Tauchen im Nord Male Atoll

Tauchen im Nord Male Atoll

Die Malediven sind eines DER Taucherparadiese unseres Planeten. Fast jede Insel ist mit einem artenreichen Hausriff versehen, es gibt Unmengen Kanäle und damit exponierte Strömungsspots um Großfischen zu begegnen und nicht zuletzt sind auch die großen Planktonfresser wie Mantas und Walhaie regelmäßige Gäste in den Atollen.

Da wir bei unserem letzten Besuch auf den Malediven noch blutige Anfänger waren, haben wir das Tauchen dort sicherlich etwas anders wahr genommen, als wir dies heute tun würden. Letztlich hat man gerade zu Beginn der Taucherkariere alle Hände voll zu tun mit sich selbst und seiner Ausrüstung klar zu kommen und übersieht sicherlich das ein oder andere Highlight. Auf der anderen Seite sind natürlich gerade die ersten Tauchgänge im  Meer etwas ganz besonderes und werden uns sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben.

Leider haben wir von den Tauchgängen auf den Malediven auch keine Fotos, da ich damals der Meinung war und noch immer bin, dass man erstmal seine Ausrüstung und ordentliche Tarierung beherschen sollte, bevor man anfängt unter Wasser zu fotografieren. Ich habe leider schon viel zu oft gesehen, wie sich ein fehlendes taucherisches Können verbunden mit der Konzentration auf möglichst gute Bilder auf den Tauchgang auswirkt, der “Fotograf” am Riff hängenbleibt, die Tiere belästigt oder schlicht nach oben schießt. Deshalb mein Apell an alle Tauchanfänger: Lernt erst richtig Tauchen (und hier vor allem das Tarieren) und fangt dann an zu fotografieren oder zu filmen, dann macht’s auch viel mehr Spass.

So, genung aussenrum geredet. Trotz Anfängertum und vielen Ängsten von Nadine waren unsere zwölf Tauchgänge auf den Malediven größtenteils wirklich spitze. Ich möchte hier kurz auf einige Tauchplätze im Nord-Male-Atoll eingehen, um euch einen kurzen Eindruck zu verschaffen, was es dort so zu sehen gibt.

Generell gilt zu sagen, dass die dortigen Riffe größtenteils aus Hartkorallen bestehen und Weichkorallen oder Anemonen eher seltener zu sehen sind. Auch haben die Korallen während einem der letzten El Nino teilweise stark gelitten, befanden sich aber wieder auf dem Weg der Besserung.

Hier einige Highlights unserer Tauchgänge:

  • Hausriff Eriyadu: Das Hausriff umrundet die komplette Insel, unterbrochen von einigen künstlich geschaffenen “Ausstiegen”. Bewohnt natürlich von den typischen Riffbewohnern des indischen Ozeans. Es sind sowohl Schwarmfische anzutreffen als auch Schildkröten und einige Jäger, wie Muränen und Weißspitzenriffhaie. Die Whitetips zu sehen war uns leider nicht vergönnt. Wir konnten aber Nachts am Jetty einen ausgewachsenen Ammenhai beobachten, der von den Abfällen der ankommenden Fischer angelockt wurde und in der Lagune traf man gelegentlich auf einen jungen Zitronenhai. Desweiteren waren die großen Marmorstachelrochen innerhalb der Lagune jedes Mal ein Highlight auf dem Weg zum Ausstieg.

 

  • Eriyadu Outside: Neben vielen Schwarmfischen und der Begegnung mit Napoleons und Muränen sahen wir hier das erste mal beim Tauchen Haie und zwar Weißspitzenriffhaie. Ich war begeistert, lag ich doch unserem Tauchlehrer schon die ganze Zeit in den Ohren, dass ich endlich Haie sehen will. Wir waren nur zu dritt an diesem Tauchplatz und Sven half etwas nach, um die Haie anzulocken. Nicht mit Blut, Fischinnereien oder ähnlichem. Wer Interesse hat wie das möglich ist kann uns gerne kontaktieren, wir haben die Methode seitdem diverse Male erfolgreich angewandt.

 

  • Madivaru Beru: Ein Bild an das ich mich bis heute exakt erinnern kann. Als wir in dieser Bucht abtauchten, sehen wir bereits die vielen auf dem strahlend weißen Sand liegenden Marmorstachelrochen, die sich beim Näherkommen majästätisch erhoben. Vor dem Riff in einem kaum verfolgbarem Chaos Unmengen Füssiliere und vor einzelnen Korallenstöcken Schwärme von Glasfischen.

 

  • Hembadhoo Wrack: Wie bei allen unseren Tauchgängen auf den Malediven hatten wir auch hier eine super Sichtweite und konnten das Wrack bereits beim abtauchen sehen. Schön bewachsen mit allerlei tierischen Bewohnern (Garnelen, Glasfische, Stachelrochen) liegt das Wrack in der Nähe eines Riffs und wurde umringt von vielen neugierigen Fledermausfischen.

 

  • Akiri Outside: Unser erster (geplanter) Drift-Tauchgang. Wir ließen uns von der Strömung mehrere Kilometer am Riff entlangtreiben, begleitet von Napoleons, Barrakudas, Thunfischen und Weißspitzenriffhaien. Ein geiles Gefühl durch den Ozean zu fliegen ohne viel machen zu müssen und etwas wofür die Malediven bei Tauchern berühmt sind. Das beeindruckende, die Bootscrew kann die Strömungen extrem gut einschätzen und war schon vor Ort, als wir mehrere Kilometer (!) von der Abtauchstelle entfernt wieder auftauchten.

 

  • Madigaa: Dieser Tauchgang wird ewig eines unserer absoluten Top-Erlebnise unter Wasser bleiben. Wie selten so ein Anblick tatsächlich ist, den wir dort sehen durften, war uns damals noch nicht bewusst, aber wir haben bis heute nichts vergleichbares gesehen. Hier verteieln sich einige Korallenblöcke auf weißen Sand, wir sahen Napoleons, einen riesen Zackenbarsch, Thunfische, eine Schnapperschule und schlichen uns an schlafende Weißspitzenriffhaie an. Aber das absolute Highlight sahen wir erst beim Sicherheitsstop. Wir hingen auf fünf Meter und meine Sauerstoffanzeige ging schon Richtung roter Null, da tauchte unter uns eine Schule Adlerrochen auf. 17 Stück dieser beeindruckenden Tiere zogen im Formationsflug unter uns ihre Runden. Ein Bild, das ich nie vergessen werde. Obwohl meine Flasche nun fast komplett leer war (die Nadel war schon bei Null) gebot uns unser Guide zu bleiben und zur Not bei ihm mitzuatmen, da auch er so etwas nicht alle Tage zu sehen bekommt. Es war der Hammer, so schade dass ich das damals noch nicht filmen konnte.

 

  • Finger Point: Ein weit über die Malediven hinaus bekannter Tauchplatz. Mit negativem Abstieg wird bei starker Strömung bis auf ca. 30 Meter abgetaucht und dann heißt es nur noch festhalten und Blick in’s Blauwasser. Generell ein Top-Tauchplatz für Großfisch. Da wir leider nur sehr geringe Strömung hatten, war leider nicht so viel Traffic. Nichtsdestotrotz konnten wir die üblichen Weißspitzenriffhaie sehen, einen kleinen grauen Riffhai, einen Adlerrochen und einige Barrakudas. Zudem war das unser erster “strictly advanced” Tauchplatz und allein auf Grund dessen natürlich schon ein Highlight.

 

Jede Insel hat in der Regel eine eigene Tauchbasis die eine große Bandbreite an Tauchplätzen anfährt, so dass hier sicherlich keine Langweile aufkommt. Selbstverständlich kann man auch selbstständig im Buddyteam am Hausriff tauchen. Auf Eriyadu damals sogar ohne lästiges Ausrüstungsschleppen. Hier wurde die fertig montierte Ausrüstung einfach zum gewünschten Einstieg gebracht und nach dem Ausstieg einfach wieder am Strand abgeholt. Nur Tauchen musste man eben noch selbst. Auf Grund der Wassertemperatur die ganzjährig um die 27 Grad liegt, kann man problemlos mit Shorty tauchen und braucht demnach entsprechend wenig Blei.

Selbst nach vielen weiteren Tauchgängen in den verschiedenen Ozeanen der Welt, müssen die Malediven keinerlei Vergleiche scheuen. Was man hier selbst bei relativ wenig Tauchgängen sehen und erleben kann ist absolut spitze. Während ich das schreibe sitze ich in unserer Wohnung in Deutschland und schaue in den verregneten Herbst, wie gerne würde ich jetzt wieder meinen Koffer packen und zu den türkisen Lagunen der Malediven flüchten. Aber zum einen gibt es hier noch einiges zu erledigen bevor wir Deutschland für längere Zeit den Rücken kehren und zum anderen gibt es natürlich noch so viel auf der Welt zu entdecken, so dass wir die Ziele die wir schon besucht haben erst mal hinten anstellen wollen.

Anbei noch ein paar Fotos vom Schnorcheln am Hausriff Eriyadu.

Habt ihr noch Fragen oder eigene Erlebnisse zum Tauchen auf den Malediven? Dann immer her damit!

 

 

Reisezeitraum: September 2009

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