White Shark Fever – Käfigtauchen mit weißen Haien

White Shark Fever – Käfigtauchen mit weißen Haien

Gaansbai, bewölkt, 13 Grad Wassertemperatur, ob die Frisur sitzt? Keine Ahnung, ist alles eingepackt in 5 mm Neopren und dennoch ist mir saukalt. Die schon leicht blauen Finger klammern sich trotzdem zitternd an die Gitterstäbe über mir. Warten und noch mehr warten, bis irgendwann der Ruf des Bootsmannes erklingt “Dooooown!” und ich mich gerade rechtzeitig unter Wasser drücke um den weißen Hai zu sehen, der nur zwei Handbreit entfernt am Käfig vorbeizieht. Nach ein paar Sekunden ist das Spektakel schon wieder vorbei und die Warterei geht weiter, doch die Kälte ist erst mal wie weggeblasen vom Adrenalin das durch den Körper schießt wenn man dem Top-Räuber der Meere Auge in Auge gegenübersteht….

Einmal im Leben einem weißen Hai begegnen

Schon als Kind haben mich Haie fasziniert und diese Faszination ist mir bis heute nicht abhanden gekommen. Damals und auch heute noch sehe ich mir jede Doku über die majestätischen Raubfische an und nehme alle sich bietenden Gelegenheiten wahr um den Tieren in freier Wildbahn zu begegnen. Die Krönung aller Haibegegnungen ist ein Aufeinandertreffen mit den berüchtigsten ihrer Gattung, dem Weißen, Tiger- und Bullenhai. So verschlug es mich nach Südafrika, einem Land der Superlative mit einer außergewöhnlichen Tierwelt sowohl über als auch unter Wasser um diesen drei Haiarten nahe zu kommen und schon 18 Stunden nach meiner Ankunft in Kapstadt hing ich zitternd im Käfig, wartend auf den großen Weißen.

Warten auf die Großen Weißen…

Es gibt drei Orte auf der Welt an welchen die Chancen gut stehen beim Tauchen bzw. Käfigtauchen auf weiße Haie zu treffen: Australien, Guadalupe Island (Mexiko) und eben Südafrika. Das Zentrum des Haitourismus hier befindet sich in Gaansbai, ca. 2 Stunden östlich von Kapstadt und es bestehen ganzjährig gute Chancen die Tiere sehen zu können. Doch auch in Kapstadt direkt bzw. im Vorort Simon’s Town gibt es eine Handvoll Anbieter die zur richtigen Jahreszeit (Januar – Oktober) Käfigtauchen in der False Bay anbieten. Ich war an beiden Orten im Wasser und hatte bei beiden atemberaubende Begegnungen mit den großen Weißen.

Immer der Nase nach…

Käfigtauchen in Gaansbai

Nachdem das Wetter mir unmittelbar nach Ankunft in Kapstadt erst mal einen Strich durch die Rechnung machte und die Basis in Simon’s Town gleich mal die Hälfte meiner Tauchgänge wetterbedingt absagen musste, machte ich mich direkt am Folgetag auf nach Gaansbai zu White Shark Diving Co. Nach einem kurzen Briefing zum Boot (“Emergency exits all around you”), zum Käfig und zur Sicherheit (“we smile, you smile, we scream, you scream!”), ging’s auch schon raus zu den Haien. Ich war überrascht wie kurz die Anfahrt doch ist und wie nahe sich die Haie dementsprechend an der Küste aufhalten. Doch trotz dieser Nähe und rund 25.000 Badegäste jedes Jahr gab es in Gaansbai noch keinen Haiunfall. Viel gefährlicher als die Haie ist das Meer selbst und der indische Ozean ist rau, was oft unterschätzt wird und so dauerte es auch nicht lange bis die ersten Gäste seekrank wurden und über die Reling spien, blöderweise als ich gerade im Wasser war…

Ab in’s Wasser und los geht’s

Angekommen an der Markierungsboje war der Käfig schnell im Meer und die Köderleinen mit Thunfischköpfen bestückt, noch ein paar Eimer verdünntes Fischblut über Bord und schon war der erste weiße Hai am Boot. Schnell ging es in den noch nassen Neoprenanzug und ab in’s kalte Wasser, das dem ein oder anderen wirklich zu schaffen machte. Doch die Begegnungen entschädigten für die Tortur. Der Käfig schwimmt an der Wasseroberfläche und man wartet mit dem Kopf über Wasser auf das Signal zum Abtauchen. Es gibt kein Tauchgerät, sondern man hält die Luft an, klemmt seine Füsse in die Unterseite des Käfigs und bleibt so lange unter Wasser bis der Hai vorbei ist oder man keine Luft mehr hat. Sobald ein Hai nach dem Köder schnappen will ziehen die Bootsleute den Köder Richtung Käfig und trotz der schlechten Sichtweite von gerade mal zwei Metern kann man die Haie unter Wasser relativ gut sehen. Ein atemberaubendes Schauspiel und viel zu schnell musste ich den Platz im Käfig frei machen für die nächste Gruppe. Doch auch über Wasser kann man die Tiere exzellent beobachten wie sie am Käfig vorbeiziehen, direkt bis an die Gitterstäbe stoßen und nach den Ködern schnappen. Auf Grund der Kälte des Wassers hatte ich dann beim zweiten Durchgang den Käfig fast für mich alleine und das Glück das der interessierte Hai tatsächlich zwei Mal direkt auf den Käfig schwamm. Wie im Fernsehen, ein absolut geiles Erlebnis.

So nah an diese großen Haie ranzukommen ist der Hammer!

Insgesamt hatten wir an diesem Vormittag vier verschiedene weiße Haie am Boot zwischen zwei und vier Metern Länge. Obwohl ich den Trip mit White Shark Diving sehr sehr kurzfristig organisiert hatte, war ich mit dem Ablauf vollauf zufrieden. Nette Mitarbeiter mit viel Fachwissen, denen die Haie und deren Fortbestand auch wirklich am Herzen liegen. Selbstverständlich wurde auch die Sicherheit nicht außer Acht gelassen und ich habe mich zu keinem Zeitpunkt Unwohl gefühlt.

Alles easy

Käfigtauchen in Kapstadt

Gleich am Folgetag ging es wieder raus zu den großen Weißen. Diesmal von Simon’s Town aus mit den Shark Explorers, die sich auf das Haitauchen in der Region um Kapstadt spezialisiert haben und mit denen ich später am Tag auch noch zwei spektakuläre Tauchgänge in der False Bay unternehmen sollte. Bei Sonnenaufgang verließen wir den Hafen und erreichten nach kurzer Zeit und bei starkem Wellengang Seal Island. Wie der Name schon sagt ist die Insel über und über bevölkert von Pelzrobben und bevor man sie sehen kann, riecht man sie schon. Diese Robben sind auch der Grund für die große Anzahl an weißen Haien in der False Bay und fungieren wie eine Art Open-Air All-you-can-eat-Buffet. Das Prozedere ist ähnlich wie in Gaansbai und auch hier war nach einigen Minuten der erste Hai da und wir im Käfig. Die Sichtweite ist leider auch in der False Bay schlecht, doch die Haibegegnungen nicht minder beeindruckend. Mehrere weiße Haie (andere Haiarten kommen auch hier nicht vor, da sie Beute der großen Weißen wären) besuchten an diesem Vormittag unser Boot und brachten den ein oder anderen ganz schön zum Zittern. Vor allem als völlig überraschend ein riesiges Exemplar (4, 5 Meter und mega breit) unter dem Boot hervorschoss, in die Kamera der Shark Explorers biss und mit seiner Schwanzflosse an die Seite des Boots klatschte, so dass dieses gehörig in’s Wanken geriet.

Da kommt der nächste…

Da das Wasser auch in der False Bay ziemlich kalt ist, war ich der einzige, der beim zweiten Durchgang noch mal in’s Wasser wollte und hatte so den kompletten Käfig und auch mehrere neugierige Haie für mich alleine. Die meisten verfrorenen Gäste zogen es vor, die Tiere vom Sonnendeck des Bootes an der Wasserfläche zu beobachten, wo im Vergleich zu Gaansbai an diesem Tag etwas weniger Action herrschte. Nichtsdestotrotz hat sich auch in der False Bay das frühe Aufstehen und das Frieren gelohnt und die Begegnungen mit den faszinierenden Raubfischen standen denen in Gaansbai in nichts nach. Auch die Shark Explorers setzen sich aktiv für den Haischutz ein und versuchen die Reputation dieser missverstandenen Tiere durch ihre Ausfahrten und Aktionen zu verbessern.

Nicht nur bei Haien, auch bei Surfern steht die False Bay hoch im Kurs und bei einem Hubschrauberrundflug kann man sehr gut die Surfer und die nur ein paar hundert Meter hinter ihnen patrouillierenden weißen Haie sehen. Es gibt Shark-Spotter an den Stränden, die Ausschau halten nach Haien und die Badegäste und Surfer dementsprechend warnen, doch letztendlich geht jeder auf eigene Verantwortung in’s Wasser. Faszinierend ist, dass sich trotz der ganzen immer wieder durch die Medien verursachte Panikmache, die Haiunfälle auch hier absolut in Grenzen halten und das obwohl es an den Stränden nur so wimmelt von Menschen im Wasser, was wieder mal beweist: Haie sind keine Menschenfresser und wenn es doch mal zu einem Haiangriff kommt so ist das in der Regel ein Unfall und bei täglich millionenfachem Aufeinandertreffen von Haien und Menschen im Wasser passiert doch überraschend wenig.

Vom Aussterben bedroht

Für mich ging ein Lebenstraum in Erfüllung einem weißen Hai so nahe kommen zu dürfen und sehen zu können, wie diese majästätischen Tiere ihre Beute jagen und anmutig durch’s Wasser gleiten. Seit Millionen von Jahren standen weiße Haie an der Spitze der Nahrungskette im Ozean bis ein viel gefährlicheres Tier auf den Plan trat und die Haie erbarmungslos jagte: Der Mensch! Leider wurden weiße Haie über die letzten Jahrzehnte, wie so viele andere Haiarten, an den Rand der Ausrottung gebracht und man geht weltweit von nur noch ein paar tausend Exemplaren aus. Großen Schaden angerichtet hat der in den 70er Jahren erschienene Film “Der weiße Hai”, der das Bild von Haien als blutrünstige Bestien bis heute geprägt hat und so lange Jahre kein Interesse der Öffentlichkeit zum Schutz der Tiere bestand.

Es ist höchste Zeit dass ein Umdenken stattfindet und die Haie als das gesehen werden was sie sind, ein extrem wichtiger Bestandteil des Ökosystems Meer und maßgeblich verantwortlich zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts. Während unserer Lebensspanne könnten diese majestätischen Tiere, die schon zur Zeit der Dinosaurier die Meere des Planeten beherrschten, für immer verschwinden, wenn wir dem Raubbau an unseren Ozeanen nicht Einhalt gebieten. Wer in Südafrika ist sollte sich die Chance nicht nehmen lassen den Tieren zu begegnen und damit dafür zu sorgen dass die Tiere lebendig viel mehr Wert sind als tot. Doch auch zu Hause gibt es viele Kleinigkeiten, auf die man achten kann um zum Schutz unserer Ozeane und Umwelt beizutragen, Infos dazu findet ihr hier: Vom Aussterben der Arten

 

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