Die Sounds von Neuseeland

Die Sounds von Neuseeland

Das sanfte Rascheln der Blätter im Unterholz. Das Donnern von Wassermassen die sich von Bergen herabstürzen. Die Abrollgeräusche unserer Reifen auf dem makellosen Asphalt. Das gleichmäßige Rauschen der Brandung am Abend und das Zwitschern der Vögel in der Morgendämmerung. So schön sie auch sind, von all diesen Geräuschen ist in der Regel nicht die Rede wenn man in Neuseeland von Sounds spricht. Nicht nur in Norwegen gibt es Fjorde, sondern auch am anderen Ende der Welt. Dort allerdings bezeichnet man sie als Sounds. Meeresarme die sich tief ins Landesinnere ziehen und durch ihre Schönheit, Andersartigkeit und Fruchtbarkeit Anziehungspunkte sind für Mensch und Tier…

Die Sounds von Neuseeland

Als Sounds werden in Neuseeland Meeresarme bezeichnet, die ins Land hineinreichen. Insgesamt verfügt Neuseeland über 23 Sounds und alle sind auf der Südinsel. Der Großteil der Sounds befindet sich in Southland und ist entstanden durch Gletscherbewegungen, was sie entstehungsgeschichtlich zu Fjorden macht. Die Sounds an der Nordküste hingegen sind ehemalige Flusstäler die durch den gestiegenen Meeresspiegel überflutet wurden.

Die Sounds von Neuseeland

Die beiden bekanntesten Sounds von Neuseeland könnten unterschiedlicher nicht sein. Die Marlborough Sounds ganz im Norden der Südinsel locken mit geschützten Buchten, einsamen Stränden und ruhigen Gewässern. Der Milford Sound hingegen beeindruckt mit seinen schroffen, hohen und lebensfeindlich wirkenden Felswänden. Während man die Marlborough Sounds am besten bei Sonnenschein erkundet, sollte man für den Milford Sound auf richtig schlechtes Wetter hoffen. Warum das so ist, erfahrt ihr weiter unten.

Die Delfine der Marlborough Sounds

Man spricht von den Marlborough Sounds in der Mehrzahl, da es sich eng genommen um mehrere Sounds im District Marlborough ganz im Norden der Südinsel handelt. Wer in den Süden Neuseelands reist, sieht meist zumindest einen Teil dieser Sounds, denn die von der Nordinsel kommenden Fähren fahren durch den Queen Charlotte Sound um in Picton anzulanden. So bekommt man das erste Highlight der Südinsel und ein Bootstour durch die Sounds quasi fast umsonst (gut, die Fähre ist nicht ganz billig).

Die Fähre im Queen Charlotte Sound

Um noch etwas mehr von den Marlborough Sounds und ihren Bewohnern zu sehen, machen wir zwischen Kaikoura und dem Abel Tasman Nationalpark erneut halt in Picton und buchen eine Bootstour, genau genommen eine Tour (mit E-Ko Tours) um mit den Delfinen der Sounds zu Schnorcheln. Es gibt sowohl auf der Nordinsel, als auch auf der Südinsel verschiedene Anbieter für Delfin-Schnorcheltouren. Der Vorteil dies in einem Sound zu machen, ist seine geschützte Lage und das damit hoffentlich ruhigere Meer. Schnell findet sich ein sehr gemischtes Publikum auf dem komfortablen Boot ein, vom absoluten Schnorchelneuling bis zum Taucher. Nach einem ausführlichen Briefing, von welchem mir vor allem der Rat “Ihr müsst unter Wasser singen um die Delfine auf Euch aufmerksam zu machen” im Gedächtnis geblieben ist, stechen wir in See.

Auf Delfintour in den Marlborough Sounds

Die Farbenspiele der Sounds mit dem Meer von türkis bis tiefblau im Kontrast zu den Wäldern der Meeresarme können bei Sonnenschein ihre volle Leuchtkraft entfalten. Es dauert nicht lange, bis wir ein paar faule Pelzrobben und verschiedene Vogelarten entdecken. Bereits kurz darauf sichtet ein Gast mehrere Flossen. Delfine! Langsam nähern wir uns der kleinen Schule von ca. 12 Tieren um sie nicht zu verscheuchen. Es handelt sich um große Tümmler, eine von insgesamt neun Arten, auf die man in Neuseeland treffen kann. Mit ihnen ist das Schwimmen erlaubt und als sich die Tiere neugierig dem Boot nähern, hoffe ich gleich zu ihnen ins Wasser springen zu dürfen. Werde aber leider enttäuscht!

Große Tümmler

In der Gruppe befindet sich ein Jungtier und es ist in Neuseeland verboten sich Delfinen mit Nachwuchs im Wasser zu nähern. Die Verbote und Regularien für Wildtierbegegnungen werden hier, wie eigentlich überall im Land, penibel eingehalten und ein nachhaltiger Umgang mit Natur und Tierwelt nicht nur propagiert, sondern auch gelebt. Diese Tatsache und das Spiel der Delfine mit der Bugwelle des Bootes lässt die Enttäuschung etwas weniger schwer wiegen.

Großer Tümmler

Nur ein paar Minuten schippern wir weiter, bis wir einen kurzen Besuch von einigen Schwarz-Delfinen (Dusky Dolphins) bekommen, die allerdings nicht wirklich Lust auf Interaktion haben und gleich wieder verschwinden. Zu jeder Tierbegegnung gibt es ausführliche Erklärungen, welche ich Euch hier natürlich ersparen möchte, die den Trip aber um so lohnenswerter machen. Da die Tour fast täglich stattfindet, weiß der Kapitän natürlich genau wo er suchen muss und so steuern wir gezielt eine kleine Bucht an, in der wir wieder Flossen auftauchen sehen: Hector Delfine! Diese kleinste und seltenste Delfinart der Welt kommt nur hier in Neuseeland vor und natürlich ist es leider verboten mit Ihnen zu Schnorcheln. Die Delfine sind wahnsinnig quirlig und flink. Sie tauchen nur kurz auf zum Luft holen und sind sofort wieder weg, scheinen aber dennoch Spass an unserer Bewunderung zu haben und nähern sich immer wieder dem Boot. Auch von oben ganz nett anzusehen, wobei ich aber natürlich lieber im Wasser wäre. Ein paar Wochen später sollte ich ganz im Süden dann aber tatsächlich auch die Gelegenheit dazu bekommen.

Auf der Rückfahrt nach Picton werden wir erneut ein Stück von den Tümmlern begleitet, bevor wir mit leicht gemischten Gefühlen von Bord gehen. Auf der einen Seite finden wir es schade, dass wir nicht zu den Delfinen ins Wasser konnten, auf der anderen Seite befürworten wir die Einhaltung der Regeln zum Schutz der Tiere. Immerhin bekommen alle Teilnehmer einen Teil des Preises zurück, da wir eben nicht ins Wasser durften. Dieses Geld muss ich dann gleich reinvestieren in zwei Strafzettel (Parken außerhalb des markierten Parkbereichs, stehen auf einer gelben Linie) für die ich ganze 160 NZD in der örtlichen Bibliothek abdrücken darf. Ein mal gewinnt man, ein mal verliert man. So ist das im Leben und vor allem bei Tierbegegnungen in freier Wildbahn…

Hector Delfine

Der Milford Sound

Der wohl bekannteste Sound Neuseelands befindet sich ganz im Südwesten der Südinsel in einem Teil des Landes mit dem bedeutungsvollen Namen Fjordland. Ein Großteil der Fläche wird beherrscht vom Fjordland-Nationalpark. Dementsprechend dünn besiedelt ist die Region und nur wenige Straßen durchziehen das Gebiet.

Es schüttet in Strömen als wir die Fahrt von Te Anau nach Milford antreten. Nicht wie es bei uns schüttet, sondern der Regen fällt zeitweise so dicht, als bräuchte man ein Tauchgerät um draußen atmen zu können. Die Scheibenwischer laufen auf voller Kraft und schaffen es dennoch kaum die Wassermassen im Zaum zu halten. Als wir kurz anhalten um Pause zu machen, beschlagen innerhalb weniger Minuten alle unsere Scheiben und wir sind nun komplett abgeschnitten von der Außenwelt inmitten einer Sintflut mit welcher jemand versucht Fjordland zu ertränken.

“Was für ein Pech” denken wir uns. Die empfohlenen Stops auf dem Weg und schönen Aussichten würden wir wohl wieder mal verpassen und sehen stattdessen Flüsse wo vorher die Straße war und reisende Ströme wo vorher die Flüsse waren. Eine kleine Verschnaufpause gibt es, als wir durch den Tunnel fahren und das Trommeln des Regens für kurze Zeit aufhört. Auf der anderen Seite angekommen, ändert sich unsere Sichtweise auf das Wetter schlagartig. Die Straße ist von riesigen Klippen eingerahmt von welchen hunderte Wasserfälle stürzen. Wir trauen unseren Augen kaum und ich muss den Camper kurz links ran fahren um das Schauspiel zu bestaunen. Wasserfälle gibt es in Neuseeland ja zu Hauf, aber dieses Spektakel scheint ohne Konkurrenz und findet tatsächlich nur bei Regen statt.

Auf dem Weg zum Milford Sound

Wir fahren an Hunderten, vielleicht auch tausenden Wasserfällen vorbei, bis wir schließlich endlich den Ort Milford Sound erreichen und mit Erschrecken feststellen müssen, dass die örtliche Self Service Tankstelle wohl auf Grund des schlechten Wetters (Verbindung zum Kreditkartenserver) nicht funktioniert, unser Diesel aber nicht bis zurück nach Te Anau reichen würden. Ein Problem, das wir erst mal vertagen müssen. Auf einem Campingplatz sitzen wir den Regen aus und ähnlich wie beim Zyklon in Franz Josef hört er kurz vor Sonnenuntergang auf. Ich nutze die Gelegenheit um noch mal kurz frische Luft zu schnappen, bin aber sofort wieder zurück. “Zieh Dich an, das musst Du Dir an sehen” ist alles was mir an Nadine gewandt über die Lippen geht, bevor ich die Tür erneut hinter mir zuziehe. Die Wolken sind aufgerissen und erst jetzt sehen wir, dass auch unser Campingplatz rundherum von riesigen Klippen eingerahmt ist, von welchen unzählige Wasserfälle herabstürzen. Immer mehr Menschen kriechen aus ihren Behausungen, um den Sonnenuntergang vor dieser Szenerie zu erleben und obwohl es den ganzen Tag geregnet hat, sieht man eigentlich nur lächelnde Gesichter. Dieser Anblick war es wert den Regen ertragen zu müssen!

Jetzt kann der Milford Sound selbst natürlich nur noch verlieren und leider tut er das auch. Der Meeresarm der wohl bei den meisten Touristen auf der Must-See Liste der Südinsel steht kann an diesem Tag oder zumindest für uns seinen Reiz nicht entfalten. Unzählige Ausflugsboote brechen nahezu zeitgleich vom Ort aus auf und unternehmen eine Tour an den riesigen Klippen entlang bis zur Mündung in die tasmanische See.

Am Milford Sound

Es gibt ein paar ganz nette Wasserfälle, einige Pelzrobben und natürlich Seevögel, aber der Sound selbst kann uns an diesem Tag nicht überzeugen. Man hofft ja in der Regel bei jeglicher Art von Ausflug (und vielleicht noch etwas mehr wenn man auf einem Boot ist) auf gutes Wetter, womit in der Regel Sonnenschein gemeint ist. Aber beim Milford Sound ist alles anders wie wir jetzt wissen. Erst bei Regen kann der Sound seine ganze Pracht entfalten, die wir zumindest bei der Anreise erleben durften.

Pelzrobbe am Milford Sound

So haben wir, nachdem wir glücklicherweise Tanken konnten, auf dem Rückweg nach Te Anau nun die Möglichkeit zusammen mit zahlreichen anderen Touristen an den offiziellen Sehenswürdigkeiten am Weg anzuhalten. Leider reihen diese Spots sich in Sachen Enttäuschung größtenteils hinter dem Sound selbst ein. Es sind auch hier eher die durch Zufall entdeckten Stellen am Wegesrand, die mit ihrer unverfälschten Schönheit begeistern. Nach dieser Tour müssen wir uns einmal mehr eingestehen, dass es meist nicht die Sehenswürdigkeiten selbst sind, die am meisten beeindrucken und dass gutes Wetter in Fjordland mehr denn je Ansichtssache ist.

 

 

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