Madidi – Zu Fuss durch den bolivianischen Dschungel

Madidi – Zu Fuss durch den bolivianischen Dschungel

Keine organisierte Tour! Kein Bett! kein Komfort! Den wirklichen Dschungel wollte ich erleben, ohne den ganzen Touristen Schnick Schnack und mich auf die Suche nach den im Madidi-Nationalpark lebenden Jaguaren machen. Auf den Spuren berühmter Expeditionen hoffte ich mich durchs Unterholz zu kämpfen, verschwitzt aber glücklich den Spuren der gefleckten Großkatze zu folgen. Ich wollte lernen wie die teilweise immer noch von der Außenwelt abgeschnittenen Stämme Südamerikas sich ernähren und sich den Dschungel zu Nutze machen. Unmengen Moskitostiche, Ameisenbisse und Sandflohattacken später musste ich meine romantischen Vorstellungen des Lebens im Dschungel definitiv überdenken, doch eine außergewöhnliche Erfahrung war es allemal…

Der Madidi Nationalpark

Der Madidi Nationalpark erstreckt sich von den östlichen Ausläufern der schneebedeckten Anden bis in den westlichen Teil des tropischen Amazonas-Flussgebiets, durchzogen von den Flüssen Río Madidi und Río Tuichi. Mit einer Ausdehnung von 135 km in Ost-West-Richtung und einer Breite von 50 km bedeckt er eine Fläche von fast 19.000 km². Der Nationalpark im Nordwesten Boliviens zählt zu den Orten mit der weltweit größten Artenvielfalt. Rund 5000 Pflanzenarten und 1370 Wirbeltiere (darunter 156 Säugetiere wie z.B. Brillenbär, Puma, Jaguar und Andenhirsch) bevölkern den Park neben fast 900 verschiedenen Vogelarten und einer Vielzahl an Amphibien und Reptilien. Ein idealer Ort also für einen kleinen Camping-Ausflug!

Beeindruckende Vegetation

Nach meiner Rückkehr aus den Pampas wollte ich nicht allzu lange die Annehmlichkeiten des kleinen Dschungelörtchens Rurrenabaque genießen, sondern mich zügig ins nächste Abenteuer stürzen. Neben den Pampas-Touren werden von den meisten Agenturen auch Ausflüge in den nahen Madidi Nationalpark angeboten.  Viele Anbieter unterhalten dort in der Nähe des Flusses Unterkünfte, von welchen aus Wanderungen und Erkundungsgänge durchgeführt werden um den Dschungel und seine Bewohner kennenzulernen. Das klang ja alles ganz nett, allerdings wollte ich den richtigen Dschungel erleben und nicht die Touristen-Version und wenn möglich dem Herrscher von Südamerikas Wäldern begegnen, dem Jaguar.

Das Abenteuer beginnt

Es war in Rurrenabaque nicht wirklich schwierig genau das zu bekommen was ich wollte. Bei Max Jungle war man auf derlei Sonderwünsche bestens vorbereitet uns so machte ich mich bereits am Folgetag mit meinem Guide Miguel auf den Weg ins Dschungelabenteuer. Zusammen mit einigen anderen Gästen, welche die Lodge-Variante gewählt hatten, tuckerten wir in einem kleinen Boot für mehrere Stunden flussaufwärts bis wir den Ausgangspunkt unseres Dschungeltreks erreichten. Noch schnell ein paar Lebensmittel und Wasser eingepackt und dann ging’s auch schon los.

Auf dem Weg in den Madidi Nationalpark

Begleitet nur von meinem Guide Miguel brach ich auf in die grüne Wunderwelt. Nach anfänglicher Verständigungsprobleme (Miguel sprach nur spanisch mit einigen Brocken Englisch, bei mir genau umgekehrt) einigten wir uns auf “Spanglish” eine Mischung aus beiden Sprachen und lernten uns von Tag zu Tag etwas besser kennen. Miguel liebt den Dschungel, ist dort aufgewachsen und war noch nie weiter von Madidi weg als Rurrenabaque. Dementsprechend gut kannte er sich auch aus und ich fühlte mich die kommenden Tage in guten Händen.

Zu Fuss durch den bolivianischen Dschungel

Viiiieel anstrengender als gedacht gestalteten sich die Fussmärsche mit komplettem Gepäck. Auf Grund der dichten Vegetation war ein Vorankommen oft nicht einfach und nur durch die Machete möglich. Allerdings dauerte es nicht lange bis wir auf die ersten frischen Jaguarspuren trafen denen wir folgen konnten. Und nicht nur die Raubkatzen hinterließen eine Menge Spuren in der weichen sandigen Erde, auch frische Spuren der kuriosen Tapire sahen wir häufig.

Auf den Spuren des Jaguar

Neben den Spuren sind wir natürlich auch einigen lebendigen Tieren begegnet. So pirschten wir uns bereits am ersten Tag an eine ganze Herde Wildschweine heran. Mit ihren Jungen durchsuchten sie eine Lichtung nach essbarem und ergriffen erst die Flucht als wir nur noch wenige Meter entfernt waren.

Wildschweine

Auch auf einige der extrem lauten Brüllaffen trafen wir frühzeitig. Da sich die Tiere allerdings in den Wipfeln der Bäume aufhielten war es sehr schwierig ordentliche Fotos zu machen. Zudem erlag meine Kamera bereits am ersten Abend der hohen Luftfeuchtigkeit und gab einfach den Geist auf, so dass ich von da an nur noch mein Handy und die Actioncam zur Verfügung hatte um ein paar Schnappschüsse zu machen.

Brüllaffe

Abgesehen von einigen schmalen Pfaden ist der Teil des Madidi Nationalparks den wir erwanderten geprägt durch dichte Vegetation, unterbrochen von einigen kleinen Wasserläufen, Wasserlöchern und Lichtungen. Die Szenerien kamen mir oft vor wie ein Filmset. Einfach zu perfekt schien alles aufeinander abgestimmt. Wie zum Beispiel ein kleiner See, super klar und von dichtem grün umringt. Sanft stieg der Dunst von ihm auf und er wurde umschwirrt von unzähligen bunten Schmetterlingen und eingehüllt in den alles umfassenden Dschungelsound. Ich wartete direkt darauf dass jemand “Cut” rief und uns aufforderte aus seiner Szene zu verschwinden, doch dass passierte natürlich nicht. So genoß ich die Schönheit, hervorgebracht allein durch die Natur. Weit weg von jeglichem menschlichen Einfluss sog ich die Gerüche, Geräusche und Stimmung des Dschungels in mich auf, während meine Kleidung vor allem die Feuchtigkeit aufsog. Eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit und das Gewicht unserer Rucksäcke zwang uns immer wieder halt zu machen und ich war froh als wir am Nachmittag unser erstes Lager aufschlugen.

Einer der vielen kleinen Wasserläufe

Essen und Schlafen im Dschungel

Ein paar Äste zusammengebunden, Plastikplane drüber und Moskitonetz dran, fertig ist das Schlafgemach. Ich zweifelte zwar ernsthaft daran, dass das Moskitonetz die riesige Tarantel der wir kurz vorher begegnet waren oder eine der Schlangen davon abhalten würde zu uns durchzukommen, aber Miguel sah das entspannt und der wird’s ja wissen, dachte ich mir.

Tarantel

Eigentlich war unser Unterstand echt in Ordnung, wäre der Boden nur nicht so verdammt hart gewesen und hätte nicht so eine Hitze unter dem Moskitonetz geherrscht. So beschränkte sich mein nächtlicher Schlaf auf wenige Stunden und bereits im Morgengrauen brachen wir wieder auf um unsere Chancen zu erhöhen einen Jaguar aufzuspüren. Wie alle anderen Großkatzen sind die Tiere nämlich in der Morgen- und Abenddämmerung am aktivsten und auf Beutejagd.

Unser Schlafgemach

Auch wir jagten abends, bzw. fischten. Mit der Machete wurden ein paar Würmer ausgegraben, ab an den Haken und rein in den Fluss. Es dauerte nur Minuten bis der erste Fisch anbiss und wir unser Abendessen gefangen hatten. Zubereitet mit Gemüse in einem großen Blatt auf dem Feuer auf jeden Fall keine schlechte Mahlzeit. Auch morgens nach den ersten paar Stunden der Wanderung bereiteten wir unsere Mahlzeit und den mitgebrachten Kaffee auf einem Feuer zu und ich versuchte meine Kleidung etwas zu trocknen. Denn zu allem Überfluss hatte ich in der vorangegangen Nacht versucht einen Bach auf einem darüber liegenden Ast zu überqueren der blöderweise gebrochen ist und mich mitsamt meiner einzigen langen Hose und meinen Trekkingschuhen in den Bach befördert hat. Ich stand also am zweiten Tag nicht nur ohne Kamera, sondern auch mit nassen Klamotten da, der Dschungel meinte es nicht gut mit mir.

Abendessen

Natürlich bietet der Wald selbst auch eine Vielzahl an Nahrungsquellen. Neben jeder Menge Früchte, die ich nie zuvor gesehen hatte, war ich vor allem beeindruckt als Miguel eine Liane mit der Machete kappte und daraus Trinkwasser zu rinnen begann. Gierig trank ich das leckere erfrischende Wasser aus der Pflanze um nicht noch mehr aus einem der Wasserlöcher oder Bachläufe trinken zu müssen.

Ich bin durch, holt mich hier raus!

Zu Fuss durch den Madidi Nationalpark: Auf jeden Fall eine Erfahrung die ich nicht missen möchte. Doch Tag um Tag viel es mir schwerer unsere Wanderungen zu genießen. Der Schlafmangel, die hohe Luftfeuchtigkeit und die Unmengen Stiche und Bisse diverser Insekten in kunstvollem Punktemuster über meinen Körper verteilt forderten ihren Tribut. Auch war ich etwas enttäuscht, dass wir natürlich keinen Jaguar zu Gesicht bekamen. Doch das ist wie immer Glückssache und dass ich mit Großkatzen einfach kein Glück habe, hätte ich nach Sri Lanka und Indien ja eigentlich schon wissen müssen.

Fast geschafft!

Ich habe den Trip natürlich nicht abgebrochen, sondern bis zum Ende durchgezogen. Allerdings war ich froh am Abend des letzten Tages wieder in Rurrenabaque vor einem kalten Bier und einer leckeren Pizza zu sitzen, statt vor Flusswasser und Fisch. Nichtsdestotrotz haben sich die paar Tage im Dschungel auf jeden Fall gelohnt und ich konnte viel von Miguel über die dort lebenden Pflanzen und Tiere (und auch etwas Spanisch) lernen. Demütig musste ich feststellen wie hart und lebensfeindlich der Dschungel für uns Menschen sein kann und wie stark wir doch auf die gewohnte Zivilisation mit all ihren kleinen Annehmlichkeiten angewiesen sind.

Ein Trip der zwar lange nicht so reich war an Tiersichtungen wie die Zeit in den Pampas, dafür aber umso intensiver und mir einen kleinen Einblick ermöglichte in ein vielfältiges und leider immer noch stark bedrohtes Ökosystem, dass zu den wahren Wundern unseres Planeten gehört und um jeden Preis erhalten werden muss.

 

 

 

 

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