Roadtrip nach Cres – Kroatien mit Baby

Roadtrip nach Cres – Kroatien mit Baby

“Ihr seid aber mutig!” war das erste was wir zu hören bekamen, als wir auf der Fähre nach Cres unseren Nachwuchs vom Rücksitz holten. Mit einem 6 Wochen alten Baby auf eine kroatische Insel ist sicherlich nicht jedermanns Sache, aber auf jeden Fall machbar. Wenn man erst mal die lange Autofahrt ohne größere Zwischenfälle und mit hoffentlich möglichst wenig Kindergeschrei überstanden hat, sollte man sich auch von den Anstrengungen die mit Cres einhergehen nicht abschrecken lassen. Wir hofften auf jeden Fall auch die etwas abgelegeneren und schwierig zu erreichenden, jedoch um so lohnenswerteren Ecken von Cres mit unserem kleinen Mann entdecken zu können…

Die Insel Cres

Die 66 km lange Insel Cres, unmittelbar neben Krk, ist zusammen mit dieser die größte Insel der Adria. Sie liegt im Norden der Kvarner Bucht vor der Halbinsel von Istrien. Erreichbar ist Cres per Fähre entweder von Istrien oder Krk aus. Wobei es bei Anfahrt von Deutschland prinzipiell egal ist, welche der Fähren man nimmt. In der Hauptsaison muss dort generell mit Wartezeiten gerechnet werden.

Mit der Fähre nach Cres

Doch hat man die Insel mal erreicht warten wunderschöne kleine Buchten, lange saubere Kiesstrände und glasklares, türkises Wasser. Bevor man eintauchen kann in die kühlen Tiefen der Adria muss man sich die Erfrischung allerdings erst verdienen. Sei es durch die auf Grund der schlechten, engen und kurvigen Straßen doch recht langen Autofahrten oder die schweißtreibenden Abstiege entlang den Klippen von Cres um die Buchten zu erreichen. Doch natürlich haben wir es uns trotz unserem erst sechs Wochen alten Baby nicht nehmen lassen, die Insel zu erkunden und auch die Abstiege zu den schönsten Stränden der Insel zu wagen.

Valun

Ausgehend von unserem alten Ferienhäuschen in dem kleinen verschlafenen Nest Orlec wollten wir es erst mal langsam angehen lassen und machten uns auf den Weg nach Valun. Der hübsche, kleine Fischerort liegt malerisch zwischen zwei Buchten und es herrscht nahezu im gesamten Ort Autoverbot. Man muss also auch außerhalb parken und alles die steile Straße entlang nach unten schleppen.

Valun

Wer auf viel Gesellschaft steht, sollte sich auf dem Weg zum Strand auf der rechten Seite machen. Da dort direkt hinter dem Strand ein ausgedehnter Campingplatz liegt, entsteht schnell kuschelige Schwimmbadatmosphäre und man liegt am Strand Handtuch an Handtuch.

Valun

Viel besser gefiel es uns auf der anderen Seite des Ortes. Zwar ist man auch dort nicht alleine, jedoch ist immer noch deutlich weniger los und die wunderschöne Bucht mit ihrem glasklaren Wasser entschädigt so einiges. Es lohnt sich mit Maske und Schnorchel entlang der Küste zu paddeln und die dort recht lebendige Unterwasserwelt der Adria zu erkunden. Wer es noch etwas einsamer mag, geht bis zum Ende des Strandes und folgt dort dem schmalen Pfad, der ans Ende der Bucht führt. Dort ist man dann wirklich fast alleine und kann es sich im Schatten der Kiefern gemütlich machen. Wer also einen einigermaßen einfach zu erreichenden, kindgerechten Strand auf Cres sucht, wird in Valun auf jeden Fall fündig.

Valun

Mali Bok

Etwas anspruchsvoller ist dann schon der Weg nach Mali Bok, doch es lohnt sich. Bewusst haben wir unsere Unterkunft in Orlec gewählt, da dort der Weg zur Bucht startet. Eine schmale Straße führt einige Kilometer aus dem Ort heraus zu einem kleinen Parkplatz. Von dort geht es zu Fuss in Serpentinen die Klippen nach unten. Der Weg ist zwar nicht sehr lang, aber stellenweise doch etwas steil und man sollte gerade nach oben nicht unbedingt in der sengenden Sonne laufen. Allerdings sind schon die Ausblicke von oben auf Mali Bok wunderschön.

Mali Bok

Eine idyllische Bucht wie man sie sich nicht besser malen könnte mit einem Kiesstrand der Platz für nicht mehr als ca. 30 Leute bietet. Natürlich wartet auch hier das glasklare Wasser der Adria und von den Felsen auf der linken Seite der Bucht kann man wunderbar in die Fluten springen. Mehrere Male packten wir unseren kleinen Mann in die Babytrage, machten uns auf den Weg nach unten und genossen die Schönheit von Mali Bok. Eine ganz besondere Stimmung herrschte irgendwie als kurz vor Sonnenuntergang aus dem einzigen vor dem Strand liegenden Segelboot in voller Lautstärke der Song “Sail” die Bucht beschallte. Das Bild, der Sound, das Gefühl. Das sind Emotionen, die man versucht in Werbespots oder Musikvideos einzufangen.

Mali Bok

Mali Bok setzt zwar schon etwas Fitness voraus, man wird für die Mühen aber bestens entschädigt und auch mit Baby ist der Weg nach unten und oben (Sonnenschutz vorausgesetzt) gut machbar.

Lubenice

Wir steigern uns! Wer den Fußmarsch nach Mali Bok noch tiefenentspannt fand, der sollte sich als nächstes Lubenice vornehmen. Der Strand unterhalb des gleichnamigen Ortes soll einer der schönsten in ganz Kroatien sein. Klar, den wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Um zum Strand Lubenice und zur berühmten blauen Grotte zu kommen, die ebenfalls unterhalb des Ortes liegt, gibt es zwei Möglichkeiten. Die einfachste ist, im Ort Cres einen Bootsausflug zum Strand und zur Grotte zu buchen. Die spannendere und abenteuerlichere den Strand und die Grotte zu erreichen ist allerdings der Abstiegt vom Ort Lubenice aus. Wir entschieden uns für Variante zwei!

Der Ort Lubenice

Alleine der Weg nach Lubenice ist schon abenteuerlich. Man passiert einige schmale Ortschaften und findet sich schließlich auf einer Straße wieder, die an beiden Seiten von Mauern gesäumt ist und Platz für lediglich ein Auto bietet. Hin und wieder gibt es breitere Stellen, die genutzt werden müssen um am Gegenverkehr vorbeizukommen. So muss man sich langsam vorwärts arbeiten. Ab und zu wieder rückwärts fahren, wenn die zurückliegende Verbreiterung näher ist und dann möglichst schnell weiter durch die engen Passagen zur nächsten breiten Stelle. Erst spaßig, dann nervig!

Da mussten wir runter…

In Lubenice angekommen gibt es einen kleinen Parkplatz an der Kirche, von welchem aus der Weg zum Strand und zur blauen Grotte startet. Das Baby kam wieder in die Trage, Rucksack auf, Strandmuschel mit, so machten wir uns an den Abstieg. Anfangs führte der Weg schön schattig durch den Wald und gerade mit Baby an Bord musste ich gut aufpassen, wo ich hin trat um nicht zu Stolpern. Bevor der Waldweg endet, teilt er sich und man muss entscheiden ob man zum Strand oder zur blauen Grotte weitergehen möchte. Irgendwann weicht der Wald dann schließlich einem steinigen Plateau, das übergeht in reines Geröll. Bei einer Affenhitze, arbeiteten wir uns langsam durch die steile Geröllpassage, die nicht zu enden schien, bevor es glücklicherweise im Wald weiter ging. Der Schatten und die etwas kühlere Luft des Waldes machten das Gehen wieder angenehm und so erreichten wir nach 70 – 80 Minuten den wunderschönen Kiesstrand von Lubenice.

Der Strand von Lubenice

Trotz der paar Ausflugsboote ist der Strand absolut nicht überlaufen und man kann die ganze Schönheit dieses Ortes auf sich wirken lassen. Auch hier lohnt es sich den Kopf kurz unter Wasser zu stecken um die Meeresbewohner der Adria kennenzulernen. Wer nach dem Abstieg noch Energie hat, sollte auf jeden Fall auch einen Blick auf die links vom Strand liegenden Buchten werfen, die allerdings nur schwimmend oder eben per Boot erreichbar sind. Dort hat man dann wirklich wunderschöne kleine Kiesstrände für sich alleine und das selbst in der Hauptsaison.

Bucht nahe Lubenice

Wie auch in Mali Bok, gibt es am Strand von Lubenice keinerlei Versorgungseinrichtungen und auch keinen Schatten. Man muss also auf jeden Fall Verpflegung, ausreichend Wasser und mit Kind auch unbedingt Sonnenschutz mitnehmen. Da der Weg nach oben natürlich nicht minder anstrengend ist als der Abstieg, sollte man genug Zeit einplanen um vor Sonnenuntergang wieder oben zu sein. Auch wenn das heißt, das man bereits in der immer noch ziemlich heftigen Nachmittagssonne mit dem Aufstieg beginnen muss. Zu Recht wird sich der ein oder andere Fragen, warum man sich diesen Marsch antun sollte und das noch mit Baby. Ganz einfach: Der Sprung in die kalten Fluten fühlt sich einfach doppelt so gut an, wenn man sich die Abkühlung und diesen schönen Ort auch wirklich verdient hat.

Lubenice

Diving Cres

Der Hauptort der Insel Cres heißt ebenfalls Cres und ist das Tourismuszentrum der Insel. Er verfügt über die meisten Unterkünfte und zudem über einen 5000 Personen fassenden Campingplatz. Klar, dass der ebenfalls sehr schöne Strand vollkommen überlaufen ist. Dennoch wird man um einen Besuch von Cres nicht herum kommen, da sich dort der größte Supermarkt der Insel und in der ganz schön hergerichteten Altstadt die meisten Restaurants der Insel befinden.

Cres

Aber nicht nur deshalb verbrachten wir zwei Tage in Cres, sondern auch um die Möglichkeit zum Tauchen zu haben. Die örtliche Tauchbasis mit dem passenden Namen Diving Cres, liegt direkt am Strand innerhalb des Campingplatzes und ist hoch frequentiert. Da ich noch nie vorher im Mittelmeer tauchen war, nutzte ich natürlich die Gelegenheit und machte einen Tauchgang am wenig spektakulären Hausriff und einen vom Boot.

Der Strand von Cres

Es kommt natürlich immer darauf an, was man vorher schon gesehen hat, aber für mich war dieser kurze Einblick in die Unterwasserwelt des Mittelmeers nicht ganz so spannend und das obwohl wir das Glück hatten, einen Conger (Meeraal) zu sehen, auf den hier alle Taucher ganz scharf sind.

Schlagartig drehte sich am Ende unserer Urlaubszeit das Wetter und wie viele andere, beschlossen wir uns auf den Weg durch die Nebelschwaden zur Fähre und auf den rund 16-stündigen Heimweg zu machen. Haben sich die ganzen Strapazen für die paar Tage gelohnt?

Auf jeden Fall! Cres ist eine wunderschöne kleine Insel, die trotz der touristischen Popularität von Istrien immer noch Raum für Entdeckungen bietet und das aus dem einfachen Grund, dass Kroatien ein Familienreiseziel ist und die meisten Eltern mit Kindern schlicht den Aufwand nicht betreiben wollen, die etwas abgelegeneren Ecken zu erreichen, sondern sich lieber an den gleichen Plätzen wie alle anderen tummeln.

Glaubt uns, es ist natürlich mit Mühen verbunden, aber auch mit Baby kann man noch etwas Abenteuerluft schnuppern und dafür können wir einen Trip nach Cres nur empfehlen…

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