Mit dem Chevy durch’s Regenbogenland – Südafrika auf eigene Faust

Mit dem Chevy durch’s Regenbogenland – Südafrika auf eigene Faust

Endlos scheinen sich die Landstraßen hinzuziehen, immer stupide geradeaus. Wenn sie sich wenigstens schlängeln würden, doch das tun sie nicht. Nur selten kam mir ein anderes Fahrzeug entgegen und ließ mich von meinem Handy und wahlweise Instagram oder Facebook aufschrecken um sicherzustellen dass ich noch auf meiner Fahrspur war. Abwechslungsreicher als die Straßen sind glücklicherweise mancherorts die Landschaften. Doch manchmal auch stundenlang gleich bei der Fahrt durch das Inland, vorbei an den riesigen Farmen der alteingesessenen Landbesitzer. Doch genau diese langweiligen Straßen sind es die einen in Südafrika von einem Abenteuer zum nächsten befördern in einem Land so vielseitig wie die  verschiedenen Volksgruppen die in der Regenbogennation eine Heimat gefunden haben.

Diese Vielfalt und die krassen Unterschiede die nach wie vor im wohl fortschrittlichsten Land Afrikas herrschen schlagen einem sofort entgegen, wenn man nur wenige Kilometer entfernt vom modernen Flughafen in Kapstadt an den “Townships” vorbeifährt. Die Armensiedlungen, nach wie vor fast ausschließlich bewohnt von der farbigen Bevölkerung, stehen wie ein Mahnmal vergangener Zeiten gegen die Moderne. Schilder am Straßenrand weisen darauf hin dass es sich um eine “High Crime Zone” handelt und man nicht anhalten und auf keinen Fall aussteigen soll. Dieser Strassenabschnitt vor dem kein Reisender entfliehen kann der Kapstadt besucht steht symbolisch für die Gegensätze und die unterschiedlichen Lebensweisen die Südafrika auch 22 Jahre nach Ende der Apartheid im Jahr 1994 beherrschen.

Das schicke Simon’s Town

Kapstadt vs. Johannesburg

Meine Reise durch Südafrika begann in Kapstadt und endete in Johannesburg, zwei Großstädte die unterschiedlicher kaum sein könnten. Kapstadt und vor allem die Kapregion mit seinem europäischen Charme aus vergangenen Zeiten, der so viel Klasse und Coolness ausstrahlt macht es einem einfach anzukommen. Mit einem Mietwagen lässt sich die Gegend die vor Natur- und Wildlifehighlights nur so strotzt perfekt erkunden. Der Tafelberg, das Kap der guten Hoffnung, Pinguine, Seelöwen, weiße Haie. Ich liebe Kapstadt! Johannesburg dagegen, als größte Metropolregion Afrikas, setzt auf wirtschaftliche Stärke, grau in grau und modernen (oder manchmal auch nicht so modernen) Industriechic. Die Stadt wurde 1886 als Goldgräber-Siedlung gegründet, man setzte auf Profit, nicht Schönheit. Und auch heute ist Johannesburg Anziehungspunkt vieler Glücksuchender, die statt Gold aber meist mit Wellblech in einem der vielen Townships enden.

Cape Point

Wie wild ist die Wild Coast wirklich?

Zwischen Kapstadt und Johannesburg liegen Welten und leider war meine Reise zu kurz um all diese Welten kennenzulernen. Die Strecke Kapstadt-Durban bin ich geflogen um dann mit meinem schönen aber leider PS-schwachen Chevrolet Cruze wieder nach Süden aufzubrechen. Tauchen an der Wild Coast Kwa Zulu Natals stand auf dem Programm und dass ich dort als Haifreak genau an der richtigen Adresse war konntet ihr bereits hier nachlesen. Doch natürlich hat die Region weit mehr zu bieten als nur Haie. Ein Strand reiht sich an den nächsten und die einheimische Bevölkerung genießt das Beachlife in vollen Zügen.

Einer der vielen Strände der zwischen Port Edward und Port Shepstone

Auch Wellen gibt es hier und so ließ ich es mir nicht nehmen an die morgendlichen Haitauchgänge noch einige  Surfsessions dranzuhängen. Selbst ein kleiner Nationalpark liegt unweit der Küste, in dem ich unter anderem die ersten Zebras der Reise sah. Doch das eigentliche Highlight im Lake Eland Game Reserve ist die mit 4,5 km längste Zipline Afrikas. Die Ziplines überspannen Teile der beeindruckenden Schlucht Oribi Gorge, die für sich schon einen Besuch wert ist. Ein Mordsspaß in toller Landschaft.

Lake Eland Game Reserve

“South africa is a country for cowboys and I will never leave it” meinte unser Tauchguide als wir gemütlich beim Mittagessen zusammen saßen. Doch was das heißt merkt man erst wenn man etwas länger hier unterwegs ist. Erst mal ist alles gar nicht so anders als bei uns, doch irgendwann dämmert es: Es gibt nicht so viele Regeln! Man muss selbst mitdenken! Niemand nimmt dich an die Hand! Was das heißt sollte ich am eigenen Leib spüren als ich alleine eine Trekking Tour im Umtamvuna Nationalpark unternahm um die Schlucht Umtamvuna River Gorge zu besuchen. Als einziger Wanderer des Tages trug ich mich in’s Besucherbuch ein und fragte den Ranger ob die Wege markiert seien. “Of course, no problem” meinte er und schickte mich los auf die mehrstündige Wanderung. Am Rand der Schlucht alles kein Problem, obwohl auch hier kaum Markierungen vorhanden waren. Doch im Wald hatte ich mich ziemlich schnell verlaufen. Ich ging ein Stück zurück, wieder nach vorne, doch der Weg war nicht aufzufinden. Schließlich schlug ich mich einfach ein Stück querfeldein in die Richtung die ich als richtig erachtete und glücklicherweise stieß ich nach geraumer Zeit wieder auf den Weg. Ich fand zurück, freute mich dass ich’s alleine geschafft hatte und ein kleines Abenteuer erleben durfte. Das ist mir 1000 mal lieber als der Schilderwald und der Sicherheitswahn bei uns. In Südafrika muss man einfach noch mitdenken, in Deutschland wurde das leider vielen Bürgern schon lange aberzogen.

Umtamvuna River Gorge

Der Norden von Afrikas Süden

Über die endlosen, schnurgeraden Straßen bahnte ich mir meinen Weg in den Norden um dem berühmten Kruger Nationalpark und einem nahegelegenen privaten Game Reserve einen Besuch abzustatten. Eine schöne Zeit mit wunderbaren Tierbegegnungen. Nun auf dem Weg nach Johannesburg wollte ich mir natürlich den Blyde River Canyon nicht entgehen lassen. Ein weiteres landschaftliches Highlight und Südafrikas Pendant zum Grand Canyon.

Blyde River Canyon

An die USA erinnert nicht nur der Canyon, sondern auch die verschiedenen Aussichtspunkte. Denn wie die Amerikaner sind scheinbar auch die Südafrikaner ziemlich faul und möchten am liebsten bis an den Rand des Canyons mit dem Auto fahren um bloß nicht zu weit laufen zu müssen. Mehrere Aussichtspunkte ziehen sich entlang der Straße und es lohnt sich an jedem einzelnen anzuhalten und den geringen Eintrittspreis zu zahlen. Atemberaubende Ausblicke, nur das Wetter spielte bei meinem Besuch nicht so ganz mit. Hatte ich am Vortag ganz im Norden noch 38 Grad, waren es bei meinem Besuch am Canyon gerade noch 10 und als im am Nachmittag bei regnerischem Herbstwetter als einziger Touri auch noch die “Berlin” und “Lisbon” Wasserfälle besuchte fiel das Quecksilber tatsächlich bis auf 8 Grad. Für viele Leute schwer verständlich, aber auch in einem Land dessen Name mit “Süd-” beginnt, wird’s mal kalt.

Lisbon Falls

Angekommen im kleinen Örtchen Graskop parkte ich mein Auto und hechtete durch den strömenden Regen auf ein Cafe’ zu. Drei wildfremde Leute standen davor und unterbrachen ihr Gespräch um mir zuzusehen wie ich versuchte möglichst nicht komplett durchnässt zu werden. Dort angekommen, musterte mich eine der beiden Frauen kurz und meinte dann ganz nüchtern: ” It’s four already, you’re late! We expected you earlier!” “Wir haben dich früher erwartet!” Ich war baff. Doch sie hatte Recht. Schon viel früher hätte ich diesem einmaligen Land einen Besuch abstatten müssen. Schon viel früher hätte ich ankommen müssen, in Südafrika!

 

 

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