Hobbiton – Highlight oder Humbug?

Hobbiton – Highlight oder Humbug?

Hobbiton und das Auenland, ein verwunschenes Örtchen am Ende der Welt in welchem die größte Fantasygeschichte aller Zeiten begann. Neuseeland wäre in unseren Breitengraden wohl niemals so populär geworden wie es heute ist ohne die “Herr der Ringe” Trilogie. So ist es nicht verwunderlich, dass die Filme  (über 15 Jahre nach Erscheinen des ersten Teils) immer noch eines der besten Argumente sind um die Schönheit und Einzigartigkeit Neuseelands zu vermarkten. Schon am Flughafen in Auckland wird man von riesigen Zwergen (einer Leihgabe aus Mittelerde) empfangen und zumindest ein Drehort steht nahezu bei jedem Reisenden auf dem Plan: Hobbiton

Neuseeland und der Herr der Ringe

Die “Herr Der Ringe” Trilogie (ausgezeichnet mit 17 Oscars) wurde ausschließlich in Neuseeland gedreht, wobei die Drehorte über das ganze Land und Nord- und Südinsel verteilt sind. Die Studioaufnahmen fanden hauptsächlich in Wellington, der Hauptstadt Neuseelands statt. Die beeindruckenden Landschaftsaufnahmen, angefangen vom saftig grünen Auenland, über die schneebedeckten Gipfel des Nebelgebirges, die Undurchdringlichkeit des Fangorn Waldes bis zu den lebensfeindlichen Steppen Mordors zogen Millionen von Zuschauer in ihren Bann und brachten Neuseeland auf Platz eins unzähliger Bucket-Lists. Der Tourismus Industrie hätte nichts besseres passieren können als der wohl erfolgreichste Werbefilm aller Zeiten.

Irgendwo auf der Südinsel

Fast 10 Jahre nach erscheinen des dritten Teils wurde der Neuseeland-Hype mit dem “Hobbit” 2012 erneut angefacht. Denn natürlich lag nichts näher, als auch den nächsten Streich von Peter Jackson wieder in Neuseeland zu drehen.

Hobbiton

Auf den Spuren der Hobbits, Elben und Zwerge

Schnell entdeckten Reiseanbieter diese Chance für sich und bieten bis heute Touren zu einigen Drehorten der Trilogie und inzwischen auch den Hobbit filmen an. Ist bestimmt spaßig zusammen mit einer Horde verkleideter Nerds eingepfercht in einem Van stundenlang durch’s Land zu kurven um dann an den Originalschauplätzen die dort gefilmten Szenen nachzuspielen. Geht allerdings auch anders.

Wenn man ein bischen recherchiert kann man auch selbst und auf eigene Faust jede Menge Drehorte entdecken und in der in Neuseeland unerlässlichen App Camper Mate sind auch viele Spots markiert und bewertet. An vielen Orten muss man allerdings schon großer Fan der Filme sein um wirklich die Verbindung herstellen zu können, da die Schauplätze sich in den letzten 15 Jahren natürlich auch teilweise verändert haben und oftmals auch nicht sooo spektakulär sind.

Hier wurde Aragorn nach dem Kampf mit den Orks und seinem Absturz angespült

Was allerdings definitiv spektakulär ist, ist der Blick auf den Schicksalsberg von Mordor und da dieser in der wunderschönen Landschaft des Tongariro Nationalparks liegt, ist eine Wanderung in seiner Umgebung ohnehin obligatorisch.

Tongariro Nationalpark und Blick auf den Schicksalsberg

Etwas “Herr der Ringe” Flair ist auch noch im Kaitoke Nationalpark im Süden der Nordinsel spürbar. Dort liegt Rivendell, besser bekannt als Bruchtal. Selbstverständlich braucht es auch dort eine Menge Vorstellungskraft um die bezaubernde Elbenstadt vor dem inneren Auge auferstehen zu lassen. Zumindest gibt es einige Tafeln, die erklären, wo was stand und wo man hinschauen muss um Parallelen zum Film festzustellen.

Der Rest von Bruchtal

Aber natürlich ist nirgendwo in Neuseeland Mittelerde so lebendig wie in Hobbiton und so fehlt dieser Ort in kaum einem Neuseeland-Reiseplan. Aber lohnt sich ein Besuch von Hobbiton wirklich oder sollte man sich Zeit und Geld besser sparen?

Eine Tour durch Hobbiton

Das Hobbiton Movie Set liegt in der Nähe von Matamata auf Neuseelands Nordinsel innerhalb der immer noch bewirtschafteten Farm der Alexander Familie und ist ein mega Business. Tickets kann man im Vorfeld über die Homepage von Hobbiton buchen, was ich in der Hochsaison auf jeden Fall empfehlen würde, oder zur Not auch vor Ort kaufen.

Hobbiton

Es gibt zwei Abfahrtsorte für die Hobbiton Touren. Das i-Site in der Stadt Matamata oder das Shire’s Rest direkt am Movie Set, wo ausreichend Parkplätze selbst für die vielen Campervans bereitstehen. Unsere Tour startete direkt vor Ort und es war trotz des großen Andrangs alles bestens organisiert. Zu unserer Reisezeit Anfang Februar startete in Hobbiton alle 10-15 Minuten eine Tour. Als ich das sah, schwante mir nichts Gutes und ich dachte an lärmende Touristenhorden die sich durch’s Auenland schoben.

Man beachte die Abfahrtszeiten…

Mit dem Bus geht es pünktlich los auf die Farm und ein Vorwort von Peter Jackson bereitet die Besucher auf die Tour vor. Einer der interessantesten Fakten ist wohl, dass Hobbiton nach den Dreharbeiten der “Herr der Ringe” Filme wieder abgebaut wurde und man erst im Nachhinein das Potential dieses Ortes für den Tourismus entdeckte. So wurde entschieden, nach den Dreharbeiten zu “Der Hobbit”, das kleine Dörfchen im Auenland stehen zu lassen und für Besucher zu öffnen.

Das Auenland

Ein bezauberndes Gefühl unter der majestätischen Filmmusik von Howard Shore ins Auenland einzufahren, das bei mir als “Herr der Ringe” Fan auf jeden Fall eine dicke Gänsehaut auslöste. Auch wenn es mit dem Reisebus leider nicht ganz so stilecht ist wie bei Gandalf mit der Kutsche.

Dem Guide hinterher und mit Kamera im Anschlag geht es dann durch das Set und neben all den “Aahhhs” und “Ohhhs” beim Anblick der Hobbithöhlen und Filmschauplätze sind es echt interessante Anekdoten von den Dreharbeiten die man zu hören bekommt. Entgegen meiner Befürchtung war das Filmset nicht völlig überlaufen, sondern die Touren so organisiert, dass man nie gleichauf mit einer anderen Gruppe war und jeder genug Zeit hatte seine Fotos von den putzigen Häuschen zu schießen.

Das Haus von Samwise Gamgee

Super beeindruckend, mit welcher Detailverliebtheit hier ein kleines Dorf geschaffen und bis heute von den Hobbiton Mitarbeitern bewirtschaftet wird. So werden zum Beispiel jeden Morgen die Kamine angezündet um die Schornsteine rauchen zu lassen. Die Gärten vor den Häuschen werden bepflanzt und selbst die Wäsche auf den Leinen wird von Zeit zu Zeit ausgetauscht.

Hobbiton

Wir durften auch einen Blick in eine der Höhlen werfen. Da allerdings die Szenen die im inneren spielen im Studio gedreht wurden, gibt es dort nicht viel zu sehen. Interessanter war da schon die Inneneinrichtung des grünen Drachen, der Schenke von Hobbiton. Hier endete die interessante und kurzweilige Tour und man durfte bei einem inkludierten Drink (z.B. einem halben Liter lecker Cider…morgens um 9:30!!!) auf den Besuch anstoßen, stilecht am Kaminfeuer sitzen oder einfach den tollen Ausblick auf Hobbiton genießen.

Vorm grünen Drachen

Hobbiton – Highlight oder Humbug

Unser Besuch von Hobbiton war mit nicht allzu großen Erwartungen verknüpft, da wir bei der Popularität des Ortes und der Vielzahl der Touren eher an Touristenhorden und Ausverkauf als an die Idylle des Auenlandes dachten. Wir wurden allerdings eines besseren belehrt.

Hobbiton

Auf Grund der guten Organisation und des tollen Guides, hatten wir eine superschöne Tour und haben jede Minute in Hobbiton genossen. Zugegeben ist die Tour mit 84 $ pro Erwachsenen nicht ganz billig, hat sich für uns aber absolut gelohnt. Natürlich läuft hier eine Industrie auf Hochtouren, aber wenn man vor vielen Jahren die Filme im Kino gesehen hat und nun selbst auf den Spuren der Hobbits durch’s Auenland läuft, umweht einen schon noch ein Hauch Magie und die Mitarbeiter des Movie Sets tun alles dafür, diese Magie auch weiterhin zu erhalten.

Hobbiton? Highlight!

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