Protea Banks – Haitauchen an der Wild Coast

Protea Banks – Haitauchen an der Wild Coast

Atemregler rein, Maske festhalten und einfach fallen lassen. Ohne Luft im Tauchjacket ging es möglichst schnell nach unten um nicht zu weit von der Strömung abgetrieben zu werden. Doch rapide kam unser Abtauchen in’s Stocken. Etwas Großes kam uns von unten entgegen. Ich traute meinen Augen kaum, doch da kam tatsächlich ein über 4 m langer Tigerhai nach oben um uns zu inspizieren. Ruhig und sich seiner Überlegenheit wohl bewusst umkreiste der Hai uns drei mal bevor er das Interesse verlor und wieder in den Tiefen des Ozeans verschwand. Eine atemberaubende Begegnung in einer einmaligen Tauchregion und ein vielversprechender Start vieler weiterer Haibegegnungen an den Protea Banks….

Protea Banks – Südafrikas haireichstes Riff

Südafrika ist jetzt nicht gerade das typische Ziel für Tauchurlaube, wenn man mal von den tropischen Gewässern der Sodwana Bay absieht. Doch für Haifreaks ist das Land an der Südspitze Afrikas das absolute Nonplusultra. Durfte ich in Kapstadt schon auf Tuchfühlung mit Großen Weißen und Siebenkiemenhaien gehen, sollte das eigentliche Hai-light des Trips noch kommen: Eine Woche Tauchen mit African Dive Adventures an einem der haireichsten Riffe der Welt, den Protea Banks.

Pick up von African Dive Adventures am Shelly Beach

Je nach Jahreszeit kann man dort alles antreffen was in der Hai-Welt Rang und Namen hat. Große Schulen von Bogenstirnhammerhaien, einzelne große Hammerhaie, massig Sandtigerhaie und mit viel Glück auch mal Große Weiße oder sogar Walhaie. Ganzjährig trifft man auf Marmorstachelrochen, Gitarrenhaie, Schwarzspitzenhochseehaie (Blacktips) und Bullenhaie (Zambezis). Ich war im südafrikanischen Herbst dort um mir einen weiteren Tauchtraum zu erfüllen, die Begegnung mit einem Tigerhai, und wie ihr oben lesen konntet, hat’s auch geklappt. Doch auch die Tauchgänge ohne Tigerhai waren nicht minder beeindruckend und intensiv

“Afrika is not for Sissis”…

…prangt ein Aufkleber auf dem Pick-up Truck mit dem tagtäglich das Boot zum Hafen transportiert wird und schon beim Ausrichten, Einsteigen und Rausfahren wird die Tauchregion dem Spruch gerecht. Das Tauchen dort ist nichts für Zartbesaitete. Oftmals hohe Wellen machen jede Ausfahrt zum Risiko und jeder wird angehalten sich ordentlich in den Schlaufen des Schlauchbootes zu fixieren, bevor das Boot mit voller Geschwindigkeit über die Brandung in’s Freiwasser schanzt. Was ein Spass 😉

Morgens am Shelly Beach

Jeder ist für sich selbst und seine Ausrüstung verantwortlich, keiner wird an die Hand genommen. Das Tauchen an den Protea Banks birgt einige Risiken und ist nichts für Anfänger. Das Riff liegt tief (ab 30 Meter) und oft herrscht starke Strömung. Mit negativem Abstieg gehen alle gleichzeitig nach unten, denn das wichtigste ist den Guide nicht zu verlieren, der ständige eine Boje hinter sich her zieht, welcher das Boot folgt. Wer hier verloren geht hat ein echtes Problem. Die Strömungen und oft hohen Wellen machen es sehr schwierig verlorene Taucher wieder zu finden, deshalb hieß bei jedem Briefing die Devise: “You can forget everything I said, just remember one thing: Don’t get fucking lost!”

Doch das Riff oder viel mehr die Bewohner entschädigten für die Gefahr. Bei jedem Tauchgang sieht man Haie. Meist Bullenhaie und Blacktips, die oft den gesamten Tauchgang begleiteten. Während der knapp bemessenen Grundzeit kann man das Riff etwas unter die Lupe nehmen. Wir trafen hier auf einige Fischschwärme, riesige Zackenbarsche, Marmorstachelrochen und Gitarrenhaie, die grazil schlängelnd Reißaus nahmen.

Die “Baited Dives”

Doch noch beeindruckender als die Rifftauchgänge sind fraglos die “Baited Dives”, angeköderte Tauchgänge. Hier wird eine Plastikkugel mit Fischresten gefüllt und an einer Boje auf etwa 15 Meter Tiefe fixiert. Noch ein paar Eimer Fischblut in’s Wasser und fertig ist die Haisuppe. Was erst mal ziemlich befremdlich klingt ist es anfangs auch. Es gibt keine Sicherungstaucher wie bei den Bullenhaitauchgängen auf Fiji, sondern jeder ist für sich selbst verantwortlich. Beim extrem ausführlichen Briefing wurde uns alles näher gebracht, was wir beachten sollten um die Tauchgänge für uns und für die Haie so angenehm wie möglich zu gestalten: “Seid entspannt, reguliert euren Herzschlag, reguliert eure Atmung. Wenn ihr entspannt seid, sind es die Haie auch.” Denn auch Haie haben Angst und sind nicht die größten Jäger im Ozean.

Bullenhai

Entspannt zu bleiben fällt anfangs allerdings schwer, da die Haie sehr sehr nahe kommen. Manchmal so nahe, dass man sie wegschieben muss. Doch wie bei einem Hund der auf einen zurennt muss man auch bei den ankommenden Haien einfach “seinen Mann stehen” um den Tieren damit zu signalisieren, dass man keine Angst hat und dementsprechend auch keine Beute ist. Davonschwimmen wäre hier also eher kontraproduktiv, zumal wir diese Tauchgänge ja gemacht haben um den Haien nahe zu kommen.

Blacktips

Und wenn man erst mal entspannt genug ist sind die Erlebnisse unbeschreiblich. Schwarzspitzenhochseehaie und Bullenhaie die interessiert uns und den Köder umkreisten und bis auf Berührdistanz herankamen. Ein atemberaubendes Erlebnis und eines meiner absoluten Wildlife-Hailights. Die Tigerhaie hingegen entschlossen sich meist leider nicht ganz so stark zu interagieren, doch auch mit diesen schönen Tieren hatte ich glücklicherweise einige Begegnungen. Am intensivsten, als ich bei meinem letzten Tauchgang kurz vor allen anderen abgetaucht bin und bei miserabler Sicht auf den Köder zugeschwommen bin. Erschrocken blickte mich direkt neben dem Köder ein Tigerhai an und ich schaute erschrocken zurück. Doch so schnell er aufgetaucht ist, war er leider auch wieder weg und da meine Kamera nicht an war, gibt’s zumindest von diesem Tigerhai keinen Videobeweis.

Einzigartige Tauchgänge in einem einzigartigen Tauchgebiet durfte ich an den Protea Banks in Südafrika erleben. Eigentlich kaum zu glauben, dass in einem in Sachen Naturschutz so fortschrittlichen Land wie Südafrika ein Riff wie die Protea Banks immer noch nicht zum Nationalpark erklärt wurde. Nach wie vor darf dort gefischt werden und auf Grund der vielen “Big Game Fisher” erwischt es leider auch immer wieder Haie, die dann mit Angelhaken-Piercing ihr weiteres Dasein fristen dürfen. Auch die Hainetze an den umliegenden Stränden tragen nicht gerade zum Erhalt der Populationen bei. Doch noch sprühen die Protea Banks vor Leben und es ist auch in der Diskussion das Riff unter Naturschutz zu stellen. Die Entscheidung darüber wird das südafrikanische Parlament in den nächsten Wochen fällen und damit hoffentlich eines der letzten haireichen und damit lebendigen Tauchgebiete der Welt schützen.

 

 

 

 

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