießen. Über uns sechs Mantarochen die sich am durch den Kanal geblasenen Plankton laben. Dieser Tauchgang hätte in unser Logbuch als bester “ever” eingehen können und wurde doch zum ziemlichen Desaster……

Doch bis es dazu kam, hatten wir auf Palau Tauchgänge die alle zuvor betauchten Gegenden in den Schatten stellen sollten. Wer auf Palau Tauchen war ist, was die Unterwasserwelt angeht, für immer versaut. Es gibt nicht viele Tauchgebiete auf der Welt die mit den Gewässern des Archipels mithalten können. Hier zu Tauchen ist wie ein italienisches Restaurant zu finden bei dem Pizza UND Pasta gut sind. Und wer gerne italienisch Essen geht, weiß wie schwer so etwas zu finden ist. Palau bietet Großfisch und Makro, gemütliches Tümpeln und Strömungstauchgänge, flache Riffe zum Schnorcheln und Steilwände und nicht zuletzt eine Vielzahl intakter Hart- und Weichkorallen . Und das wichtigste: Palau ist das erste Haischutzgebiet weltweit und dementsprechend gibt es Haie satt!

Blue Corner

Das war natürlich einer der Hauptgründe warum es uns im Herbst 2012 an’s andere Ende der Welt verschlagen hat. Doch nicht nur unter Wasser auch an Land bzw. auf dem Wasser hat Palau – Rainbow’s End, wie die Inselgruppe auch betitelt wird, einiges zu bieten. Wir verbrachten zwei Wochen im Archipel. Die erste davon auf der Insel Koror. Hier sind die meisten Tauchbasen angesiedelt, denn wer nach Palau kommt, der möchte in der Regel auch Tauchen. Die zweite Woche auf der Insel Peleliu, etwa 40 km entfernt. Beide Standorte haben Vor- und Nachteile was die Anfahrt der Tauchplätze angeht. Wir waren auf Koror mit einer der größten Basen Sam’s Tours unterwegs. Die Basis hat mehrere Boote laufen und es wird morgens nach Wetterbedingungen entschieden welche Plätze angefahren werden. Die spektakulärsten Tauchplätze liegen nördlich und südlich am Außenriff und die Fahrzeit dorthin kann je nach Wellengang bis zu zwei Stunden dauern. Es gibt nur wenige Durchbrüche am Riff, durch die die Boote rausfahren können, so dass man manchmal ordentliche Umwege fährt. Allerdings geht die Fahrt, zumindest nach Süden, durch die Rock Islands, was eigentlich schon ein Erlebnis für sich war. Von Peleliu aus ist das Außenriff wesentlich schneller erreicht und man ist bereits “Außen”. Das hat den essentiellen Vorteil, das man vor den Tauchbasen aus Koror an den Tauchplätzen ist und diese dann für sich alleine hat. Zumal von Koror nahezu zeitgleich alle Basen aufbrechen um die Highlights anzufahren und wir von Peleliu aus eigentlich immer das einzige Tauchboot waren. Eine Mischung aus beidem, wie wir das hatten, war optimal. So konnten wir mehrere Male die Fahrt durch die Rock Islands genießen und in der zweiten Woche die kurze Anfahrt. Aber viel interessanter als die Anfahrtsdauer ist natürlich, was man auf Palau unter Wasser so alles erleben kann.

Hier unsere Highlights:

  • Tauchplatz Ngerchong Inside: Unser erster Tauchgang fand in der Lagune statt und war ein Einfacher zum Start. Ein kleines schön bewachsenes Riff. Mehrere Blöcke umschwirrt von Glasfischen, Nemos, Igelfischen, den üblichen Verdächtigen. Ganz schön, aber deshalb bin ich doch nicht extra nach Palau geflogen. Wo sind die Haie?

 

  • The New Drop Off: Eigentlich sollte dieser Tauchgang woanders stattfinden. Am Außenriff angekommen, war der Wellengang allerdings so hoch, das unser Boot drohte umzukippen wenn wir den eigentlich geplanten Platz angefahren hätten. Deshalb hierhin. Alle schnell in’s Wasser bevor jemand wieder vom Boot kotzen muss (was hinterher trotzdem passierte, aber zum Glück nicht uns 😉 ). Nach dem Abtauchen im Blauwasser tasteten wir uns an die Steilwand ran. Ganz schön bewachsen und vollkommen intakt, ließen wir uns von der Strömung am Riff entlangtreiben. Anfangs recht unspektakulär entwickelte sich dieser Tauchplatz (den wir zwei mal betauchen durften) beide Male ab einem Gewissen Punkt zum Topspot, nämlich als die ersten Haie auftauchten. Erst weit weg und vereinzelt waren wir in der zweiten Hälfte des Tauchgangs nur noch damit beschäftigt uns gegenseitig aufzuzeigen wo gerade wieder ein Grauer oder Weißspitzenriffhai an uns vorbeizog. Und damit nicht genug. Wir konnten große Fischschwärme, mehrere Schildkröten und Büffelkopfpapagaienfische sehen. Wir beendeten den Tauchgang als letzte im Wasser mit fünf Haien und zwei Schildkröten um uns herum beim Sicherheitsstop. Nach diesem Tauchgang wusste ich dann, weswegen ich nach Palau geflogen bin.

    Schildi am New Drop Off
  • Jellyfish Lake (nur Schnorcheln): Dieser See ist ein weiteres Naturwunder des Archipels. Auf einer der Rock Islands liegend führt ein schmaler Pfad durch den Wald an den See, der ganz idyllisch von dichtem Grün umrundet ist. Da der Sauerstoffgehalt des Wassers nur an der Oberfläche gegeben ist und der See ab etwa 15 m anoxisch (sauerstofffrei) wird, ist das Tauchen hier verboten. Was aber nicht weiter schlimm ist, Schnorcheln reicht hier völlig. Einmal im Wasser sahen wir anfangs bis auf ein paar Fische nur grüne Brühe. Auf Rat unseres Guides paddelten wir immer weiter in die Mitte des Sees und in’s Sonnenlicht und da tauchten Sie auf. Erst vereinzelt, dann hunderte, dann tausende. Quallen. Auf Ihre eigentümliche Weise bewegen sie sich fort und wir mussten auf unsere Flossenschläge aufpassen, um keine zu verletzen. Glitschig und glibberich fühlten sich ihre Berührungen an, aber nicht schmerzhaft. Da sich der See vor tausenden von Jahren vom Meer abgespalten hat und die Quallen hier bis auf einige Anemonen keine Fressfeinde mehr haben, haben sie ihr Gift abgelegt und können problemlos berührt werden. Tag für Tag findet in diesem See eine der größten Tierwanderungen der Welt statt, wenn die zeitweise bis zu 30 Millionen (!) Quallen von der Westseite des Sees auf die Ostseite wandern um der Sonne zu folgen und so den mit Ihnen in Symbiose lebenden Algen die Photosynthese zu ermöglichen. Es gleicht dem Eintauchen in eine Traumwelt in dem grünen Wasser zwischen den gelben pulsierenden Quallen seine Runden zu drehen und gehört definitiv zu den “Must Sees” von Palau.

    Nadine im Jelly Fish Lake
  • Blue Corner: “Ladies and Gentlemen, you are now diving at one of the best dive sites of the world”, so oder so ähnlich waren die Worte unseres Guides bevor wir uns vom Boot plumpsen ließen. Angetaucht wird der Spot als Driftdive an einer Steilwand. Nach einigen Minuten gab der Guide ein Zeichen und wir nahmen unserer Riffhaken zur Hand. Dann hieß es schnell sein, die Wand endet an eine Plateau auf ca. 20 m und hier bläst eine ordentliche Strömung. Wir suchten uns ein Stück festes Gestein, hakten uns ein, Luft in’s Jacket und dann einfach in der Strömung flattern lassen und in’s Blauwasser schauen. Haie, Haie, Haie. Graue und Weißspitzenriffhaie en masse die hier ihre Runden drehten und sich das durch die Strömung sauerstoffreichere Wasser durch die Kiemen pusten ließen. Es fällt schwer den Blick von den eleganten Räubern abzuwenden, aber natürlich gab es noch mehr zu sehen. Ein Schwarm Barrakudas stand elegant in der Strömung und zwei große Napoleons waren so neugierg, dass sie bis auf Armlänge herankamen um uns zu begutachten. Als die Luft zu Neige ging lösten wir die Haken und ließen uns über’s Plateau blasen bis wir schließlich auftauchen mussten. Zwei Tauchgänge unternahmen wir hier, wobei wir beim zweiten von Peleliu aus nur zu viert waren und die Anzahl der Haie am frühen Morgen noch größer wie beim vorherigen mal. Absolut geil!
Großer Grauer
  • German Channel: Wie der Name schon sagt handelt es sich hier um einen Kanal, der von den Deutschen während der Kolonialzeit in’s Außenriff gesprengt wurde um mit den Booten nach Koror zu kommen. Der Ausgang dieses Kanals hat sich zu einem Top-Tauchspot entwickelt, der allerdings nicht ganz ungefährlich ist, da hier immer noch Bootsverkehr herrscht. Drei mal tauchten wir hier ab um den fliegenden Teppichen zu begegnen. German Channel ist DER Tauchspot auf Palau für Mantabegegnungen. Die ersten beiden Male knieten wir an der Putzerstation auf ca. 30 m Tiefe, konnten bei schlechter Sicht aber nur den Schemen eines Mantas in der Ferne vorbeiziehen sehen. Wir beendeten beide Tauchgänge mit einem Drift über das Riff, das neben Mantas mit einem großen Fischreichtum, einem standorttreuen Makrelenschwarm, vielen Zackenbarschen und natürlich den am Außenriff allgegenwärtigen Haien aufwarten konnte. Als wir den Tauchplatz von Peleliu aus betauchten wusste unser Guide ganz genau wann die Mantas dort sind und sagte uns bereits vorher dass wir sie am Nachmittag an der Oberfläche beim filtrieren beobachten könnten. Er sagte aber auch, dass die Strömung stark sein wird und wir ganz schön paddeln müssten um standzuhalten. Als wir am Tauchplatz ankamen konnten wir auch tatsächlich schon Mantas von oben sehen, machten uns schnell fertig und tauchten ab. Die Sicht war wie üblich hier ziemlich schlecht und die Strömung stark. Um uns herum topte das Leben. Riesige Fischschwärme verdunkelten die Sonne, graue Riffhaie schossen hindurch auf der Suche nach Beute und dann sahen wir sie über uns. Mantas! Es gibt nicht viele Tiere, die beim Fressen derart elegant wirken. Ihr Fressritual sieht aus als würden sie einen Tanz aufführen, sie fliegen in Formation und schlagen Loopings. Doch selbstverständlich hat das mit Tanzen weniger zu tun, sondern durch die Flossenschläge erhöhen sie die Konzentration des Planktons dass den Weg in ihr Maul findet. Für uns jedoch ein wunderbarer Anblick und ein beeindruckendes Spektakel, gerade vor dieser Kulisse. Wir mussten ganz schön kämpfen um bei der Strömung nicht abgetrieben zu werden. Nadine konnte kaum mithalten und so befestigte der Guide am mehrere Meter unter uns liegenden Gestein einen Riffhaken mit Seil und hakte daran ihr Jacket fest. Das gab ihr erst mal die Möglichkeit einfach in der Strömung zu hängen, ohne abgetrieben zu werden. Leider entwickelte sich die Situation dann relativ schnell äußerst ungut. Natürlich galten unsere Blicke den Mantas und beim Filmen und Fotografieren wurden wir etwas abgetrieben. Ich befand mich über und hinter Nadine so dass sie mich irgendwann nicht mehr sehen konnte. Nadine sah nur noch Fische um und über sich, aber keinen Taucher mehr. Sie versuchte den Karabiner zu lösen, was aber irgendwie nicht funktionierte. Und dann geschah es, sie geriet in Panik. Ich sah ihre hektischen Bewegungen und weit aufgerissenen Augen, schwamm zu ihr und machte sie los. Doch da war es bereits zu spät, sie wollte hoch und ihr voll aufgepumptes Jacket zog sie in einem Affentempo genau dort hin. Ich bekam Sie zu fassen, ließ Luft
    Nadine am Haken….

    aus ihrem und meinem Jacket um den Aufstieg zu verlangsamen. Sie versuchte sich Maske und Atemregler vom Gesicht zu reißen und nach einigen bangen Sekunden erreichten wir die Oberfläche, mitten im Kanal. Puuuuhhh, das war knapp. Obwohl dies unser zweiter Tauchgang des Tages war und wir keinen Sicherheitsstop einlegten hatten wir im nachhinein glücklicherweise keine Probleme. Die nächste Druckkammer befindet sich meines Wissens in Guam, wäre also nicht gerade günstig geworden. Wie eingangs geschrieben, hätte dieser Tauchgang zu unserem besten “ever” werden können, wurde aber leider zu einem Stigma, dass uns seitdem begleitet. So schnell kann Spass zu Gefahr umschlagen und wir werden in Zukunft sicherlich derartige Stresssituationen meiden, wer weiß ob wir beim nächsten mal wieder so viel Glück haben werden.

Danach war das Tauchen für diese Reise gelaufen. Nadine probierte es zwar noch mal, aber die Bedingungen waren leider wieder gegen uns. An einem Riff bei Peleliu tauchten wir noch mal kurz ab, die Sicht war extrem schlecht, die Strömung stark, so dass wir bereits nach ein paar Minuten unsere Tauchpartner verloren. Wären wir hier an einem besseren Tauchplatz gewesen, hätte die Situation sicherlich anders ausgesehen. Aber so nutzten wir die tauchfreie Zeit um die Insel zu erkunden und waren an zwei Tagen zum Schnorcheln mit an den Riffen. Und selbst das Schnorcheln war gespickt von Highlights. Nochmals am German Channel konnten wir einen Manta unter uns seine Runden drehen sehen, die Haie am Blue Corner beobachten und über die intakten und über und über bewachsenen Riffe staunen. Und als Sahnehaube begleitete uns am vorletzten Tag eine Schule Spinnerdelphine aus der Bucht raus zu den Tauchplätzen, sie spielten mit dem Boot und beeindruckten mit ihren Sprüngen.

Intakte Korallenwelt

Ich wollte es mir allerdings nicht nehmen lassen auch beim Schnorcheln nochmal Haie nah vor die Linse zu bekommen. Wir verbrachten einen Tag an einem schönen ruhigen Riff, die Taucher machten hier zwei Tauchgänge. Ohne Haibegegnung. Nadine und ich jedoch hatten hier wahrlich nochmal einige “Hailights”. Auf den Malediven erklärte uns unser Guide, wie man Haie ganz einfach anlocken kann, ohne Blut, Fisch oder dergleichen. Und das machten wir. Erst kam ein grauer Riffhai aus dem tiefen Blau nach oben, merkte aber recht schnell, dass er nur verarscht wurde. Dann tauchten Weißspitzenriffhaie auf, die schon interessierter waren und für die nächsten 60 Minuten kaum von unserer Seite wichen. Obwohl am kleinsten, machten uns die dann auftauchenden Schwarzspitzenriffhaie doch etwas nervös. Sie reagierten am krassesten auf unsere Anlockversuche, schwammen hektischen auf uns zu, bis an die Wasseroberfläche und umkreisten uns. Da hieß es zusammen bleiben und Flossen nach unten, um möglichst groß zu wirken. Rückblickend mag die Aktion vielleicht etwas grenzwertig erscheinen, doch wenn man öfter mit Haien im Wasser ist, weiß man wie wenig interessiert diese schönen Tiere eigentlich an Menschen sind und das der Mythos Menschenfresser, gerade bei den häufiger anzutreffenden Arten, halt eben auch nur ein Mythos ist. Ein wirkliches tolles Erlebnis zum Abschluss unserer Palaureise und eines das die zwangsweise tauchfreie Zeit auch locker verschmerzen ließ.

Was die Unterwasserwelt angeht war Palau das Non-Plus-Ultra was wir bis dato erleben konnten und jedem zu empfehlen, der hai-, natur- und tauchbegeistert ist. Wie bereits in Palau – Rainbow’s End erwähnt, hat diese kleine Republik den Wert ihrer Naturschätze frühzeitig erkannt, finanziert den Naturschutz durch den Tourismus und setzt auf Nachhaltigkeit um dieses Paradies auch für zukünftige Generationen zu erhalten.

 

 

 Reisezeitraum: September 2012

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