Pummelige Meerjungfrauen – Manatis in Florida

Pummelige Meerjungfrauen – Manatis in Florida

Langsam und sachte glitten wir in’s Wasser um die Manatis nicht zu verschrecken. Es war kurz nach Sonnenaufgang und empfindlich frisch, trotz des Neoprenanzugs. Über dem Wasser lag ein sanfter Nebel, der von der aufgehenden Sonne in ein warmes orange getaucht wurde. Die Stille dieser Idylle wurde hin und wieder unterbrochen durch Platschen und geräuschvollem Luft holen rund um unser Boot. Als wir im Wasser waren, mussten wir nicht lange suchen, die Manatis fanden uns. Freundliche graue Berge, die neugierig um uns herumglitten und mit ihrem haarigen Rüssel auf Tuchfühlung gingen. Dies war nicht meine erste Begegnung mit Seekühen in den letzten Tagen, aber doch eine der intensivsten. Ein wunderschönes Erlebnis den pummeligen Meerjungfrauen von Florida zu begegnen und diese Chance hat man im Sunshine-State zu richtigen Zeit an mehreren Orten…

Was sind Manatis?

In Deutschland besser bekannt als Seekühe unterscheidet man anhand des Schwanzes zwischen eben Manatis (Rundschwanzseekuh) und Dugong (Seekuh mit gegabeltem Schwanz), beide Arten sind Säugetiere. Beide Arten können sich sowohl in Süß-, als auch in Salzwasser aufhalten. Wobei gerade Manatis das brackige, warme (über 20°) Wasser von Flüssen bevorzugen. Das Verbreitungsgebiet der Manatis reicht vom Südosten der USA, über die Karibik bis in den Norden Südamerikas und auch in Westafrika kann man auf die Tiere treffen.

Manati in Crystal River

Manatis ernähren sich fast ausschließlich vegetarisch und haben einen großen Appetit. Verständlicherweise bei einer Körperlänge bis zu 4,5 m und einem Gewicht von bis zu 500 kg. Die Tiere sind für Menschen völlig harmlos und nicht sonderlich scheu, was zu einer leichten Beute macht. Wegen ihres Fleisches, ihres Fettes und ihrer Haut, die zu Leder verarbeitet wurde, wurden Manatis lange Zeit gejagt. Eine zunehmende Bedrohung ist die fortschreitende Verschmutzung der Gewässer und damit Verlust des Lebensraums. Häufig sterben Tiere auch nach Kollisionen mit Motorbooten oder weil sie sich in Fischernetzen verfangen und ertrinken. Trotz zahlreicher erfolgreicher Schutzprojekte werden die Bestände von der IUCN als gefährdet eingestuft

Warnschilder gibt es zumindest hin und wieder

Die wohl beste Gegend weltweit um den pummeligen Meerjungfrauen (mit diesen wurden sie früher von Seefahrern verwechselt) in freier Wildbahn zu begegnen ist Florida. Einige exzellente Möglichkeiten möchte ich Euch hier vorstellen.

Das Manati Viewing Center

Wer wilde Manatis sehen möchte, ohne viel Aufwand und ohne sich nass zu machen, der ist hier genau richtig. Nur unweit der Großstadt Tampa an der Westküste Floridas gibt es ein Elektrizitätswerk, dass von November bis April Unmengen Seekühe anlockt. Eine ziemlich verrückte Kombination, die grauen Berge direkt vor dieser Industrie-Kulisse aufragen zu sehen, aber einfach erklärbar. Das Werk pumpt nach der Energiegewinnung das warme (und hoffentlich saubere) Kühlwasser in die davor liegenden Mangroven und da Manatis warmes Wasser lieben, halten sie sich in den Wintermonate gerne dort auf.

Manati Viewing Center

Ein Holzsteg ermöglicht es den Besuchern die Manatis ungestört zu beobachten. Das Wasser ist zwar etwas trüb, dennoch ist es wunderschön anzusehen, wie sanft die Tiere miteinander agieren und wie eng die Jungtiere sich an Ihre Mütter schmiegen. Da Manatis von Zeit zu Zeit auftauchen müssen um zu atmen muss man nur etwas Geduld mitbringen um sie immer wieder direkt an der Oberfläche sehen zu können.

Manati Viewing Center

Zugegeben, so ganz natürlich ist das Ganze nicht. Doch da das Manati Viewing Center es sich zur Aufgabe gemacht hat über die Tiere und die ihnen drohenden Gefahren aufzuklären und zu ihrem Schutz beizutragen, halte ich das Projekt für absolut unterstützenswert. Der Entritt ist übrigens, ganz unüblich für die USA, frei.

Mit dem Kayak auf dem Weeki Wachee

Die überwucherten, glasklaren, smaragdgrünen Lagunen Palau’s gepaart mit der sanften Trägheit eines dahingleitetenden Flusses und der Möglichkeit zu wunderschönen Manati Begegnungen, das ist Weeki Wachee.

Weeki Wachee River

Der Weeki Wachee wird gespeist von einer Quelle, die für sein klares und warmes Wasser sorgt, das wie auch beim Manati Viewing Center, die Manatis anlockt. Bei Boating in Florida kann man sich ein Kayak oder Stand Up Paddle Board ausleihen um sich dann alleine oder mit Guide gemächlich den Fluss runter treiben und am Ende auch wieder abholen lassen. Obwohl der Zugang zum Fluss unmittelbar neben einem Freizeitpark mit (fast) echten Meerjungfrauen liegt, ist von dem Trubel auf dem Fluss nichts mehr zu spüren.Nur die Geräusche der Natur und eintauchenden Paddel begleiteten mich auf dem Weeki Wachee. Ich begegnete auf meinem mehrstündigen Trip den Fluss hinunter vielleicht einer Handvoll Leuten und konnte die atemberaubende Schönheit des Weeki Wachee so völlig ungestört genießen.

Kayaking Weeki Wachee

Der Fluss ist an den meisten Stellen ziemlich flach und als ich bereits eine ganze Weile unterwegs war, dachte ich mir “das ist doch viel zu flach für die dicken Manatis”. Verrückterweise tauchte tatsächlich in diesem Moment die erste Seekuh auf und es blieb nicht bei dieser Begegnung. Immer wieder begegnete ich Manatis, die sich an meiner Anwesenheit nicht zu stören schienen. So hatte ich mehrere Male die Möglichkeit, ganz alleine und ungestört mit den Manatis zu schnorcheln.

Manati im Weeki Wachee River

Für mich war die Paddeltour auf dem Weeki Wachee ein absolutes Highlight, übertraf bei weitem meine Erwartungen und war eine super Einstimmung für die Begegnungen die in Crystal River auf mich warten sollten. Zugegeben, ich hatte wohl auch etwas Glück, denn der Fluss ist wohl durchaus nicht immer so leer und wie so oft, geht die Magie sicherlich etwas verloren, wenn man sie mit hunderten anderen teilen muss.

Crystal River

Crystal River ist DAS Mekka für Begegnungen mit Manatis in Flordia. Der ganze Ort ist auf den Manatitourismus eingestellt. Die Touristen kommen wegen der Manatis und die Manatis kommen wegen dem warmen flachen Wasser der Lagunen und Quellen, allen voran der berühmten Three Sisters Springs.

Es gibt zahlreiche Anbieter von Manati Schnorcheltouren, aber nur einen, der die Lizenz hat, bereits vor Sonnenaufgang zu starten: Bird’s Underwater. Der Vorteil liegt auf der Hand: Man ist als erstes und alleine an den besten Manati Spots. Da außer mir auch nur ein weiterer Gast mit an Bord war, war ich dann tatsächlich auch fast alleine.

Manati in Crystal River

So glitten wir bereits kurz vor Sonnenaufgang in das trübe Wasser von Crystal River, welch Ironie ;-). Da wir die Manatis bereits vom Boot aus sehen konnten, dauerte es auch nicht lange, bis wir die erste Begegnung unter Wasser hatten. Da die Tiere nicht bejagt werden und keine natürlichen Feinde besitzen, zeigen sie keinerlei Scheu und sind ganz im Gegenteil ziemlich neugierig. So muss man eigentlich nicht unbedingt die Manatis suchen, denn einige kommen tatsächlich von alleine heran und inspizieren die Neoprenfrösche ausgiebig. Ein wirklich tolles Erlebnis, diesen großen, sanften, pummeligen Meerjungfrauen Auge in Auge gegenüber zu schweben.

Manatis in Crystal River

Als wir das Wasser verließen, ging so langsam die Sonne auf und wir begegneten den ersten anderen Booten, die alle zu dem Spot wollten, den wir soeben verlassen hatten. Für uns ging es weiter zu den berühmten Three Sisters Springs. Dem Manati Hotspot schlechthin. Auf Grund der großen Quelle war dort tatsächlich auch das Wasser viel klarer und wir konnten die vielen grauen Rücken bereits vom Boot aus sehen. Auch an diesem Spot waren wir die einzigen Schnorchler und konnten ausgiebig und in aller Ruhe die Begegnung mit den Tieren genießen. Auch an den Three Sisters gab es Manatis, die auf Tuchfühlung gehen wollten und sich als exzellente Selfie-Partner herausstellten.

Manati Selfie

Was für liebe Tiere. Unser Captain an diesem Morgen drückte dies so treffend aus “They don’t have a mean bone in their body”, und so ist es auch. Deshalb ist es umso wichtiger die Tiere nachhaltig zu schützen um die Bestände stabil zu halten. Das alle Manati-Hotspots in Florida mitten in Wohngegenden liegen, in welchen jeder seinen eigenen Bootsanleger hat und dementsprechend reger Bootsverkehr herrscht, macht die Schutzmaßnahmen sicherlich nicht leichter.

Wer also noch mal Manatis sehen möchte, bevor auch sie der scheinbar unaufhaltsamen Ignoranz und Zerstörungswut der menschlichen Rasse weichen müssen, dem sei ein Abstecher nach Florida wärmstens empfohlen…

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