Meeting the Bulls – Hai-Tauchen auf Fidschi

Meeting the Bulls – Hai-Tauchen auf Fidschi

Zügig tauchen wir ab. Alle gemeinsam, als Gruppe, keine Einzelkämpfer. Schon nach den ersten paar Metern schälten sich unter uns die ersten grauen Schemen aus dem tiefen Blau des Pazifiks. Lange habe ich mir ausgemalt was ich wohl in diesem Moment empfinden werde. Wie würde es sein, diesen großen Raubtieren das erste Mal zu begegnen? Ich gebe zu, etwas Angst hatte ich im Vorfeld schon. Doch die Neugier und Abenteuerlust überwogen und als wir schließlich auf 30 Meter ankamen,uns hinter eine niedrige Korallenwand knieten und diese beeindruckenden Tiere vor uns ihre Kreise zogen, war es pure Begeisterung die mich erfüllte. Bullenhaie, sehr viele Bullenhaie. Überwältigend war es, diesen so missverstandenen Raubtieren fast hautnah begegnen zu können, selbstverständlich ohne Käfig. Hier waren sie vor uns, die durch die Medien über viele Jahre zu blutrünstigen Monstern hochstilisierten Fische, die von uns Menschen bereits an den Rand der Ausrottung gebracht wurden und zogen (fast) friedlich ihre Kreise.

Es gibt weltweit über 500 verschiedene Haiarten, von welchen allerdings nur ca. zehn Arten für den Menschen gefährlich werden können. Die Statistiken der Haiangriffe werden angeführt von weißen Haien, Tiger- und Bullenhaien. Die durch die Medien oft als blutrünstige Attacken auf unschuldige Schwimmer oder Surfer ausgeschlachteten Zwischenfälle sind trotz ihrer Tragik letztlich nichts anderes als Unfälle. Und um gleich mal das erste Vorurteil auszuräumen. Haie fressen keine Menschen! Wenn ein Hai zubeißt, dann aus Furcht oder um zu testen, was es ist, das da an der Oberfläche treibt. Ein Hai hat nun mal keine Hände und ertastet seine Umwelt demnach mit dem Maul. Wird also ein Mensch angegriffen, erfolgt meist ein sogenannter Probebiss, mit welchem der Hai herausfinden möchte, ob es sich um Beute handelt. In der Regel bleibt es bei diesem Probebiss, der allerdings in einigen Fällen und natürlich vor allem bei den oben genannten Arten ziemlich tief und mit großem Blutverlust verbunden ist. Nichtsdestotrotz sind Haiangriffe sehr sehr selten. Täglich begeben sich Millionen von Menschen in den Ozean und damit in den Lebensraum der Haie und dennoch kann man die jährlichen Opfer von Haiattacken meist an zwei Händen abzählen.

Es sterben jährlich mehr Menschen durch Angriffe von z.B. Kühen oder beim Knipsen von Selfies. Das Klischee vom blutrünstigen Monster ist also längst überholt.

Viel mehr noch, wenn man berücksichtigt, was wir dieser für die Ozeane so wichtigen Spezies antun. Haie stehen am oberen Ende der Nahrungskette im Meer und sorgen demnach für die Balance an den Riffen. Durch menschliches Eingreifen gerät dieses Gleichgewicht aus den Fugen und die auch für unser Überleben auf lange Zeit so wichtigen Riffe sterben. Dies ist keine Zunkunftsfantasie. Die Bestände vieler Haiarten wurden die letzten zehn Jahre um rund 90 Prozent dezimiert und damit teilweise an den Rande des Kollaps gebracht. Rund 100 Millionen Haie finden jährlich den Tod durch Menschenhand. Die inzwischen größte Bedrohung, neben Überfischung und Zerstörung des Lebensraums, ist die große Nachfrage des asiatischen Marktes nach Haiflossen. Dort gelten die Flossen der Tiere und die daraus zubereitete Haifischflossensuppe als Delikatesse und findet immer mehr Abnehmer. Die geschmacksneutrale Flosse wird hier in einer Rinder- oder Hühnerbrühe serviert und gehört bei feierlichen Anlässen “zum guten Ton”. Ein Brauch, der eine Spezies die unseren Planeten schon zur Zeit der Dinosaurier bevölkert hat, für immer verschwinden lassen kann. Zukünftige Generationen mögen uns zu Recht für Barbaren halten, wenn wir dies zulassen, nur für eine verdammte Suppe!

Wer hier an weiteren Informationen interessiert ist, dem sei die Doku Sharkwater sehr an’s Herz gelegt. Auch die Organisationen Shark Project, Sea Shepherd und Racing Extinction, setzen sich für den Schutz der Haie ein und bieten weitere Informationen.

Mich begeistern die Tiere seit Jahren uns so wählten wir über die Jahre oft Reiseziele, an welchen wir den Tieren begegnen konnten (z.B. Philippinen, Palau, Seychellen). Und auch für meine Reise nach Fidschi, waren die Haie der Hauptgrund. Es ist sehr schwierig einer der drei großen Arten (weißer, Tiger-, Bullenhai) in der freien Wildbahn zu begegnen. Trotz ihrer viel nachgesagten Gefährlichkeit sind die Tiere scheu und zeigen sich Tauchern nur selten. 150 Tauchgänge und bei keinem war mir bis jetzt eine Begegnung mit den Top-Räubern der Meere vergönnt. Das wollte ich ändern.

Auf Fidschi gibt es zwei Anbieter, die bereits seit mehreren Jahren Begegnungen mit Haien ermöglichen. Beide Tauchbasen haben ihren eigenen Riffabschnitt, an welchem sie die Tiere anködern und im Beisein der Taucher anfüttern. Bei der Fütterung werden zum einen aus einer von Tauchern an Seilen gehaltenen Tonne immer wieder einig Fischstücke gekippt, die sich von den Haien geschnappt werden. Zum anderen werden die Haie aus der Hand (!) mit Thunfischköpfen gefüttert. Ein absolut spektakuläres Schauspiel, das laut Hörensagen bisher auch fast ohne Zwischenfälle von statten gegangen ist. Ich habe vier Haitauchgänge mit Beqa Adventure Divers an deren Riffabschnitt vor der Insel Beqa unternommen. Hier herrschen ganz klar die Bullenhaie und auf Grund der großen Übermacht halten sich andere Haie eher fern. Ausgewachsene Tiere bringen es auf bis zu 3,5 Meter Länge und haben keine natürlichen Feinde. Wir hatten bei allen vier Tauchgängen ca. 40-60 der massigen Tiere, die dem Geruch der Köder gefolgt sind. Die Fütterungen fanden immer auf ca. 25-30 Meter statt, wo wir die Tiere in Interaktion ca. 15-20 Minuten beobachten konnten. Die Fütterer und auch die Taucher werden geschützt durch einige Sicherungstaucher, die, bewaffnet mit flachen Alustäben, die Haie weg drücken wenn diese zu nahe herankommen. Und sie kommen verdammt nahe! So nahe, dass ich sie hätte anfassen können! Es wird versucht alle unnötigen Gefahren auszuschließen. So ist es beispielsweise nicht erlaubt, seinen Arm oder eine Verlängerung mit der Kamera von sich zu strecken, sondern es muss alles möglichst nahe am Körper gehalten werden, um die Haie nicht unnötig zu reizen. Die Tauchgänge waren gut organisiert und ich habe mich hier einigermaßen sicher gefühlt, wenn man dies in dieser Umgebung überhaupt behaupten kann ;-).

Nach der Fütterung der Bullenhaie werden die Tauchgänge im 10-5 Meter Bereich und mit der Fütterung von grauen Riffhaien, Weißspitzen- und Schwarzspitzenriffhaien fortgesetzt. Selbstverständlich sind auch alle möglichen anderen Fischarten daran interessiert ein Stück vom Kuchen abzubekommen und so herrschte ein hektisches Gedrängel, dass immer wieder durchbrochen wird von den heranjagenden Haien. Nach den massigen Bullenhaien sicherlich nicht mehr ganz so überwältigend, aber dennoch beeindruckend, diesen Tieren so nahe zu kommen und ihr Fressverhalten beobachten zu können.

Es ist natürlich immer auch fragwürdig Tiere anzufüttern und damit in die Natur einzugreifen. Lange war ich ein Gegner derartiger Praktiken. Allerdings entsteht dadurch auch viel positives. Die dortigen Tauchbasen haben dieses Jahr erreicht, dass das gesamte Riff (Shark Reef) unter Naturschutz gestellt und damit zum ersten marinen Nationalpark Fidschis wurde. Es ist nun komplett verboten dort zu Fischen, wovon natürlich alle hier vertretenen Arten profitieren, selbst die ehemaligen Fischer. Diese bekommen nämlich von jedem Taucher der “ihr” Riff betauchen möchte eine Abgabe. Dieses Konzept, das weltweit auch in einigen weiteren Nationalparks Anwendung findet, nämlich den dort lebenden Menschen aufzuzeigen, dass die lebendigen Tiere mehr Wert sind als die toten, finde ich absolut unterstützenswert.

Gefährlich wird es nur, wenn die Haie durch die Fütterungen ihr Fressverhalten verändern. Um dies zu vermeiden, sind bei jedem Tauchgang Beobachtungstaucher mit dabei, die die Anzahl der Haie festhalten, die anwesenden Tiere identifizieren und ihr Verhalten dokumentieren. Wöchentlich werden Proben entnommen um festzustellen, wieviel Anteil die Fütterungen an der Beute der Tiere haben und ob deren Jagdverhalten negativ beeinflusst wird. In dieser Kombination und unter den oben genannten Gesichtspunkten halte ich es für vertretbar die Fütterungen durchzuführen um Menschen aus aller Welt diese beeindruckenden Tiere näher zu bringen.

Ich kann abschließend sagen, dass die vier Haitauchgänge auf Fidschi für mich zu den Besten zählen die ich je unternommen habe und auch eine der eindrucksvollsten Wildlife-Begegnungen bisher war.

Ich hoffe ich kann euch mit dem nachfolgenden Video einen kleinen Eindruck vermitteln, wie beeindruckend diese Tauchgänge waren. Die Videos wurden komplett mit einer Action-Cam in meiner Hand und ohne jeglichen Zoom gefilmt. Alles was nah aussieht, ist also auch wirklich nah;-)!

2 Gedanken zu „Meeting the Bulls – Hai-Tauchen auf Fidschi

Schreibe einen Kommentar

Folge Live Wild auf Facebookschliessen
oeffnen