Eriyadu – Back to paradise!

Eriyadu – Back to paradise!

Meer riecht nach Freiheit, nach Unbändigkeit, nach Abenteuer. Einmal diesen Duft gerochen, zieht es mich immer wieder zurück.
Das leichte Gefühl der Anspannung, nicht genau zu wissen, was auf mich zukommt, kurz bevor man in’s Wasser springt und abtaucht in die Ungewissheit. Diese Anspannung, die von einem abfällt, sobald man zurück in’s Boot steigt. Zu wissen, das man für kurze Zeit Teil dieser Wunderwelt war. Alle anderen Lebewesen betrachten dich als ein weiteres großes Tier mit Flossen, nur du selbst weißt, dass du hier eigentlich nur Gast bist. Irgendwie ist Tauchen für mich eines der letzten großen Abenteuer. Man weiß nie genau, was auf einen zu kommt, 60 Minuten in denen alles passieren kann, oder nichts. Ein Spiel mit der Gefahr beim Eintauchen in ein lebensfeindliches Element, dass dir sprichwörtlich den Atem rauben kann, wenn du nicht aufpasst. Das Gefühl nach jedem Tauchgang, dieses Element bezwungen zu haben, mich in Reichweite der kuriosesten Unterwasserwesen aufgehalten zu haben, Strömung, schlechte Sichtverhälnisse, Ausrüstungsprobleme, und schlechte Tauchpartner überstanden zu haben, lässt mich jedes mal auf’s neue zum Abenteurer werden.

 Aber das alles wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich. Beeinflusst von den Erlebnissen beim Schnorcheln auf Embudu drängte ich darauf einen Tauchschein zu machen und noch mal auf die Malediven zurückzukehren um die Unterwasserwelt wirklich richtig entdecken zu können. Eigentlich wollte ja nur ich Tauchen lernen, aber bei meiner Anmeldung wurde Nadine gleich mit überredet und meldete sich ebenfalls für den Kurs an. Ist ja auch irgendwie blöd, wenn einer im Urlaub immer Tauchen ist und der andere alleine am Strand rumhängt. Nein, wir wollten schon weiterhin zusammen Urlaub machen.

Der SSI Open Water Diver gestaltete sich für mich recht einfach, ich war unter Wasser einfach in meinem Element und konnte es nicht erwarten den Übungspool gegen offene Gewässer einzutauschen. Bei Nadine gestaltete sich die Lage etwas anders. Nach insgesamt zwei Kursen im Übungspool und vielen Tränen packte aber auch sie die Prüfung in der Brühe des Streitköpflesees und unseren Abenteuern in der Unterwasserwelt stand nichts mehr im Wege. Dachten wir…..

Ein vielversprechender Anblick

Wir flogen also im September 2009 erneut nach Hulule, wurden wieder mit einem kleinen Speedboot abgeholt und erreichten Eriyadu im Nord Male Atoll. Da die Standardbungalows sich in einem zweistöckigen Gebäude befanden und so kaum das echte Malediven-Flair, im eigenen Bungalow direkt am Strand, aufkommt, bezogen wir diesmal einen Superior-Bungalow.

Wie im Vorjahr waren wir wieder in der Regenzeit unterwegs. Auf Embudu hatten wir davon nichts gemerkt und der Preis war natürlich besser als in der Hauptsaison. Als wir jedoch auf Eriyadu ankamen regnete es. Und am Folgetag, regnete es. Und am nächsten Tag, ebenfalls. Ich ließ mich natürlich dennoch nicht davon abhalten gleich mal mit Flossen und Schnorchel ans Außenriff zu paddeln,  aber ohne Sonne ist es eben einfach nicht so schön.

Naja, die Sonne kam zurück und die Lagune leuchtete wieder im liebgewonnenen türkis. Wie auf Embudu war diese ebenfalls von einem vielgelobten Riff umgeben und wir freuten uns darauf dieses und einige mehr in den nächsten Tagen zu erkunden.

Als die Sonne wieder zurückkehrte meldeten wir uns auch endlich an der Tauchbasis an. Wir hatten zehn Tauchgänge vorgebucht, die wir in den zwei Wochen Aufenthalt abtauchen wollten. Zufällig war der Tauchbasenleiter ebenfalls aus Frankfurt und kannte unsere dortigen Tauchlehrer sehr gut. So klein ist die Welt.

Hausriff Eriyadu

Der erste Tauchgang sollte ein kurzer Check, gefolgt von gemütlichem Tümpeln am Riff sein. Für mich toll, für Nadine? Naja, sie hat’s gepackt. Daraufhin schlug uns der Guide Sven (ohne den Nadine heute sicherlich nicht mehr tauchen würde) vor doch für Nachmittag gleich mit auf’s Boot zu kommen und unseren ersten richtigen Freiwassertauchgang vom Boot aus zu unternehmen. Ich war sofort Feuer und Flamme und nach etwas Überzeugungsarbeit war Nadine ebenfalls dabei.

Wir fuhren bei strahlendem Sonnenschein auf einem relativ vollen Tauchboot raus. Die übrigen Taucher würden mit zwei Guides tauchen, wir alleine mit Sven. Am Tauchplatz angekommen hatte das Wetter gedreht und wir befanden uns direkt in einem Gewitter. Der Wellengang nahm stetig zu und schaukelte uns ordentlich durch und der Regen wurde vom Wind seitlich in’s Boot reingepeitscht. Apokalypse! “Alle schnell schnell in’s Wasser” hieß es. Bei derartig hohem Wellengang, mit den Flaschen am Rücken ist die Unfallgefahr nicht zu unterschätzen. Also alle rein, wir als letztes. Im Wasser angekommen ein Blick durch die Maske von N. nach unten, gefolgt von der Entscheidung: “Ich tauch’ hier nicht ab”. Aber das ließ Sven nicht gelten, er scheuchte sie noch  mal zurück auf’s Boot und sie musste erneut rein springen.

Am Hausriff

Und dann… tauchten wir ab. Nadine schön hänchenhaltend mit Sven, ich daneben ging’s ca. 10 Meter runter auf ein Plateau, das von den Wellen ordentlich in Bewegung gebracht wurde. Die Wogen zogen uns vor und zurück. Wir schossen mehrere Meter nach vorne, Sven hielt sich und Nadine fest und ich schoss wieder zurück und paddelte wie verrückt. So ging das einige Minuten, bis wir das Riff erreichten und über das Plateu nach unten tauchten. Hier erfasste uns dann eine ordentliche Strömung und unser erster unfreiwilliger Drift-Tauchgang begann und nahm dann auch ein relativ schnelles Ende, da wir, vor lauter Aufregung, die Flaschen natürlich in Rekordzeit leer genuckelt hatten. Zurück auf dem Boot waren wir froh diese Odysee überlebt zu haben. Ich war begeistert. Naturgewalten, Blauwasser, riesige Schwärme Füssiliere, juhuuu wir tauchen….. Nadine war da eher etwas zurückhaltender 😉

Nichtsdestotrotz entschlossen wir uns weiter zu machen und auch noch den “Advanced Open Water Diver” bei Sven zu machen. Der “Advanced” baut auf die vorherige Ausbildung auf und man lernt einfach noch etwas besser unter Wasser klar zu kommen (Tarierung, Navigation, Tieftauchen). Zudem gibt es auf den Malediven “strictly advanced”-Boote, die ebendiese Ausbildung oder eine höhere Anzahl Tauchgänge vorraussetzen und dann natürlich oftmals die interessanteren Tauchplätze ansteuern. Während dieser Ausbildung unternahmen wir mehrere  sehr schöne Tauchgänge am Hausriff und natürlich auch an diversen anderen Riffen vom Boot aus. Aber dazu HIER mehr.

Kurz vor Ende unseres Urlaubs konnten wir sowohl die praktische, als auch die theoretische Prüfung ablegen und bestehen und durften als letztes Highlight den berühmtesten Tauchplatz des Nord Male Atolls betauchen. Finger Point! Strömung, Haie, Adlerrochen, Barrakudas, kurz gesagt: Geil!

Aber auch abseits vom Tauchen genossen wir unseren Aufenthalt auf Eriyadu in vollen Zügen, wie Embudu ist auch Eriyadu eine noch relativ naturbelassene Insel. Ein paar Bungalows, ein Restaurant, eine Bar, und mehr braucht man auch nicht.

“Unser Strand”

Ich finde es sehr schade, was aus vielen dieser ehemals wunderschönen Eilande geworden ist. Zubetonierte Flächen, ein Süßwasserpool direkt vor der wunderschönen Lagune, für welchen mit sehr hohem Energieaufwand Meerwasser entsalzt werden muss. Sport- oder Tennisplätze, ausufernde Spa-Bereiche und und und. Klar man versucht zahlungskräftige Kundschaft anzuziehen, aber zu welchem Preis? Ich weiß nicht wie sich die Lage aktuell entwickelt hat, aber ich hoffe, dass es diese ursprünglichen “Taucher-Inseln” immer noch gibt.

Wo Sonne ist sind auch Schatten und auch in Paradiesen wie den Malediven sind diese deutlich erkennbar. Abgesehen von der Diskussion, ob die Inseln auf Grund des steigenden Meeresspiegels versinken werden, gibt es sowohl reichlich gesellschaftliche als auch Umweltprobleme. Auf vielen der Resortinseln arbeiten billige Arbeitskräfte aus Indien und Sri Lanka und die Maledivier auf den vielen Einheimischeninseln profitieren nach wie vor nur in Einzelfällen vom Tourismus. Viele suchen ihr Glück in der kleinsten Hauptstadt der Welt Male’, welche inzwischen aus allen Nähten platzt, komplett bebaut ist und nur noch nach oben wachsen kann. Neben der künstlich aufgeschütteten Insel, auf welcher sich der Flughafen Hulule befindet, gibt es noch eine weitere künstliche Insel in der Nähe von Male’. Thilafushi, ursprünglich nur eine Lagune wird seit 1992 dort der Müll der Malediven deponiert wodurch eine weitere Insel entstand, auf welcher sich inzwischen einiges an Industrie angesiedelt hat. Da jede Shampooflasche hier quasi im Meer landet, sollte man seinen mitgebrachten Müll einfach wieder mit nach Hause nehmen.

Trotz einiger politischer Irritationen in der Vergangenheit macht die politische Führung der Malediven immer wieder deutlich, dass Sie um die Besonderheit ihrer Paradiesinseln im indischen Ozean weiß und diese erhalten und nicht nur Ausbeuten möchte, wie es leider an zu vielen Ecken der Welt der Fall ist. Dies lässt hoffen, dass es auch in Zukunft noch möglich sein wird, diesen speziellen Spirit zu fühlen, wenn man eine der kleinen Inseln in der Weite des in allen Blautönen schimmernden Ozeans betritt und die überwältigende Tierwelt an den Riffen der Malediven hoffentlich noch lange erhalten bleibt.

Reisezeitraum: September 2009

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