Mahe – Natur pur trotz Luxustourismus!

Mahe – Natur pur trotz Luxustourismus!

Wir konnten nicht genug kriegen von diesem Inselparadies. Nach zwei Wochen auf La Digue und Praslin bildete unsere Zeit auf Mahe den Abschluss unserer Seychellen-Hochzeits-Flitterwochenreise. Ich möchte jetzt nicht schon die Spannung nehmen, aber es hat sich gelohnt, auch die Inseln zu wechseln und nicht die ganze Zeit auf einer der drei zu verbringen. So stark sie sich in den meisten Dingen ähneln, so unterschiedlich sind sie auch. Jede mit eigenem Flair und anderen Möglichkeiten. Nach einer unangenehmen Nacht, in der wir uns eingestehen mussten, dass Nadine sich wohl eine Fischvergiftung eingefangen hat, machten wir uns auf die Reise nach Mahe. Entkräftet, da sie sich ständig übergeben musste, und trotz zwei Wochen im Paradies käseweiß bestieg Nadine die kleine Propellermaschine die uns von Praslin nach Mahe brachte. Den Flug über die Inseln und den in allen Blautönen schimmernden Ozean konnte sie wohl nicht ganz so genießen wie ich…. 😉

Die lange kurvige Fahrt vom Flughafen auf die andere Seite der Insel gab ihr dann den Rest, so dass Nadine für die nächsten zwei Tage ausgenockt war und sich schwor nie mehr “Red Snapper” zu essen. Wir verbrachten unsere Zeit auf Mahe im Anse Soleil Beachcomber. Ausgesucht hatte ich das Resort auf Grund der Lage mit guten Schnorchelgründen in der Bucht und einer Tauchbasis in der Nähe, die uns an den kommenden Tagen jeweils vom Hotel zum Tauchen abholte.

Mahe, als größte Insel der Seychellen ist 28 km lang und 8 km breit und beherbergt auch fast 90% der Bevölkerung, die Hauptstadt Victoria und den internationalen Flughafen. Das touristische Zentrum befindet sich im Norden in der Beau Vallon Bay. Ein weiterer Grund für die Wahl unserer Unterkunft im tiefen Südwesten der Insel und auch Werbespruch unserer Tauchbasis: “Avoid the crowd, dive the south”!

Anse Soleil

Während auf La Digue ein Fahrrad völlig ausreichend war um die Insel zu erkunden und wir auf Praslin meist mit dem Bus unterwegs waren kamen wir auf Mahe eigentlich nicht umhin uns ein Auto zu mieten und den Kampf mit dem Linksverkehr aufzunehmen um etwas mehr von der Insel zu sehen als unsere Bucht. So mieteten wir morgens nach dem Frühstück spontan ein Auto in unserer Unterkunft und machten uns auf den Weg. Wir besuchten die Strände der Region und stellten fest, dass trotz der auf Mahe deutlich größeren und luxuriöseren Hotels sich selbst hier ruhige Ecken an strahlenden Puderzuckerstränden finden ließen. Allen voran der Grand Anse (ja, den gibt’s auf jeder Insel!) und der Anse Intendance beeindruckten uns.Natürlich durfte auch ein kurzer Abstecher nach Victoria nicht fehlen. Wir tingelten gemütlich durch die Stadt und schauten uns den Hafen an. Da Sonntag war, war auch der Verkehr auf der ganzen Insel ziemlich entspannt und wir hatten uns schnell an die “falsche Straßenseite” gewöhnt. Obwohl deutlich größer als die anderen beiden Inseln weht auch auf Mahe ein gewisses Inselflair. Das Leben scheint einfacher, leichter und entspannter abzulaufen. Wir beendeten unsere Ausfahrt in einem kleinen Ort in dem irgendein Fest zu sein schien. Der ganze Strand und das Meer sind von den Einwohnern des Örtchens bevölkert. In der Luft liegt der Geruch von Barbeque und kochender kreolischer Sauce. Wir mischen uns unter die Einheimischen, sehen dem Treiben zu und genießen den Sonnenuntergang.

Anse Intendance

Den Großteil der nächsten Tage verbrachten wir an der Bucht in der sich die Tauchbasis befand, da wir von hier die morgen- und nachmittäglichen Tauchausflüge starteten. Hier wurden wir einmal mehr Zeuge der Schönheit und Fragilität der Natur. Da die Bucht, gerade bei Ebbe, sehr flach ist muss man eine Weile durch’s Wasser waten um zum Tauchboot zu gelangen. Wir trauten unseren Augen kaum, was wir hier beobachten konnten. Eine Vielzahl kleiner Schildkrötenbabys, die wohl über Nacht geschlüpft sein müssen und sich jetzt abmühten in’s offene Meer zu gelangen. So süß und zerbrechlich die Kleinen, wir hoffen das möglichst viele Durchgekommen sind. Tage später können wir selbst in unserer Bucht Anse Soleil einige Babyschildkröten und sogar einen Baby-Adlerrochen in den Wellen entdecken.

Babyschildkröte

Im krassen Gegensatz zur Schönheit der Natur steht leider wie viel zu oft die Grausamkeit und Sorglosigkeit des Menschen. Als wir eines Tages von der Tauchausfahrt zur Bucht zurückkommen, können wir bereits aus der Ferne einen Angler sehen, der, im flachen Wasser der Bucht stehend, mächtig mit seinem Fang zu kämpfen hat. Schließlich können wir auch erkennen was er da an der Angel hat. Einen jungen grauen Riffhai. Die flachen Buchten und Lagunen sind die Kinderstuben und Futtergründe der jungen Haie und dieser hier hatte sich leider die falsche Beute geschnappt. Der Angler zog den Hai immer weiter herein, bis er ihn schließlich im seichten Wasser hatte. Von dort befördert er ihn mit Tritten immer weiter den Strand hinauf und lässt ihn schließlich dort ersticken. Ein langsamer grausamer Tod. Haie sind zäh und lange sehen wir den kleinen Hai sich winden. Wir müssen leider die ganze Zeit tatenlos zusehen, als wir durch das seichte Wasser manövrieren. Als das Boot schließlich hält, stürze ich auf den Strand zu, ohne genau zu Wissen was ich tun soll. Der kleine Hai ist längst Tod und wird kopfüber von dem angelnden Touristen stolz den umstehenden Einheimischen präsentiert. Mir bleibt leider nicht mehr als ihm meine Meinung zu seinem dummen und sinnlosen Verhalten entgegenzuschleudern. Wenn das Tier denn am Ende wenigstens verwertet wurde und nicht nur aus Spass und Prahlerei gestorben ist. Auf den Seychellen ist Hai Teil der Speißekarte, was auch nicht weiter schlimm ist, solange die Jagd nicht überhand nimmt und die Tiere nicht allein wegen ihrer Flossen abgeschlachtet werden.

Ein weiteres Erlebnis möchte ich hier schildern, da es zu meinen bisherigen Top-Schnorchelerlebnissen zählt. In unsere Bucht Anse Soleil schnorchelte ich so vor mich hin, immer weiter aus der Bucht raus um ein kleines Riff zu erreichen, dass im offenen Meer liegt. Obwohl ich nicht ganz ungeübt bin was das paddeln angeht so musste ich mir irgendwann eingestehen, dass das Riff zu weit weg ist und ich es vielleicht erreichen werde, mein Kraft dann aber wahrscheinlich nicht mehr ausreicht um es auch zurück in die Bucht zu schaffen. Also ließ ich mich etwas im Blauwasser treiben. Die Sicht war erstaunlich gut und so konnte ich vielleicht 25 Meter unter mir große Stachelrochen beobachten bis ich den Grund irgendwann aus den Augen verlor. Plötzlich sah ich unter mir einen großen Schatten auftauchen. Ein Adlerrochen. Anfangs dachte ich er zieht einfach an mir vorbei, doch als er fast senkrecht unter mir war, drehte er sich plötzlich nach oben und schwamm zu mir an die Oberfläche. Er kam bis ganz nach oben, ganz nah, ich hätte fast die Hand nach ihm ausstrecken können. Langsam und ruhig umkreiste er mich. Wir sahen uns gegenseitig in die Augen und musterten uns in einer Mischung aus Faszination und Angst. Ein wahnsinnig intensiver Moment. Wer diesen wunderschönen Tieren jemals so nahe war kann dies sicherlich nachempfinden. Ich kann mich erinnern als ob es gestern war. Nach etwas mehr als einer Umrundung verabschiedete er sich, schwamm langsam immer tiefer und entschwandt im tiefen Blau des indischen Ozeans.

Natürlich konnten wir es gerade nach einem solchen Erlebnis beim Schnorcheln nicht bewenden lassen und waren auch Tauchen auf den Seychellen.

Leider mussten wir dann nach drei Wochen auf den Seychellen wieder unseren Heimweg antreten. Jetzt nicht mehr als Freund und Freundin, sondern als Mann und Frau und um so viele Erlebnisse reicher. Selbstverständlich wird diese Seychellenreise immer einen ganz speziellen Platz in unseren Erinnerungen einnehmen und zählt für uns beide bis heute zu unseren schönsten Reisen.

Bis zum heutigen Tage haben wir nie schönere Strände gesehen wie auf diesen Perlen im indischen Ozean. Wo war euer schönster Strand? Würde uns interessieren ob man diese Strände noch toppen kann…..

Reisezeitraum: Februar 2012

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