Taranaki – Drei Schwestern und der Surf Highway

Taranaki – Drei Schwestern und der Surf Highway

Eine Menge Humor muss die Natur besitzen und noch viel mehr Kreativität. Denn obwohl wir bereits sehr viel gesehen haben, schafft sie es doch immer wieder uns zu überraschen. Sehr überrascht waren wir, als wir nach unserer Trekking-Tour im Tongariro Nationalpark weiter gen Westen nach Taranaki fuhren und durch Zufall genau zur richtigen Zeit an einen Ort kamen, der uns mindestens ebenso wie die Hochebenen um Mordor ins Staunen versetzte. Wir hatten nicht geplant zu den Three Sisters zu fahren, wir hatten noch nicht mal gewusst, dass sie existieren. Aber am Ende war dieser Spot und die Zeit die wir dort verbrachten eines der Highlights von Neuseelands Nordinsel für uns…

Taranaki

Die Region im Westen der Nordinsel von Neuseeland ist benannt nach ihrem Wahrzeichen, dem Mt. Taranaki. Ein perfekt geformter Vulkankegel der von nahezu jedem Ort in der Region sichtbar ist. Beginnend kurz hinter der kleinen Stadt Mokau im Norden, zieht sich die Region die Küste entlang bis um den Mt. Taranaki herum. Dabei vereint sie eine Vielzahl landschaftlicher Highlights und ist ein El-Dorado für Outdoorsportler (wie fast alle Regionen in Neuseeland 😉 ). Vor allem Surfer und Hiker kommen in Taranaki auf Ihre Kosten. Denn nicht umsonst gab man der Küstenstraße um den Vulkan herum den Namen Surf Highway. Für Hiker bietet der Berg selbst, der Mt. Taranaki (oder auch Mt. Egmont wie ihn die Engländer nannten) eine Vielzahl an Wanderwegen für jedes Level und natürlich auch die Möglichkeit den Gipfel des Berges selbst zu besteigen, sofern man über ausreichend Kondition verfügt.

Mt. Taranaki

Wer beim Laufen gerne Sand zwischen seinen Zehen hat, dem bietet unter anderem der White Cliff Walk in der Nähe von Waiiti einen kilometerlangen, einsamen Sandstrand vor eindrucksvollen Klippen. Zwingend berücksichtigen muss man bei der schönen Wanderung die Gezeiten, da man bei Flut auf Grund der Klippen keine Fluchtmöglichkeit hat. Man sollte sich der eigenen Kondition also schon bewusst sein, mittendrin umkehren kann unter Umständen gefährlich bzw. ziemlich nass werden. Die steilen Klippen, die in ihren verschiedenen Farben von weiß über grau bis grün einen wunderschönen Kontrast zum Sand bilden, machen den Strand zu einem ganz besonderen und die Anzahl der Touristen die den Weg dorthin finden ist glücklicherweise bis jetzt mehr als überschaubar.

White Cliff Walk

Im Landesinneren lockt der 724 km² große Whanganui-Nationalpark mit unverfälschter Natur an dem gleichnamigen Fluss, der sich wunderbar für mehrtägige Kayaktouren eignet. Wer nicht so viel Zeit hat, aber unbedingt einen der populärsten Spots der Region abhaken möchte, der kann sich im Rahmen einer Bootstour zur “Bridge to Nowhere” kutschieren lassen. Was allerdings an einer Brücke ins Nichts so spannend sein soll erschloss sich uns nicht wirklich, so dass wir uns diesen Trip sparten.

White Cliff Walk

Die drei Schwestern

Noch mehr beeindruckt als der White Cliff Walk haben uns allerdings die Three Sisters. Durch Zufall sind wir an diesem außergewöhnlichen Spot gelandet und das auch noch mit dem perfekten Timing. Als wir den Küstenhighway entlang fuhren auf dem Weg zu unserem nächsten Campingplatz stach uns plötzlich eine Bucht ins Auge aus der mehrere markante Felsen ragten. Wir stoppten kurz um ein Foto zu schießen und entschieden uns dann spontan vom Highway runter zu fahren um zu sehen, ob wir nicht einen Platz für die Nacht an diesem schönen Ort finden könnten.

Campingplatz an den Three Sisters

Unten angekommen, folgten wir einer schmalen Straße bis diese schließlich an einer Wiese direkt am Meer endete. Ein Schild mit der Aufschrift “Camping prohibited” machte eigentlich unmissverständlich klar, dass man hier nicht übernachten sollte und doch standen mehrere einheimische Camper auf der Wiese. Als ich mich bei einer Gruppe erkundigte, meinten die älteren Herrschaften wir könnten hier ruhig stehen, da wir ja selbst über Wasser und Schmutzwassertank (self contained) verfügen. Man möchte mit dem Schild lediglich Reisende die ohne eigene Wasservorräte oder Toilette unterwegs sind, abhalten an dem Ort zu übernachten. Am Abend kam dann tatsächlich auch ein Ranger vorbei, der das bestätigte und uns noch einige Infos zur Region in die Hand drückte.

Campingplatz an den Three Sisters

Zu diesem Zeitpunkt wussten wir dann bereits, dass wir uns dort an den Three Sisters befanden und auch, dass diese nur bei Ebbe zu erreichen sind. Glücklicherweise war kurz vor Sonnenuntergang Ebbe und wir marschierten am Strand entlang in Richtung der Monolithen. Schnell wurde klar, warum die kurze Wanderung nur bei Ebbe zu meistern ist. Wie an den White Cliffs ist der Strand eingeschlossen vom Meer auf der einen und den Klippen auf der anderen Seite und wer den Weg zur falschen Zeit begeht, sollte auf jeden Fall ein guter Schwimmer sein.

Auf dem Weg zu den Three Sisters

Nach einiger Zeit öffnet sich der schmale Sandstreifen und wird zu einer großen Sandbank voller Treibholz und die schwarzen Klippen geben den Blick frei auf die markanten Felsen. Als erstes sticht der riesige Elephant Rock ins Auge, der seinen Namen zu Recht trägt und das nicht nur wegen seiner prägnanten Form, auch seine Ausmaße sind des Namens mehr als würdig.

Elephant Rock

Noch eindrucksvoller fand ich allerdings die zwei Monolithen und das Tor zu seiner linken, die Three Sisters. Drei Felsen, die unbeugsam der Brandung trotzen und zusammen mit dem Elephant Rock auf uns wie Relikte aus einer anderen Zeit wirkten.

The Three Sisters

Langsam senkte sich nun auch die Sonne dem Meer entgegen, der Tag verlor Stück um Stück gegen die hereinbrechende Dämmerung und tauchte den Strand und die Felsen in oranges Licht. Eine wahnsinnig schöne Atmosphäre an diesem außergewöhnlichen Platz, an welchem wir durch Zufall genau zur richtigen Zeit (Ebbe bei Sonnenuntergang) gelandet sind. Das macht Reisen aus! Das macht Neuseeland aus!

Erst als es schon fast dunkel war, konnten wir uns von diesem Kunstwerk der Natur losreißen, welches inzwischen in blutrotes Licht getaucht war und folgten dem Strand zurück zu unserem Campingplatz.

Sonnenuntergang an den Three Sisters

Mt. Taranaki und der Surf highway

Problemlos hätten wir auch noch eine zweite Nacht auf diesem Campingplatz verbringen und am Abend bzw. bei Ebbe erneut zu den Three Sister wandern können. Doch besser konnte das Erlebnis nicht werden und wir wollten unsere Erinnerung an den wohl schönsten Sonnenuntergang unserer Neuseeland-Reise nicht verwässern. Also beschlossen wir dem Highway Richtung Süden zu folgen, durch die größte Stadt der Region New Plymoth, auf den Surf Highway.

Sonnenuntergang an den Three Sisters

Die Straße mit dem wohlklingenden Namen zieht sich die Küste entlang um den Mt. Taranaki von New Plymoth bis Hawera und ich freute mich schon besonders die Strände und vor allem die Wellen dort kennenzulernen. Ein Surferort nach dem anderen säumt den Highway und Stichstraßen führen zum Meer. Zahlreiche Surfshops und trendige Cafes werben um die Boardshort-tragende Kundschaft. Eigentlich gibt’s hier alles, was man sich für ein paar entspannte Surf-Tage wünscht, außer Wellen. Wir hatten nämlich das Pech, dass es zu unserer Reisezeit auf der gesamten Länge des Surf (!) Highway keinen Surf gab. Es war zum Verzweifeln, aber so ist nun mal die Natur. Ein mal gewinnt man (Three Sister) und ein mal verliert man (Surf Highway).

Einer unserer Campingspots am Surf Highway / Mt. Taranaki

Wir verlegten also unsere Outdoor Aktivitäten weg vom Strand und hin zum Berg, was nicht hieß, dass es dort weniger nass war. Denn das Wetter schien sich komplett gegen uns gewandt zu haben. Das Wasser, welches an den Stränden fehlte, gab’s am Berg von oben. Es regnete und regnete und regnete. Davon wollten wir uns aber nicht unterkriegen lassen, warfen unsere Regenjacken über, steckten das Baby in einen Ganzkörperregenanzug und kämpften uns durch den Dschungel an den Hängen des Mt. Taranaki.

Hiking Mt. Taranaki

Gerne hätte ich auch den Berg selbst bestiegen, aber zum einen war das Wetter einfach zu schlecht und zum anderen hätten Nadine und der Kleine auf jeden Fall unten bleiben müssen. Stattdessen folgten wir der Straße auf den Berg bis zu ihrem Ende an einem kleinen Info-Center und unternahmen von dort zwei sehr schöne Wanderungen. Ausgehend vom kleinen Dawson Falls Visitor Center im Südosten des Nationalparks gibt es mehrere schöne Trails. Wir entschieden uns für die nur 2 km lange Wanderung zu den Wilkies Pools und liefen nach unserer Rückkehr zum Visitor Center direkt weiter zu den schönen Dawson Falls.

Dawson Falls

Beide Wanderungen vereinen einige der für Neuseeland essentiellen Naturmerkmale: Vulkane, Dschungel und Wasser. Obwohl wir auf Grund des schlechten Wetters leider nichts vom Mt. Taranaki sehen konnten, sind wir doch erneut beeindruckt von der Dichte der Vegetation und wie viele Pflanzen selbst auf den glattesten Felsen noch halt finden und es schaffen dem Boden genug zum Überleben abzuringen. Die Dawson Falls sind jetzt nicht mega beeindruckend aber auf jeden Fall ein schöner, nicht allzu oft besuchter Wasserfall, der zum Verweilen einlädt. Ich hab’s schon mal erwähnt und muss es wieder tun: Wer durch Neuseeland reist ist wasserfalltechnisch erst mal versaut! Denn es gibt wohl kaum Orte auf der Welt, an welchen man mehr fotogen stürzendes Wasser sehen kann als in Aotearoa (und das dachten wir bereits bevor wir zum Milford Sound gefahren sind…).

Wir kamen nach Taranaki um zu Surfen und uns den Berg anzusehen. Beides fiel buchstäblich ins Wasser. Aber wir verließen Taranaki mit dem schönsten Sonnenuntergang unserer Neuseelandreise im Herzen und der Gewissheit, dass einfach nicht immer alles nach Plan laufen muss um Außergewöhnliches erleben zu können. Irgendwo wird man schon angespült, mit viel Glück zur richtigen Zeit, am richtigen Ort… 😉

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