Die Walhaie von Donsol

Die Walhaie von Donsol

Bei Gesprächen unter Tauchern oder begeisterten Schnorchlern kommt unweigerlich irgendwann die Frage ob man schon mal einem dieser faszinierenden Tiere begegnet ist. Und wenn ja, dann wo und wie war das und überhaupt? Die Rede ist vom größten Fisch der Erde, dem Walhai.

Wir sind ihnen begegnet, hautnah sozusagen, und wollen hier unser Erlebnis schildern für alle die ebenfalls auf der Suche sind.

Ein ausgewachsener Walhai kann bis zu 14 Meter lang werden und 12 Tonnen auf die Wage bringen. Von den Ausmaßen also in etwa vergleichbar mit einem mehrachsigen Stadtbus durchstreifen diese friedlichen Giganten die tropischen Meere auf der Suche nach den besten “Plankton-Hotspots”. Sie ernähren sich neben kleineren Fischen und Kalmaren hauptsächlich von den Kleinstlebewesen und stellen somit auch keinerlei Gefahr für den Menschen dar. Trotz ihrer Friedfertigkeit und bereits diverser Schutzmaßnahmen sind Walhaie vom Aussterben bedroht. Die Verschmutzung der Meere, der starke Bootsverkehr in manchen Regionen, Überfischung und letztlich die in Asien immer noch sehr beliebten Haiflossen gefährden die Bestände stark. Wenn hier nicht langfristig die richtigen Schutzmaßnahmen greifen, wird ein Tier aussterben, von dem selbst Wissenschaftler bis heute so gut wie nichts wissen.

Diesen Tieren wollten wir begegnen. In der freien Wildbahn selbstverständlich. Es gibt einige Meeresgebiete in welchen man zu bestimmten Zeiten große Chancen hat auf Walhaie zu treffen. Das Ari-Atoll der Malediven ist zur richtigen Zeit ein Hotspot, ebenso die Seychellen, die Ostküste Mexikos, die Galapagos Inseln, Mozambique, West-Australien, die Südsee, ja sogar in Thailand sind hin und wieder Walhaie anzutreffen. Aber mit hin und wieder wollten wir uns nicht zufrieden geben, wir wollten Walhaie sehen.

So machten wir uns im Februar 2011 auf den Weg auf die Philippinen zu den Walhaien von Donsol. Donsol gilt laut WWF zur richtigen Zeit als bester Spot weltweit um Walhaie zu sichten. Die Wahrscheinlichkeit ihnen zu begegnen liegt bei nahezu 100%. Bis 1998 wurden die Tiere dort gejagt und mit relativ brutalen Methoden an Land gebracht. Das Fleisch wurde gegessen und die Flossen wurden zermahlen und als Potenzmittel verkauft. Glücklicherweise hat man inzwischen erkannt, dass sich mit den lebenden Tieren viel mehr Geld verdienen lässt und sie auf den Phillipinen unter Schutz gestellt.

Mit einer Zwischenübernachtung in Manila, der Hauptstadt der Philippinen, flogen wir am Folgetag weiter nach Legazpi, welches sich ebenfalls auf der Hauptinsel Luzon befindet. Von Legazpi aus erreicht man nach etwa zwei bis drei Stunden Autofahrt den kleinen Ort Donsol. Man wird sofort auf die kommenden Tage eingestimmt: “Welcome to Donsol – Whaleshark Capitol of the world” grüßt das Ortsschild. Der ganze Ort hat sich auf die dort “Butanding” genannten Riesenfische eingestellt, selbst die Schule ist mit Walhaien bemalt. Als wir in unserer sehr netten Unterkunft Elysia Beach Resort ankommen frage ich die Mitarbeiterin die uns willkommen heißt ob denn dieses Jahr schon Walhaie gesichtet wurden. “Yes, lots off” meint sie und beruhigt damit etwas meine Angst doch keinen zu Gesicht zu bekommen.

Am nächsten Morgen machten wir uns auf zum Whaleshark Visitors Center, was nur ca. 5 Minuten Fussmarsch entfernt liegt. Hier ist jeder Besucher verpflichtet sich ein Video anzusehen, wie man sich in Gegenwart der Tiere richtig verhält um diese möglichst wenig zu stören. Leider ist die Umsetzung im Wasser nicht ganz so konsequent. Anschließend wurden die Boote eingeteilt, wie üblich auf den Philippinen kleine Auslegerboote die ebenfalls zum Fischen genutzt werden. Wir waren zu viert plus Crew und Guide.

Dann konnte die Suche los gehen. Am Mast stehend hielt ein Crewmitglied Ausschau nach den grauen Schatten. Ich saß schon ganz aufgeregt fix und fertig mit Flossen und Maske am Bootsrand, wenn taucht endlich der erste auf? “Relax, we will find them” meint unser Guide. Und tatsächlich, nach ca. 30 Minuten ist er da, der erste Walhai. Ich kann’s kaum glauben. Leider ist bereits ein Boot in seiner Nähe (normalerweise ist nur ein Boot pro Hai erlaubt), nichtsdestotrotz steigen auch wir in’s Wasser und paddeln in Richtung des Hais. Die Sicht ist ziemlich schlecht, maximal ein paar Meter. Ich sehe nichts außer grüner Brühe, drehe mich um die eigene Achse und habe direkt vor mir plötzlich eine graue Wand. Das ist der Walhai! Gemächlich zieht er an mir vorbei. Ich muss mich in Acht nehmen, um nicht von der riesigen Schwanzflosse erwischt zu werden. Wir versuchen mitzuhalten, da ich aber leider unsere Schnorchel in all der Aufregung auf der falschen Seite montiert habe kommt da mehr Wasser als Luft durch und der Walhai ist wieder weg.

Zurück auf dem Boot geht die Suche weiter und es dauert nicht lange bis der nächste Hai gefunden ist. Wieder ab in’s Wasser. Die hohe Planktondichte hier ist Fluch wie Segen. Zum einen ist dadurch die Sicht extrem schlecht und es nesselt ständig irgendwo auf der Haut, zum andern zieht sie natürlich die Ozeanriesen an. Diesmal mit Schnorchel auf der richtigen Seite können wir einige Zeit mit dem Walhai mithalten. Das Maul weit aufgerissen zieht er unermüdlich riesige Mengen Wasser (bis zu 6000 l/h) ein und stößt sie durch die Kiemen wieder aus. Das Plankton bleibt dabei an den Hautzähnchen im Rachen vor den Kiemen hängen. Es ist abolut überwältigend diesen einzigartigen Lebewesen so nahe sein zu dürfen. Teilweise nur auf Armlänge entfernt paddeln wir neben dem “busgroßen” Hai her, der Versuchung wiederstehend einfach mal die Hand auszustrecken und ihn zu berühren. Auf Grund der schlechten Sicht und der Größe der Tiere bleibt es uns leider nicht vergönnt die Walhaie ganz zu sehen. Ich versuche trotzdem ein paar akzeptable Fotos und Videos hinzubekommen, wie irre paddelnd, immer wieder der Schwanzflosse ausweichend, die mir gefährlich nahe kommt. Obwohl es so aussieht als ob sich die Tiere ganz gemächlich bewegen sind sie doch verdammt schnell. Nach einiger Zeit taucht der Walhai ab und wir auf. Zurück auf’s Boot und auf zum nächsten!

Am Auge des Walhais

Wir sehen in ca. drei Stunden in der Bucht von Donsol zwölf (!) Walhaie, wobei unser Guide meint, das es wohl sieben bis acht verschiedene Tiere waren und der ein oder andere doppelt aufgetaucht ist. Ein absolut einzigartiges Erlebnis, dass wir bei hoffentlich besserer Sicht unbedingt noch mal wiederholen müssen.

Zurück am Visitor Center kann man sich natürlich mit Souveniers eindecken, wobei hier die Touriabzocke noch nicht entdeckt wurde. Wir kaufen zwei Ketten mit geschnitzten Wahlhaien für zusammen ca. drei Euro und ein T-Shirt für ebenfalls drei Euro. Auch die Walhaitour war  nicht wirklich teuer (genauen Preis weiß leider nicht mehr), wobei wir diese sogar bei einem deutschen Veranstalter (Wecki-Reisen) vorgebucht hatten und vor Ort sicherlich noch günstiger weg gekommen wären. Ebenso hatten wir mit viel mehr Touristen gerechnet, aber dieses entlegene Walhai-Paradies war 2011 wohl noch nicht wirklich vielen Leuten ein Begriff und so waren es vielleicht zehn Boote mit jeweils vier bis sechs Touristen, die durch die Bucht tingelten. Insgesamt denke ich das trotz einiger Idioten die die Tiere berühren wollen und mit Flossen streifen durchaus auf das Wohl der Tiere geachtet wird. Es wird versucht verantwortungsvoll mit den Tieren umzugehen, die Regeln einzuhalten um sowohl für die Tiere, als auch die vom Walhaitourismus lebenden Menschen eine langfristige “Win-Win Situation” zu erzielen. Ganz im Gegensatz zu Zielen wie Oslob (ebenfalls Philippinen) wo ohne Rücksicht auf die Tiere auf Massentourismus gesetzt wird.

Ein kleiner Ort mit einer großen Anziehungskraft. Wer weiß, eventuell dürfen wir Ihnen noch mal begegnen, den Walhaien von Donsol!

Hattet ihr ebenfalls schon Walhaibegegnungen? Wir würden uns freuen wenn ihr diese mit uns teilt.

Reisezeitraum: Februar 2011

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