Die Cook Islands – Wasser, Wasser, Fisch und Wale

Die Cook Islands – Wasser, Wasser, Fisch und Wale

Elegant schnitt sich unser kleines Boot durch die glatte, strahlende Wasseroberfläche der Lagune. Fast möchte man den Kapitän bitten anzuhalten um den vor uns liegenden Spiegel nicht zu beschädigen und den Blick auf dieses türkise Wunderwerk noch länger genießen zu können. Ich kann mich nicht satt sehen an der Schönheit der Lagune. Doch nicht nur über, auch unter Wasser hat die Natur bei den Cook Islands tief in ihrem Baukasten gegraben und ein Netz zusammenhängender Riffe geschaffen, die sowohl das Innere der Lagune überziehen, als auch die Insel umschließen. Schon am ersten Tag brannte ich darauf diese Riffe und ihre Bewohner näher unter die Lupe zu nehmen und würde dazu ausreichend Gelegenheit bekommen. Die Artenvielfalt übertraf meine Erwartungen und niemals hätte ich gedacht hier nochmal die Möglichkeit zu bekommen, mit den Riesen unserer Meere auf Tuchfühlung gehen zu können.

Die Cook Islands sind für viele ein absolutes Traumziel und gerade Aitutaki ist der Inbegriff eines Südseetraums. Wer sich jedoch dazu verleiten lässt, die Inseln nur über Wasser zu erkunden und den Rest seiner Zeit chillend in einer Hängematte verbringt, der verpasst etwas. Sowohl auf Aitutaki, als auch auf Rarotonga lohnt es sich Maske und Flossen zu schnappen um schnorchelnd oder tauchend die Unterwasserwelt zu erkunden. Selbst eingefleischte “Nichtsportler” (manchen Menschen sieht man das ja durchaus an ;-)) wagen sich hier in die 1,20 Meter tiefen Fluten der Lagune um hernach stolz zu erzählen, wie sie sich ohne Furcht ganze 20 Meter vom Strand und in das Reich der kuriosesten Unterwassermonster vorgewagt haben. Gut so! Denn nur wer weiß, welche Schönheit und Diversität unsere Meere schon auf kleinstem Raum beherbergen, versteht auch warum es so wichtig ist, sie zu schützen.

Der beste Weg für alle die hier bis jetzt noch keine Berührungspunkte hatten, ist es tatsächlich einfach ein paar Schritte in die Lagune zu gehen und den Kopf unter Wasser zu stecken. Einfacher geht es nicht und es ist überraschend, was man so nah am Ufer und  unweit der badenden Touristen alles entdecken kann. Von unzähligen Igelfischen über kleine Schwärme, Papagaienfische, Muränen, Langusten bis zu Schildkröten sprühen die Lagunen vor Leben. Nur Haie verirren sich hierein leider nicht. Für die meisten Schnorchler beruhigend ist es doch eher Grund zur Verunsicherung. Da die Lebensbedingungen für z.B. Schwarzspitzenriffhaie echt optimal wären, muss man davon ausgehen, dass es um die Inseln einfach nicht mehr genug Haie gibt.

Wer etwas mehr sehen möchte, der geht Tauchen. Alles sehr unkompliziert. In Aitutaki nur wenige Bootsminuten vom Hafen entfernt tauchten wir kurz vor dem Durchgang zum Hafen ab. Durch den hier stattfindenden Wasseraustausch mit der Lagune ist es hier besonders nährstoffreich, was eine Vielzahl von Meeresbewohnern anlockt. Trotz nur weniger Meter Sichtweite bekamen wir während zweier Tauchgänge einen guten Eindruck des vielfältigen Lebens um Aitutaki. Schon beim Abtauchen begrüßte uns ein großer Napoleon und allerlei Rifffische, die hofften ein Stück Kokosnuss abzugreifen, welche unser Guide verteilte. Nur kurze Zeit später sahen wir die erste Riesenschildkröte. Ganz nah ließ sie uns heran, bevor sie Reißaus nahm. Weitere sollten folgen, ein richtiges Schildkrötenparadies ist das vor Aitutaki. Auf 25 Metern entdeckten wir Weißspitzenriffhaie, die unter einem Überhang ihre Kreise zogen und als wir wieder etwas aufstiegen, stoppten wir bei einer Riesenmuräne, die sich entspannt putzen ließ. Mein persönliches Highlight allerdings war eine Adlerrochenschule mit locker 30 Tieren. Schade das die Sichtweite so schlecht war. Über diesen Tieren zu schweben und zuzusehen, wie die Rochen in Formation ihre Kreise ziehen, gehört meiner Meinung nach mit zu den schönsten Erlebnissen, die man als Taucher haben kann.

Auf Rarotonga sieht dann alles ganz anders aus. Die Tauchbasen versuchen sich gegenseitig im Preis zu unterbieten und man bekommt dann auch exakt das wofür man bezahlt. Absolutes Chaos unter Wasser, kurze Tauchzeit und schlechte Tauchplätze. Einzig die Sichtweite ist hier wirklich atemberaubend, was aber wenig nutzt, da es so gut wie keine Fische gibt. Ein paar kleine Rifffische, eine Schildkröte die sofort das Weite suchte und viele katastrophale Taucher. Das war’s was ich vor Rarotonga beim Tauchen sehen konnte. Kein Vergleich zur Artenvielfalt der Lagune. Als ich mich mit einem Cook Islander darüber unterhielt berichtete er mir, dass Rarotonga extrem unter der Überfischung leide. An vielen Tagen gibt es in Restaurants und auch auf den Tellern der Einheimischen keinen Fisch, weil einfach keiner mehr da ist und das bei einer Inselgruppe mitten im Ozean, tausende Kilometer vom nächsten Festland entfernt. Der Grund: Die Regierung hat Fischereirechte an asiatische Länder verkauft und so sind es große Fischereitrawler aus beispielsweise Taiwan, die hier alles herausholen was lebt. Eine erschreckende Entwicklung und man kann nur hoffen, das die Regierung der Inseln dem frühzeitig Einhalt gebietet bevor es zu spät ist.

“Hey Frank, we’re going Whalewatching, you come along?” fragte mich Trevour an meinem vorletzten Tag auf Aitutaki. Aber klar komm ich mit! Er hatte mir bereits erzählt, dass auch an Aitutaki Buckelwale vorbeiziehen und so hatte ich auch hier die Hoffnung den Ozeanriesen nochmal nahe zu kommen. Anfangs gestaltete sich die Sache etwas schwierig und wir mussten weit rausfahren bevor wir den ersten Blas sahen, der darauf hindeutete, dass sich tatsächlich Wale in der Nähe befanden. Es gibt auf den Cook Islands bis jetzt noch nicht wirklich viele Whalewatching Anbieter und auch das Schnorcheln mit den Tieren wird nirgends aktiv beworben. Ich weiß nicht, wie die Gesetzeslage hier ist, aber das war mir auch egal, als Trevour rief: “Jump!”. Ich glitt in’s Wasser und musste mich gar nicht bewegen um die zwei Wale (Mutter und Kalb) zu sehen, die gemächlich (aber eigentlich verdammt schnell) an unserem Boot vorbeizogen. Die beiden hatten wohl keine Lust auf Interaktion. So ging’s schnell wieder rauf auf’s Boot und weiter mit der Suche. Wir entdeckten zwei Jugendliche Buckelwale, die zwar auch fast ständig in Bewegung waren, uns jedoch ein paar unbeschreiblich schöne Begegnungen ermöglichten. Bei bester Sicht war es ein Hammer-Erlebnis, als die zwei nicht ausgewachsenen und trotzdem riesigen Tiere direkt unter mir auftauchten und der Oberfläche entgegenstrebten. Hastig versuchte ich aus der “Schusslinie” zu kommen. Doch auch die Tiere nahmen wahr, dass etwas in ihrem Weg war, korrigierten ihren Kurs kurz vor der Oberfläche und tauchten so fast direkt neben mir auf. Schwierig hier loszulassen und zu akzeptieren, dass man irgendwann wieder zurück auf’s Boot und zur Insel muss. Ich hatte keine Ahnung, dass man auch hier (mit etwas Glück) die Möglichkeit hat, mit Buckelwalen zu schwimmen. Die Tiere sind nicht so zahlreich wie auf Tonga, wo sie der Hauptgrund für die meisten Touristen sind das Land zu besuchen, jedoch auch jedes Jahr zur selben Zeit vor den Inseln der Cook Islands. 

Mit dem folgenden Video möchte ich euch an diesem Erlebnis teilhaben lassen und euch einen kleinen Eindruck verschaffen vom “Oceanparadise” der Cook Islands:

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