Mirissa und die Wale – Unterwegs an Sri Lankas Südwestküste

Mirissa und die Wale – Unterwegs an Sri Lankas Südwestküste

Sonne, Strand und Palmen hatte ich mir redlich verdient nach der anstrengenden Reise durch das Hochland und der Hitze der Nationalparks Sri Lankas. Mit Küste und Sandstrand kann Sri Lanka reichlich aufwarten, einsam und schmal, breit und bebaut, mit idealen Surferwellen oder möglichst ruhig. Man hat nahezu freie Auswahl. Doch noch mehr als darauf am Meer zu liegen, freute ich mich darauf zu erkunden, was man so alles darin sehen kann. Denn vor Sri Lankas Küste ziehen in unserem Winter die größten Lebewesen vorüber die je auf unserem Planeten gelebt haben. Obwohl so groß, ist es nicht einfach die Ozeanriesen zu Gesicht zu bekommen und zudem in Sri Lanka leider nicht erlaubt zu ihnen in’s Wasser zu springen, aber genau das war mein Hauptgrund um einige Tage in Mirissa zu verbringen: Ich wollte einem Blauwal unter Wasser begegnen!

Da Sri Lanka eine Insel ist, gibt es natürlich reichlich Küste und auch wirklich schöne Strände, die sich zwar nicht mit den Bilderbuchstränden der nur unweit von dort liegenden Malediven messen lassen aber doch auch einen eigenen Reiz versprühen. Je nach Monsun sollte man sich bei seinem Strandbesuch entweder auf den Südwesten oder Nordosten festlegen um nicht auch mit jeder Menge Wasser von oben rechnen zu müssen. Natürlich haben die Singhalesen den Wert ihrer Strände erkannt und sind leider vielerorts fleißig am Bauen. Wer auf Pauschaltourismus und Club-Urlaub steht kommt in Unawatuna oder Bentota voll auf seine Kosten. In Galle lässt sich der Badeurlaub mit jeder Menge Kultur und Hinterlassenschaften der holländischen Kolonialmacht verbinden und wer es ganz ruhig mag, der hat tatsächlich die Möglichkeit ein kleines Stückchen Strand für sich alleine zu finden in Tangalla oder Rekawa. Doch auch dort werden früher oder später die durch den Tsunami zerstörten und teilweise noch heute in Ruinen liegenden Hotels und Gästehäuser wieder aufgebaut und die Strände dementsprechend belebter werden.

Strand nahe Midigama

Da mein Hauptziel die Wale waren, fuhr ich schweren Herzens an Tangalla vorbei und nach Mirissa, einem der beliebtesten Orte an Sri Lankas Südküste. Beliebt nicht ohne Grund. Man kann es dort tatsächlich ganz gut aushalten. Der Strand ist ganz schön, es gibt reichlich Beach Bars und der Ort verfügt auch sonst über alles was man als Tourist so braucht. Wagt man sich allerdings etwas weiter vor in’s Innere des Ortes und weg von den Touristenmassen kann man den urigen Fischerort mit seinen freundlichen Bewohnern, der Mirissa wohl mal gewesen ist, noch deutlich spüren. Die Frage ist nur wie lange noch, bevor auch Mirissa von der Pauschaltourismusindustrie erobert wird?

Für mich war der Ort die perfekte Ausgangsbasis um die Gegend zu erkunden, zum Surfen und mich auf die Suche nach den Walen zu machen. Mit einem Motorroller kann man sich direkt in den hektischen Verkehr der Küstenstraße stürzen und immer wieder stoppen an den Stränden. In der Nähe der Pauschalhotels schön sauber, sind die Strände der Fischerorte wie z.B. Weligama ganz schön verdreckt. Doch alleine um die kunstvoll bemalten Fischerboote zu sehen lohnt sich ein Stop dort. Weiter die Küste entlang trifft man auf Midigama, wo es einige der besten Surfbreaks der Insel gibt. Als ich hier surfen war, hatte ich sogar das Glück, dass direkt neben mir eine Schildkröte zum Luftholen auftauchte als ich auf meinem Brett sitzend auf die nächste Welle wartete. Generell gibt es in Sri Lanka reichlich Schildkröten, welche auch die dortigen Strände zur Eiablage nutzen. Ein paar fadenscheinige Schutzorganisationen ermöglichen es Touristen bei der Eiablage dabei zu sein. Da das ganze allerdings so gar nicht zum Wohle der Tiere ablaufen soll, habe ich darauf verzichtet.

Fischerboot in Weligama

Schafft man es durch Unawatuna und bis nach Galle findet man, gerade in der Gegend des alten Forts, eine Stadt vor, die eine ganze Ecke anders ist als man es von Sri Lanka gewohnt ist. Europäisch geprägt und mit einer sehr lebendigen Kunstszene verfügt Galle neben seinen wenigen Strandabschnitten unter der alten Stadtmauer doch über einen ganz eigenen Reiz und selbst wer nicht übermäßig kulturell interessiert ist sollte hier einen kurzen Stop einlegen.

Der Leuchtturm im Fort von Galle

Doch das war für mich prinzipiell alles nur Vorspiel für die “Waljagd”. Jedes Jahr in unserem Winter ziehen zahlreiche große und kleine Walarten an der Küste Sri Lankas vorbei und es ist keine Seltenheit, dass man neben Blau-, Pott-, oder Pilotwalen auch Schulen von mehreren tausenden Delphinen zu Gesicht bekommt. Ja selbst Orcas wurden einige Tage vor meinem Eintreffen in Mirissa vor der Küste gesichtet. So ist es kein Wunder dass sich in Mirissa an jeder Ecke “Whale watching”-Anbieter finden und die zweithäufigste Frage nach “Tuk Tuk Sir?” definitiv “Whale watching Sir?, Very cheap!” lautet. Doch ich wollte nicht auf einem knallevollen Touri-boot rausfahren um mit etwas Glück einen Walrücken oder ‘ne Schwanzflosse zu sehen. Ich wollte zu den Walen in’s Wasser, was sich leider etwas schwieriger gestaltete. Da das Schnorcheln (Tauchen ist auf Grund der Schnelligkeit der Tiere sowieso nicht möglich) mit den Walen in Sri Lanka nicht erlaubt ist, gibt es natürlich keinen offiziellen Anbieter hierfür. Als ich allerdings etwas herumfragte fand ich sehr schnell jemanden der mich, für ein für srilankanische Verhältnisse kleines Vermögen, zu den Walen raus bringen und mir die Möglichkeit geben wollte auch mit ihnen zu Schnorcheln. “Habt ihr das schon mal gemacht?” “Na klar, schon oft!”, “Gab es schon mal Probleme mit der Polizei oder so?” “Ne, alles easy!”, “Und Leute konnte tatsächlich mit den Walen Schnorcheln?” “Klar, kein Problem!”.

So kann man Blauwale vom Boot aus sehen

Das klang ja alles schon mal vielversprechend. Doch wenn schon so viele Leute mit den Walen im Wasser waren, warum gab es dann gar keine Amateaurvideos davon bei Youtube fragte ich mich. Und die Skepsis war begründet. Was sich anfangs alles so einfach und erfolgversprechend anhörte, stellte sich hinterher als weitaus schwieriger heraus. Früh morgens traf ich mich mit zwei Leuten am Hafen die mein Kapitän und Walspotter sein sollten. Klammheimlich beförderten wir Maske und Flossen auf das kleine Boot so dass keiner der Fischer Verdacht schöpfte. Vor uns sahen wir die großen offiziellen Whalewatching-Boote ausrücken und nach kurzer Zeit bewies der Kapitän, der wirklich ein freundlicher Bursche war, dass die kleine Nussschale tatsächlich über einen ordentlichen Motor verfügte, der nötig ist um sich den Walen schnell zu nähern.

Im Hafen von Mirissa

Kilometer um Kilometer entfernten wir uns von der Küste und trafen schließlich auf eine Ansammlung von Whalewatching-Booten. Sie hatten Blauwale entdeckt und so gesellten wir uns dazu und sahen Walrücken und Schwanzflossen. Wurde der Blas eines Wals entdeckt rasten alle Boote auf den Wal zu, der nach dem Atmen natürlich sofort wieder abtauchte. Generell bleiben Blauwale nur für ein bis zwei Atemzüge, also eine sehr kurze Zeitspanne, an der Oberfläche bevor sie wieder abtauchen, was es sehr schwierig macht sich ihnen zu nähern. Doch bevor wir das herausfinden sollten mussten wir warten bis alle offiziellen Boote wieder verschwunden waren, so dass keiner mitbekäme was wir vorhatten. Als dann endlich “die Luft rein” war merkten wir schnell dass es extrem schwierig ist, sich den Walen weit genug zu nähern um zu ihnen in’s Wasser zu springen. Denn wann man den Blas sieht und das Boot dorthin bringt ist der Wal meist schon wieder weg. Immer wieder bereitete mich der Kapitän auf die drohende Enttäuschung vor “Sir, Blue whale, very fast!”. Ja, das wusste ich. Aber ich wollte nicht aufgeben und durch die Zeit mit den Buckelwalen auf Tonga wusste ich wie man sich den Walen ungefähr nähern musste, um die Chancen zu erhöhen tatsächlich einen zu sehen. So versuchte ich die beiden nur sehr wenig englisch sprechenden Mitglieder meiner Bootsbesatzung zu dirigieren um doch noch einem der Wale nahe zu kommen.

Auf der Suche nach Blauwalen

Insgesamt verbrachte ich zwei volle Tage auf dem Wasser, den Blick die ganze Zeit auf den Horizont gerichtet um zwischen den anrollenden Wellenbergen einen Blas oder eine Schwanzflosse auszumachen was wirklich alles andere als einfach war. Immer wieder malte ich mir aus, wie es wohl sein würde den Tieren im Wasser zu begegnen. Und ganz ehrlich, etwas Angst hatte ich auch. Blauwale sind es ja sicherlich nicht gewohnt Menschen zu begegnen. Ganze zwei mal sprang ich dann tatsächlich mit Maske und Flossen in’s Wasser. Und ein mal hatte ich Erfolg!

Ich ließ mich in der möglichen Schwimmrichtung des Blauwals absetzen, ließ meinen Blick durch das tiefe Blau des offenen Ozeans schweifen und dann schälte sich eine Silhouette aus dem Blau. Direkt vor mir. Ich paddelte zurück, nicht wissend, ob der Wal mich wahr nehmen und ausweichen würde und staunte einfach nur, als der Ozeanriese an mir vorbeizog. Als er auf meiner Höhe war paddelte ich so schnell ich konnte um mit ihm mithalten zu können, doch keine Chance, mit zwei Flossenschlägen war der Wal vorbei und ich sah die Silhouette abtauchen. Der Kapitän hatte recht “Blue whales, very fast!”. Eine ungeheure Euphorie durchströmte mich. Ich war dem größten je auf der Erde vorkommenden Lebewesen in dessen Lebensraum auf Augenhöhe begegnet. Auch die Bootsbesatzung war völlig aus dem Häuschen und wollte unbedingt sofort das 38-Sekunden Video sehen, dass ich von der Begegnung machen konnte. Denn wie sich später herausstellen sollte, hatten sie den unerlaubten Trip sehr wohl schon einige Male unternommen, es hatte aber noch nie ein Gast wirklich einen Wal im Wasser zu Gesicht bekommen ;-). Zwei Tage auf dem Wasser für eine ca. einminütige Blauwalbegegnung! Ihr könnt mich verrückt nennen, aber ich würde sagen der Aufwand hat sich gelohnt :-)!

Bis in die 1960er Jahre wurden die Tiere bejagt und der Bestand der in allen Ozeanen vorkommenden Wale wurde auf nur noch 1.000 – 3.000 Exemplare geschätzt. Durch den Schutz der Tiere bewegt sich der heutige Bestand wieder im Bereich zwischen 10.000 und 20.000, damit jedoch immer noch weit entfernt von der ersten Hochrechnung 1920, wo man von ca. 220.000 lebenden Tieren ausging. Der Blauwal ist das größte und schwerste bekannte Tier, das jemals auf der Erde gelebt hat. Er kann eine Länge von bis zu 33 Meter und ein Gewicht bis zu zwei hundert Tonnen erreichen und sticht damit sogar alle uns heute bekannten Dinosaurier aus.

Nachdem ich glücklich war einem dieser Riesen begegnet zu sein, führte mich mein Weg weiter die Küste hinauf nach Hikkaduwa, einem eheamligen Hippieort, wovon man heute allerdings nicht mehr viel merkt. Der Strand ist ganz schön und man kann hier schön Schildkröten beobachten, die sich nicht von den vielen Touristen stören lassen und fast bis an’s Ufer kommen. Auch in Hikkaduwa kann man bei ausreichend “Swell” ganz gut surfen und da das Wasser so klar ist, konnte ich hier auf dem Surfbrett stehend sogar das Riff und einige Fische unter der Welle sehen. Echt schön. Auch Tauchen war ich hier, was auch nicht mit den benachbarten Malediven vergleichbar ist aber trotzdem ganz nett war, zumal einer der Tauchgänge an dem 1903 gesunkenen Wrack des Conch Öl-Tanker stattfand.

 

Den Abschluss fand mein Trip durch Sri Lanka im flughafennahen Küstenort Negombo, eine christliche Bastion im ansonsten buddhistischen und hinduistischen Sri Lanka und ein guter Schlusspunkt einer vielseitigen und faszinierenden Reise durch dieses kleine Land.

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