Die Waldmenschen von Sumatra

Die Waldmenschen von Sumatra

Orang Utans, die einzigen in Asien lebenden Menschenaffen teilen sich mit uns 97% des Erbguts und sind damit die Tiere, die uns Menschen genetisch am nähsten sind. Diesen Tieren wollte ich in der Wildnis begegnen, solange es sie noch gibt. Möglich ist dies nur auf den Inseln Sumatra (Indonesien) und Borneo (Malaysia / Indonesien). Beide Arten unterscheiden sich etwas in Größe und Fellfärbung. Der Sumatra-Orang Utan steht auf der roten Liste der bedrohten Arten und gilt als vom Aussterben bedroht, die Borneo-Orang Utans werden als stark gefährdet eingestuft. Ich entschied mich für Sumatra und machte mich auf den beschwerlichen Weg nach Bukit Lawang, dem Tor zum Gunung Leuser Nationalpark, dem größten und einem der letzten Schutzgebiete für Orang Utans auf Sumatra.

Im indonesischen bedeutet Orang “Mensch” und Utan “Wald” und letztlich sind sie genau das, “Menschen des Waldes”. Wenn man sieht, wie neugierig und offen sie sich uns gegenüber verhalten und wie liebevoll ihr Umgang miteinander ist, kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass wir nicht allzu weit von ihnen entfernt sind. Doch fangen wir von vorne an:

In Bukit Lawang gibt es ein riesiges Angebot an Veranstaltern, die Begegnungen mit den Orang Utans im Rahmen von Jungle-Trekkings ermöglichen. Ein Vorausbuchen ist hier selbst in der Hochsaison nicht nötig und es werden verschiedene Arten von Touren angeboten. Angefangen von Halb-, über Ganztagestouren bis hin zu Sieben-Tages-Treks. Ich entschied mich für einen 2-Tages-Trek inklusive Übernachtung im Dschungel und kann rückblickend sagen, dass die Entscheidung goldrichtig war. Gebucht habe ich direkt über mein Resort, aber letztlich setzte sich die Gruppe aus Leuten aller möglichen Unterkünfte zusammen und wir starteten mit sieben Touris (tatsächlich aus sieben verschiedenen Ländern) und zwei Guides unser Dschungelabenteuer.

Gleich zu Beginn wurde deutlich, dass das hier nichts für “Warmduscher” ist. Bei gefühlt 1000%iger Luftfeuchtigkeit und extremer Hitze krochen und kletterten wir den ersten von vielen Hängen im bergigen Teil des Gunung Leuser Nationalparks nach oben. Ein kleiner Vorgeschmack, was uns noch erwarten würde, es sollte nicht einfacher werden! Lange dauerte es nicht, bis wir auf die erste andere Gruppe trafen die ebenfalls auf der Suche nach den Menschenaffen war und dann die nächste und die nächste und so weiter. Man hatte den Eindruck, dass die Anzahl der Touristen im Wald die der Affen bei weitem übertraf. So war es dann auch nicht verwunderlich, dass wir bei der ersten Orang Utan Begegnung nicht alleine, sondern zusammen mit bestimmt 40 anderen auf der Jagd nach dem besten Foto waren. Die Orang Utans ließen sich von den bergabschlitternden weißen bekleideten Affen wenig beeindrucken und sahen aus den Baumwipfeln kurz auf uns herab, nur um gleich wieder den Standort zu wechseln, sobald die fotografierende Meute unter ihnen Aufstellung genommen hatte. Damit ging dann das hoch- und runterschlittern erneut los und wir entschieden uns unseren Weg fortzusetzen, in der Hoffnung noch auf weitere dieser schönen Tiere zu treffen.

Sumatra Orang Utans

Die Touristengruppen wurden nach kurzer Zeit immer weniger, je tiefer wir in den urwüchsigen Regenwald vordrangen. Die große Touridichte in den Randbereichen des Waldes ist darauf zurückzuführen, dass alle Halb- und Eintagestouren sich natürlich nur in diesem aufhalten und hier in der Hochsaison, die gerade läuft, schon einiges los ist. Es dauerte glücklicherweise nicht lange, bis unser Guide weitere Orang Utans entdeckte und wir uns den Tieren vorsichtig näherten. Es ist erstaunlich, mit welcher Gelassenheit die Menschenaffen auf unsere Gegenwart reagierten. Dieses mal nur wenige Meter hoch, ließen sie uns bis auf zwei, drei Meter heran und kauten gemütlich weiter auf ihrem Ast. Die Entspanntheit uns Menschen gegenüber resultiert aus der Tatsache dass die am Waldrand lebenden Affen natürlich Begegnungen mit Menschen gewohnt sind und einige sogar von einer hier liegenden Auffangstation “ausgewildert” wurden. Umso weiter man in den Dschungel vordringt, umso scheuer werden die Tiere. Nichtsdestotrotz sind die Begegnungen nicht weniger intensiv. Es ist ein wunderbares Gefühl, diesen uns so nahen und doch durch uns an den Rande der Ausrottung gebrachten Lebewesesn so nah zu kommen und in die Augen sehen zu können. Wir konnten beobachten wie Jungtiere in den Baumwipfeln spielten und von Ast zu Ast hangelten und wie liebevoll sich eine Mutter ihr Baby kümmerte, dass sie vor sich hertrug. Wir sahen ihre Nester in den Bäumen und wurden misstrauisch von einem gerade darin relaxenden Männchen beäugt und wir wurden von ihnen verjagt, wenn sie der Meinung waren, wir sind zu nahe gekommen. Und letzendlich wurden wir sogar noch von ihnen besucht nachdem wir unser Nachtlager an einem Fluss aufgeschlagen hatten. Nur eine Armeslänge entfernt lief ein ausgewachsenes Weibchen, ihr Baby vor sich hertragend, an mir vorbei. Eine wirklich intensive Begegnung, die ich sicherlich nicht vergessen werde.

Sumatra Orang Utans

Bis wir unser Nachtlager erreichten hatten wir allerdings einen wirklich schweißtreibenden Marsch hinter uns zu bringen. Berg  rauf, Berg runter, Berg rauf usw. Ich hab’ noch nie in meinem Leben so brutal geschwitzt. Doch jeder vergossene Tropfen hat sich gelohnt. Alleine schon der Orang Utans wegen! Doch nicht nur die Orang Utans konnten uns begeistern. Wir trafen ebenfalls auf “Thomas Leave-Monkeys”, schwarze Gibbons und natürlich die hier allgegenwärtigen Makaken. Und letztlich war der Regenwald selbst auch ein Highlight. Durch den hier nahezu täglich fallenden Regen (deswegen wird er wohl Regenwald genannt…) ist die Vegegtation sehr dicht. Überall wächst und gedeiht etwas. Auf jedem Ast, jedem Stein, an jeder Liane wachsen weitere Pflanzen. Kleine Wasserläufe durchziehen den Wald und bereichern mit ihrem Plätschern die allgegenwärtigen tausenden stimmen des Dschungels, die uns auch durch die Nacht begleiteten.

Thomas Leave Monkey

Nach dem schweißtreibenden Marsch sprangen wir begeistert in den grün leuchtenden Fluss, an dem sich unser Nachtlager befand und konnten uns am nächsten Morgen unter einem nahe gelegenen Wasserfall den Schlaf aus den Augen waschen lassen, bevor wir uns an zusammengebundenen “Tubes” auf einen wilden Ritt durch den Fluss zurück nach Bukit Lawang begaben. Ein Dschungelabenteuer wie es im Buche steht und jeden Cent wert. Intensive Tierbegegnungen, eine anspruchsvolle Trekkingroute und eine ordentliche Protion Action verlangten uns alles ab. Wir kamen alle mit einem breiten Lächeln zurück in die Zivilisation und mit dem Wissen etwas ganz besonderes erlebt zu haben.

Unsere Badestelle

Leider steht es nicht gut um unsere rothaarigen Verwandten und das Überleben der Tiere ist stark gefährdet. Hauptgrund hierfür ist die Unersättlichkeit des europäischen Marktes nach Palmöl. Jeder von euch nutzt oder konsumiert fast täglich Palmöl, da es in vielen Lebensmitteln, Reinigungsmitteln Kraftstoffen und unendlich vielen anderen Produkten verarbeitet wird. Leider werden in Indonesien und Malaysia nach wie vor unzählige Hektar Regenwald gerodet um hier Plantagen für das von uns so begehrte Palmöl anzulegen und damit den Orang Utans immer weiter Lebensraum genommen. Was man dagegen tun kann? Schwierig zu beantworten! Aber es kann nicht schaden, bewusst auf Produkte die Palmöl enthalten zu verzichten und Organisationen zu unterstützen, die sich den Schutz des Regenwaldes auf die Fahne geschrieben haben, wie beispielsweise Regenwald e.V.. Es wäre schön, wenn auch zukünftige Generationen noch die Möglichkeit hätten diesen beeindruckenden Tieren in freier Wildbahn zu begegenen!

Vielen Dank an unsere Guides Henry und Tonda für die tollen Erlebnisse und dem Jungle Inn Resort für die Organisation.

 

Wer nun noch mehr Lust auf Affen bekommen hat findet hier den Bericht über unsere Begegnung mit den Berggorillas und hier den Beitrag über unser Schimpansentracking in Uganda.

 

 

 

 

 

3 Gedanken zu „Die Waldmenschen von Sumatra

  1. Hey mein Sohn.Super Eintrag und wundweschöne Bilder.Es ist sehr interessant so einenBeitrag über diese faszinierenden Tiere des Urwaldes zu lesen.Ich freue mich schon über die nächsten Beiträge.Viel Spaß wünscht dir deine Mum

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