Tauchen im Königreich Tonga

Tauchen im Königreich Tonga

Es war für mich im Vorfeld sehr schwierig ausreichend Informationen über das Tauchen auf Tonga zu finden. Die wenigsten Besucher scheinen sich hier die Unterwasserwelt genauer ansehen zu wollen, abgesehen von den Buckelwalen natürlich. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Anzahl der Tauchbasen sehr begrenzt ist. Letztlich konnte mir doch jemand von seinen Erfahrungen berichten und riet mir eher davon ab, dort abzutauchen. Dennoch wollte ich mir vor Ort mein eigenes Bild machen und hier davon berichten um allen die evtl. auch darüber nachdenken neben dem Whalewatching einige Tage Tauchen zu gehen, die Entscheidung etwas zu erleichtern. Um eines gleich vorweg zu nehmen: Es hat sich definitiv gelohnt auf Tonga zu Tauchen.

Der Start war allerdings etwas holprig. Ich suchte auf Vava’u nach einer Tauchbasis und wollte mich dort etwas informieren. Als ich fragte was man denn hier so sehen könne, bekam ich die Antwort: “Fish”. Na vielen dank. Ich ließ mich nicht entmutigen und unternahm am Folgetag meine ersten Tauchgänge. Wie im Südpazifik leider üblich, fragte niemand nach, ob ich schon mal Tauchen war, oder wollte das Brevet sehen. Auch die Ausrüstung sah nicht mehr wirklich taufrisch aus, aber ich arrangierte mich irgendwie damit und so verließen wir den Hafen von Neiafu und kamen kurze Zeit später am Tauchplatz an. Letztlich ist es auf Vava’u so, dass sich die felsige Topographie unter Wasser fortsetzt. Die Felsen sind teilweise mit Hartkorallen bewachsen, jedoch ist der Bewuchs nicht vergleichbar mit Fidschi oder Palau. Auch der Fischreichtum ist eher mager. Großfisch ist generell eher selten und auch Schwärme machen sich rar. Ab und zu kann man eine farbenprächtige Nacktschnecke sehen, einen Trompetenfisch, Stachelrochen, Steinfisch oder eine Seeschlange. Ich hatte wohl Glück und sah ebenfalls auf fast jedem Tauchgang Weißspitzenriffhaie, wenn auch meistens kleine Jungtiere.

Steinfisch

Doch den wahren Reiz der Unterwasserwelt Vava’u’s macht tatsächlich die felsige Unterwasserlandschaft aus. Es gibt Unmengen Swim-Throughs, Kavernen und Höhlen. Die Sichtweite war extrem gut und es ist ein unbeschreiblich schönes Schauspiel, wenn sich die Sonnenstrahlen vor einem Höhleneingang im tiefen Blau brechen, während man sich selbst in der Dunkelheit der Höhle befindet. Die Höhlen sind größtenteils nicht so tief und lang, dass man dafür eine Höhlentauchausbildung benötigt, sondern als guter Taucher problemlos meisterbar und bieten natürlich selbst auch viel Raum zum Entdecken. So fanden zum Beispiel die meisten Begegnungen mit Weißspitzenriffhaien in einer der Höhlen statt, wo die Tiere in völliger Dunkelheit ruhten. Auch andere eher Dunkelheit bevorzugende Fische sind in größeren Mengen anzutreffen und natürlich ist auch der teilweise dichte Bewuchs interessant, der sich deutlich von dem außerhalb der Höhle unterscheidet. Die Höhlen, Grotten und Kavernen, für mich definitiv das taucherische Highlight auf Vava’u und gleichzeitig auch das Alleinstellungsmerkmal der Tauchgründe. Wer vergleichbares noch nicht gesehen hat, sollte hier unbedingt mal seinen Kopf für ein paar Tauchgänge unter Wasser stecken.

Auch schnorchelnd kann man die Schönheit der Höhlen erkunden. Es gibt eine Höhle, in welche man kommt, wenn man eine Zeit lang die Luft anhält und die Wegstrecke von ca. 6 m unter den Felsen hindurch zurücklegt.  Die Höhle an sich ist leider nicht wirklich groß und spektakulär, so dass man sich gut überlegen sollte, ob man das Risiko auf sich nimmt, hier rein zu tauchen. Denn wer erst mal drinnen ist, muss natürlich auch wieder den selben Weg zurück. Was allerdings unbedingt einen Besuch Wert ist, ist die Grotte Swallows Cove. Nicht weit von Neiafu entfernt, wird dieser Ort auch von den Whalewatching Booten auf dem Rückweg angefahren wenn man nett fragt. Das Highlight hier ist ein riesiger stationärer Fischschwarm, der sich in dem leuchtenden Blau zu verlieren scheint. Bei richtigem Lichteinfall ein unglaublich schöner Anblick!

Sepia

Auf Ha’apai sieht es dann nicht nur an Land, sondern auch unter Wasser ganz anders aus. Mal ganz davon abgesehen, dass es hier natürlich noch weniger Tauchbasen gibt wie auf Vava’u. Die Tauchplätze liegen nicht weit entfernt vom Ufer und wurden mit dem Schlauchboot angefahren. Sehr schön war natürlich, dass man auf der Fahrt zu den Tauchplätzen oft Wale auftauchen oder auf’s Wasser klatschen sehen konnte. Wir hofften natürlich darauf, mal einen beim Tauchen zu Gesicht zu bekommen und wenn die Sichtweite so gut gewesen wäre wie auf Vava’u, hätte das auch geklappt. Gleich beim ersten Tauchgang tauchten wir an einer Felsnadel ab und ganz kurze Zeit nachdem wir unten waren, tauchte ein Buckelwal auf der anderen Seite der Nadel und direkt neben unserem Boot auf, wie unser Skipper später berichtete. Wäre die Sicht besser gewesen, hätten wir ihn gesehen. Doch wahr genommen haben wir ihn auch so und wussten, dass er ganz nahe sein musste, denn sein Gesang war so extrem laut, dass nahezu der ganze Körper vibrierte durch die Schallwellen der bis zu 190 Dezibel lauten Töne. 

Die Unterwasserwelt Ha’apai’s ist stärker von Hart- und auch einigen Weichkorallen bewachsen und auch etwas bunter als im Norden auf Vava’u. Es gibt auch Felsen und einige Swim-throughs, jedoch keine Höhlen oder Grotten. Letztlich waren die Tauchgänge hier relativ unspektakulär und wenn man schon einige Tauchziele im Südpazifik besucht hat, kann man sich das Tauchen auf Ha’apai vielleicht tatsächlich sparen.

Was aber auf jedem Tauchgang wirklich beeindruckend war, war der Gesang der Buckelwale, welchen man unter Wasser auf lange Strecken hören kann und der eigentlich jeden unserer Tauchgänge begleitete. Für sich eigentlich schon ein Grund, im Königreich Tonga abzutauchen!

 

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