Pinguine, Eier und eiskalte Gletscherseen – Von Otago nach Tekapo

Pinguine, Eier und eiskalte Gletscherseen – Von Otago nach Tekapo

Kann man je genug Strände, Berge und wilde Tiere gesehen haben? Hat man irgendwann die Schnauze voll von weißem Sand und langen Spaziergängen an menschenleeren Orten bewohnt von Pinguinen, Robben und Seelöwen? Kann man sich satt gesehen haben an schneebedeckten Gipfeln und türkis leuchtenden Gletscherseen? Auch nach einigen Wochen auf der Südinsel geraten wir ins Staunen und versuchen so viel wie möglich von der Magie, mit welcher die Natur in Neuseeland so freigiebig prahlt, in uns aufzusaugen um an tristen Herbsttagen im fernen Deutschland gedanklich erneut ans andere Ende der Welt zu fliehen…

Die Otago Halbinsel

Die Otago Halbinsel gehört zum Stadtgebiet von Dunedin und erstreckt sich in nordöstlicher Richtung in den Pazifik. Da Dunedin die zweitgrößte Stadt der Südinsel ist, wundert es nicht, dass auch die Halbinsel für neuseeländische Verhältnisse echt dicht besiedelt ist. Zudem ist die Halbinsel Teil der Scenic Route und damit auf der Hauptroute der meisten Touristen. Nichtsdestotrotz findet man auch hier noch wunderschöne einsame Strände und eine reiche Tierwelt, die aber auf Grund der Vielzahl an Touristen inzwischen größtenteils kommerzialisiert wurde.

Pelzrobbe

Einer der Hauptanziehungspunkte der Halbinsel befindet sich ganz im Norden und birgt gleich zwei tierische Highlights. Am Taiora Head befindet sich das Royal Albatros Center, welches die einzige an Land brütende Kolonie von Königsalbatrossen beherbergt. Verständlich, dass die Kolonie streng geschützt werden muss. Dennoch bietet das Center die Möglichkeit die Tiere unter Aufsicht von einigen Observatorien aus zu beobachten. Mit etwas Glück und den richtigen Winden kann man sich sogar den Eintritt sparen und die Vögel mit bis zu 3,3 Metern Spannweite direkt vom Parkplatz aus beobachten. Ein weiteres Highlight ist die große Kolonie Zwergpinguine (Größe ca. 40 cm), die allabendlich am benachbarten Strand Pukekura an Land kommt. Hier wurde eigens eine Tribüne erreichtet um die Tiere bestaunen zu können.

Pukekura Beach

Da uns das dann beides doch etwas zu weit weg vom Reiz wilder Tierbeobachtungen ist, versuchen wir unser Glück auf einige der kleinen Pinguine zu treffen an den Stränden im Osten der Halbinsel. Nach dem Auflauf am Taiora Head sind wir überrascht hier nur auf eine Handvoll weiterer Menschen zu treffen. Auch dort sind die Herrscher des Strandes die Seelöwen und auch einige Pelzrobben wälzen sich genüsslich im schneeweißen Sand. Ein weiterer Ort auf der Südinsel wo die Welt noch in Ordnung zu sein scheint und die Tiere ihrem “daily business” ungestört nachgehen können.

Strand auf der Otago Halbinsel

Langsam spazieren wir an den Felsen hinter dem Strand entlang und diskutieren, was wohl geeignete Nistplätze für die kleinsten Pinguine der Welt wären, als uns plötzlich ein Schnabel und zwei Augen aus einer kleinen Höhle anstarren. Wir haben tatsächlich einen Zwergpinguin entdeckt, der von uns bei Weitem nicht so begeistert ist wie wir von ihm. Ruhig und bedächtig entfernen wir uns um das Tier nicht zu erschrecken und aus der Entfernung versuche ich einige brauchbare Fotos zu schießen, bevor wir uns schnell wieder entfernen um nicht noch andere Spaziergänger auf den kleinen süßen Wasservogel aufmerksam zu machen.

Zwergpinguin

Nur wenig später entdecken wir einige Nistkästen die ebenfalls von Zwergpinguinen bewohnt werden. Es ist also absolut nicht notwendig an einem der Massenspektakel teilzunehmen um wilde Pinguine zu sehen, auch wenn die Kolonie in Pukekura um einiges größer und damit natürlich weitaus eindrucksvoller ist. Wer sich auf eigene Faust auf Pinguinsuche machen möchte, sollte unbedingt die Verhaltensregeln des DOC beachten um die Vögel nicht zu sehr zu stören.

Otago Halbinsel

Moeraki Boulders

Einer Legende der Maori nach sind die Moeraki Boulders die Reste von riesigen Kürbissen und Süßkartofflen, die vom Wrack des Kanus Araiteuru (mit welchem die ersten Menschen auf die Südinsel kamen) an die Küste gespült wurden. Die Geschichte besagt, dass die Klippen vor Shag Point der versteinerte Rest des Wracks sind und ein nahegelegener Felsen der Körper des Kapitäns. Bis heute verströmen die Moeraki Boulder zur richtigen Zeit des Tages die Magie vergangener Zeiten und regen zu Diskussionen über ihren Ursprung an.

Moeraki Boulders

Von dieser Geschichtsträchtigkeit wollen die Unmengen Touristen, die täglich die Felsen besuchen, nichts wissen. Es geht viel mehr darum, vor oder mit den eigenartigen Felsen zu posieren und es ist tagsüber tatsächlich nicht einfach brauchbare Fotos ohne Selfiestick schwingende Chinesen zu machen. Sehenswert sind die Felsen allemal, aber nur früh morgens oder abends um dem riesigen Trubel zu entgehen.

Moeraki Boulders

Shag Point

Am nahegelegenen Shag Point sind dann glücklicherweise wieder die Tiere in der Überzahl. Das felsige Plateau beherbergt eine große Anzahl Pelzrobben und mit etwas Glück kann man hier auch auf die seltenen Gelbaugenpinguine treffen. Am frühen Morgen folgen wir der Gravelroad zu einem kleinen Parkplatz und machen uns auf den Weg über einige Wiesen zu den Felsen. Die Wolken hängen tief, keine Sonne ist zu sehen und das Gras ist schwer vom Morgentau. Unwirtlich und dunkel klatscht das Meer gegen die Felsen und lässt die langen Tentakel des Seetangs hin und her taumeln. Als wir die Felsen erreichen, steht auf dem ersten Vorsprung tatsächlich einer der seltenen Gelbaugenpinguine, blickt in die Brandung und schwelgt sicherlich in Erinnerung an die gerade vergangene nächtliche Jagd. Er lässt sich nicht stören und post bereitwillig.

Gelbaugenpinguin

Oben auf dem Plateau angekommen laufen wir mitten durch die Kolonie der Pelzrobben. Auf der grasbewachsenen Ebene und den Felsen im Meeresnähe wimmelt es nur so von den possierlichen Tieren und auf unserem Weg zurück zum Bus entdecken wir sogar noch einen Babypinguin am Fuß der Klippen. Wer also keinen Bock auf die vielen Menschen an den Boulders hat, sondern stattdessen gerne einigen von Neuseelands rechtmäßigen Besitzern kennenlernen möchte, der sollte Shag Point einen Besuch abstatten.

Shag Point

Tekapo

Noch ein letztes mal wollten wir die Küste hinter uns lassen um einen Blick auf den berühmten Mt. Cook zu erhaschen und unsere Füße in den schönsten See zu strecken den wir bis heute gesehen haben. Nördlich von Oamaru quälen wir den Campingbus durchs Hinterland und hoch in die Berge. Wie gefühlt alle preisbewussten Backpacker übernachten wir am Lake Pukaki, der eigentlich für sich schon ein Highlight ist. Der türkise See gibt bei gutem Wetter den Blick auf dem hinter ihm aufragenden Mt. Cook frei und der Campingplatz direkt am Ufer ist einer der schönsten der Südinsel und umsonst, weshalb er leider auch ziemlich überlaufen ist.

Lake Pukaki

Gleiches gilt für die “Church of the good shepherd” direkt am Lake Tekapo. Zugegeben, die Kirche vor dem See ist durchaus sehr fotogen, aber warum die Menschen dann alle tagsüber dort aufschlagen um einen Blick in die schmucklose Kapelle zu werfen, erschließt sich mir nicht. Nach Schließung der Kirche beruhigt sich der Trubel und man kann die letzten Sonnenstrahlen nutzen um die Kapelle in Szene zu setzen oder wie manch einer vorm Sternenhimmel abzulichten.

Church Of The Good Shepard

Die eigentliche Sehenswürdigkeit in Tekapo ist allerdings der See selbst. Ein Gletschersee, der auf Grund des angespülten Sediments gefüllt ist mit milchig-trübem türkisem Wasser und in der Sonne und der Kargheit der umliegenden Landschaft leuchtet wie ein türkiser Diamant. Am besten lässt sich dieses Leuchten von oben bestaunen. Am westlichen Ende des Ortes beginnt der Mt. John Summit Track, der zu einem Aussichtspunkt weit über dem See führt und damit atemberaubende Ausblicke bietet.

Lake Tekapo

Da der Aufstieg natürlich ordentlich schweißtreibend ist, wirkt der arschkalte See danach um so einladender und auch wenn ich einer der ganz wenigen bin, der es mit der Kälte aufnehmen will, genieße ich das Bad in der eiskalten türkisen Milch sehr und die Strapazen des Aufstiegs sind wie weg gespült.

Lake Tekapo

Tekapo war ein würdiger Abschluss unserer Reise durch Neuseeland. Dennoch machten wir uns etwas wehmütig auf den Weg nach Christchurch wo wir noch einige Tage verbrachten um zu Surfen und ein ganz besonderes Souvenir mit nach Hause zu nehmen. Ein Souvenir das mich seitdem immer begleitet und beim Blick in den Spiegel zurückdenken lässt, an diese wunderschönen Flecken Erde, die Tierwelt am Ende der Welt, die Kultur der Maori und die Magie von Neuseeland.

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