Robben, Haie, raues Land – Südafrikas Kapregion

Robben, Haie, raues Land – Südafrikas Kapregion

Die weißen Haie haben mich in die Kapregion Südafrikas gezogen, doch die südlichste Spitze des afrikanischen Kontinents hat weitaus mehr zu bieten als “nur” große Weiße. Morgens mit Haien und Robben tauchen gehen, Mittags ein Besuch bei der wohl bekanntesten Pinguinkolonie der Welt, Nachmittags einen Berg erwandern und Abends in einer stylischen Bar den Tag ausklingen lassen? In und um Kapstadt kein Problem. Die Region besticht durch eine vielseitige Natur und Tierwelt die genauso facettenreich ist wie die Bewohner Kapstadts und seiner Vororte. Egal ob Outdoor Abenteuer oder Kultur- und Städtereise, die Kapregion ist ein grandioser Einstieg für einen Trip durch Südafrika…

Von Kapstadt durch die Region

Eine Reise durch Südafrika startet meist in Kapstadt oder Johannesburg, wobei sich erstere weitaus besser für einen geschmeidigen Einstieg in das südlichste Land Afrikas anbietet. Hat man erst mal den Flughafen und die in unmittelbarer Nähe liegenden Armensiedlungen (Townships) hinter sich gelassen empfängt einen in den Vororten der Flair europäischer Küstenorte mit einer Prise Kalifornien. Es ist einfach anzukommen, wenig Exotik, viel Coolness. Gute Restaurants und Surfshops reihen sich an den Stränden und Promenaden aneinander und wenn man bei einem Kaffee und Muffin in einem angesagten Restaurant auf’s Meer blickt könnte man glatt vergessen, dass man in Afrika ist.

Simon’s Town

Aber nur fast. Die Armut, vor allem der farbigen Bevölkerung, ist auch in den Vororten Kapstadts spürbar, die Häuser mit hohen Zäunen umzogen und nachts blinken die Alarmanlagen um die Wette. Nur ein paar Kilometer von Strandpromenaden und schniecken Einfamilienhäusern sind die Townships entfernt, in welchen große Teile der südafrikanischen Bevölkerung immer noch unter einfachsten Bedingungen leben. Doch nach und nach versucht die Regierung die Bretter und Wellblechsiedlungen zu ersetzen durch kleine Häuser, finanziert auf Staatskosten. Lässt man die Wohnsiedlungen und Townships hinter sich, eröffnet sich eine facettenreiche Natur, die nur so explodiert vor landschaftlichen Highlights und eindrucksvollen Tierbegegnungen über wie unter Wasser.

Muizenberg Beach

Im, am und auf dem Meer der Kapregion

Mein Hauptgrund für den Besuch der Kapregion war die Begegnung mit weißen Haien, welche nahe den südlichen Vororten in der False Bay und auch zwei Autostunden östlich in Gaansbai fast ganzjährig anzutreffen sind. Mit Käfig geht es in’s Wasser um einem der gefürchtetsten Jäger nahe zu kommen, und man kommt ihnen sehr nahe, wie ihr hier sehen und lesen könnt. Doch nicht nur weiße Haie, auch andere Haiarten leben in der Region und so ließ ich mir die Gelegenheit nicht entgehen hier auch Tauchen zu gehen.

Sonnenaufgang am Hafen von Simon’s Town vor der Tauchausfahrt

In den Kelpwäldern vor Simon’s Town hat man die seltene Möglichkeit wahren Urzeitwesen zu begegnen: Siebenkiemenhaien. Die bis zu drei Meter langen Haie fühlen sich pudelwohl im kalten trüben Wasser, ziehen tagsüber entspannt ihre Runden in den Unterwasserwäldern und jagen Nachts einige der vielen weiteren Bewohner der Ufergewässer. Fast mystisch wirkte der dichte Kelpwald und nur hin und wieder war die Sonne stark genug durch das enge Pflanzengeflecht den weißen Sand des Bodens zu erhellen. Perfekt getarnt in dieser Umgebung schwebten die Siebenkiemer oder auch Kuhnasenhaie majästätisch durch den Kelpwald. Ich war überrascht wie neugierig die Tiere waren, wie nahe sie an uns herankamen und uns in Augenschein nahmen. Schade dass die Kälte uns zwang, den Tauchgang relativ kurz zu halten um nicht völlig auszukühlen. Gerne hätte ich auch einen Tauchgang mit Blau- und Makohaien auf hoher See unternommen, doch Südafrika und die hier zusammentreffenden Ozeane (Atlantik und Indischer) sind rau und alle Unternehmungen sind wetterabhängig, welches leider nicht ganz mitgespielt hat.

Die Küste und der Kelpwald von oben

Aber nicht nur Haie, auch Haifutter ist unter Wasser schön anzusehen ;-). So war ich besonders gespannt auf den Tauchgang mit den zu Hauf hier vorkommenden Robben und ich wurde nicht enttäuscht. Allerdings war der Tauchgang sicherlich der anstrengendste den ich je unternommen habe. Im 5-Meter Bereich hatten wir zu kämpfen dass uns die herrschende Woge nicht mit sich reißt und auf die Felsen schleudert, die den Robben als zu Hause dienen. 30 Minuten Schwerstarbeit, aber es hat sich gelohnt! Als wir in’s Wasser sprangen, kamen auch die Robben von ihren Felsen um uns zu inspizieren. Wie Raketen mit Flossen schießen die schlanken Tierchen durch’s Wasser, tauchen auf und sind wieder weg, stoßen Luftblasen aus und fangen diese wieder, beißen in die Kameras und schaun’ uns tief in die Augen. Ein wunderschönes Erlebnis.

Nur fünf Minuten weiter die Küste runter wartet das nächste Highlight: Boulders Beach! “This is where the Pinguins go to watch the people.” sagte unser Tauchguide und bei gutem Wetter kommt die Anzahl der Besucher pro Tag tatsächlich an die der Pinguine heran. Die afrikanischen Pinguine die hier leben, brüten und planschen sind die wohl bekannteste Pinguinkolonie der Welt und lassen sich von den vielen Besuchern ganz und gar nicht stören. Seit 1983 haben sie den Boulders Beach in Beschlag genommen und was mit einem Brutpaar begann hat sich nun auf ca. 2500 Tiere ausgeweitet. Die Pinguine gelten als gefährdete Spezies und stehen dementsprechend unter Schutz was einigen Anwohner nicht so ganz passt, da die Tierchen mit ihrem Geschrei wohl auch ziemlich nerven können.

Die Pinguine von Boulder’s Beach

Am Boulders Beach wird ein kleiner Eintritt verlangt aber auch an den kostenlosen Strandabschnitten kann man Pinguinen begegnen und mit ihnen in’s Wasser gehen, wenn man nicht zu verfroren ist. Da zu der Zeit als ich vor Ort war Brutzeit herrschte wurde allerdings darum gebeten nicht in’s Meer zu gehen um die Tiere nicht zu stören, woran ich mich natürlich hielt. Doch auch so war der Besuch ein weiteres Highlight meiner Zeit in Kapstadt und es lacht das Herz wenn man die kleinen posierlichen Vögel herumwatscheln und durch die Wellen schießen sieht.

Auf zum Ende Afrikas

Keine Reise nach Kapstadt ist komplett ohne ein Besuch auf dem weltberühmten Tafelberg stand in meinem Reiseführer. Naja, ich war leider nicht oben, muss ich also noch mal hin. Leider hat auch hierfür das Wetter nicht mitgespielt, die Seilbahn war außer Betrieb und der Wind hätte einen Aufstieg zu Fuss extrem schwierig gemacht. Aber auch ohne Tafelberg gibt’s ausreichend atemberaubende Ausblicke und abwechslungsreiche Landschaften zu bestaunen.

Table Mountain National Park

Nur eine halbe Stunde Fahrzeit vom Boulders Beach entfernt liegt der Table Mountain Nationalpark durch den man mit dem eigenen Auto fahren kann um so namhafte Orte wie das Kap der guten Hoffnung zu besuchen. Kap der guten Hoffnung klingt spektakulär, ist es aber nicht. Die meisten Touristen steigen nur kurz aus dem Auto, machen ein Foto vor dem Schild und fahren weiter. Beeindruckender ist hier die Felsspitze “Cape Point” mit dem auf ihr thronenden Leuchtturm. Eine kurze Seilbahn oder ein schweißtreibender Aufstieg bringen einen nach oben an den vermeintlich südlichsten Punkt Afrikas, eigentlich ist das Kap Agulhas noch südlicher. Dennoch ist es ein majästätisches Gefühl an der Spitze stehen zu dürfen, an der sich indischer Ozean und Atlantik vereinen und hinaus auf’s Meer zu blicken, wo bis zum Südpol nichts mehr kommt außer Wasser, Wasser, Wasser.

Cape Point

Auch die vielen Strände des Nationalparks und der Region rund um das Kap sind teilweise wunderschön und einen Besuch wert. Baden sollte man auf Grund der Wassertemperatur und Strömungen zwar eher nicht, aber wer auf Surfen steht und das statistisch extrem geringe Risiko von einem der Haie aus der Region angeknabbert zu werden in Kauf nimmt, ist hier genau richtig. Türkise Brecher rollen auf die weißen feinsandigen Strände zu und das Tosen der Wellen übertönt sogar fast den extrem blasenden Wind.

Strand im Table Mountain National Park

Auch Tiere gibt es im Table Mountain Nationalpark zu sehen und so kann man dort unter einfachen Bedingungen (keine gefährlichen Tiere und gute Straßen) schon mal den “Game Drive” üben. Eland-Antilopen liefen mir über den Weg und sogar ein Vogel Strauß, floh vor meinem Kleinwagen in die Berge, obwohl er das Auto an Größe weit übertraf. Wer etwas Glück hat, was mir leider nicht vergönnt war, kann hier sogar auf die seltenen Kap-Bergzebras treffen. Die kleinste aller Zebraarten ist mit nur noch einigen hundert Exemplaren vom Aussterben bedroht und kommt nur hier in der Kapregion vor.

Antilopen im Table Mountain National Park

Das alles und noch viel mehr…

…könnte man machen, wenn man in Kapstadt wär (Herbert Grönemeyer, Glückwunsch zum 60sten). Letztlich kann man locker einige Wochen in der Region verweilen, ohne das es langweilig wird. Surfen, Tauchen, Hiken, Nationalparks, Stadt und Kultur, die Möglichkeiten sind genau so vielfältig wie ihre Bewohner, die mit ihrer offenen Art und Freundlichkeit selbst auch immens dazu beitragen dass man sich in der Kapregion Südafrikas von Anfang an wohl fühlt. Und da ich nicht auf dem Tafelberg war, muss ich wohl auch noch mal hin…


 

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