Die Catlins – Das wilde Herz des Südens

Die Catlins – Das wilde Herz des Südens

Die Westküste der Südinsel wird für Ihre Wildheit gefeiert und neben den vielen Campern sind es immer wieder chinesische Reisegruppen denen man an den einschlägigen Spots begegnet und die versuchen die Sinfonien dieser ungezähmten Landschaften von der Sicherheit eines offiziellen Aussichtspunktes aus auf ihre Speicherkarten zu bannen. Bei der Weiterfahrt durch Southland verliert sich der Trubel so langsam und angekommen in den Catlins ist man dann tatsächlich im ländlichen, abgeschiedenen und wahrhaft wilden Teil von Neuseeland. Ortschaften und Tankstellen sind rar gesät und an den Stränden trifft man neben Delfinen und Pinguinen mit Sicherheit auf mehr Seelöwen als Menschen.

Die Catlins

Die Catlins (oder Catlin Coast) im Südosten der neuseeländischen Südinsel erstrecken sich von Balclutha bis Invercargill im Übergang der Regionen Southland und Otago. Die Catlins sind bekannt für Ihr raues Wetter und die starke Brandung, die hin und wieder ein paar mutige Surfer anzieht. Der südlichste Punkt der Südinsel, Slope Point, ist Anziehungspunkt für Touristen die gerne Listen abhaken. Die zerklüftete Küste und dichten Regenwälder dahinter sind Heimat zahlreicher bedrohter Vogelarten, die auf Grund der sehr dünn besiedelten Region (Einwohnerzahl ca. 1200) nicht allzu stark durch Menschen gestört werden.

Catlins

Bei einer Fahrt durch die Catlins ist es nichts ungewöhnliches nur alle paar Stunden auf andere Fahrzeuge zu treffen und die kleinen Dörfchen durch die man kommt, verströmen einen friedlichen Charme, wo Zeit keine Rolle spielt und das Leben zwei Gänge langsamer läuft. Erschreckend hektisch wirkt dagegen fast Curio und Porpoise Bay. Die beiden Buchten nämlich sind wegen ihrer Schönheit und ihrem Tierreichtum ein Ort, den keiner der wenigen Catlins-Besucher auslässt.

Curio Bay

Die Pinguine der Curio Bay

Die zerklüftete Curio Bay ist allabendlich Austragungsort eines ganz besonderen Schauspiels. Wie auf einer Tribüne sitzen die Besucher aufgereiht an den Klippen und warten auf die Ankunft der kleinen Hauptdarsteller: Gelbaugenpinguine. Diese besondere Pinguinart, die nur in Neuseeland lebt, ist mit einem Bestand von nur rund 4.800 Tieren eine der seltensten Arten der Welt und dementsprechend stark gefährdet. Der Gelbaugenpinguin erreicht eine Größe von bis zu 76 cm und ernährt sich Größtenteils von Fisch.

Warten auf die Pinguine

Jeden Tag im Morgengrauen brechen die erwachsenen Tiere auf um im Meer nach Nahrung zu suchen und in der Abenddämmerung kehren sie wieder zurück. Wie überall in Neuseeland gibt es strenge Regularien wie weit man sich den seltenen Tieren nähern darf, an die sich glücklicherweise auch fast jeder zu halten scheint. Bevor man allerdings Abstand zu den Tieren halten kann, muss man sie erst mal finden. Obwohl die Pinguine im Vergleich zu anderen Arten in Neuseeland verhältnismäßig groß sind, ist es wirklich nicht einfach sie in der Dämmerung und inmitten der unübersichtlichen Felsenlandschaft an Land watscheln zu sehen. Wir wollen nach ausgiebiger Warterei schon die Hoffnung aufgeben, als uns jemand darauf aufmerksam macht, dass nur wenige Meter hinter uns einer der Gelbaugenpinguine in der Wiese steht als wäre nichts. Langsam und ruhig nähern wir uns dem Pinguin, eigentlich viel zu nah, aber da er direkt neben dem Weg steht, ist das kaum vermeidbar. Er scheint keine Angst zu haben, neigt neckisch seinen Kopf und beäugt uns für ein paar Minuten. Leider ist es bereits zu dunkel um ordentliche Fotos zu schießen, dennoch ist es schön einem dieser seltenen Tiere so nahe sein zu dürfen. Bevor die Dunkelheit ihn vollkommen verschluckt, watschelt er langsam von dannen und verschwindet im hohen Gras.

Gelbaugenpinguin

Die Hector Delfine der Porpoise Bay

Obwohl wir am Abend lange frierend auf die Ankunft der Pinguine gewartet haben, quäle ich mich bereits im Morgengrauen wieder aus meinem warmen Bett, ziehe mir notdürftig etwas über und mache mich auf den Weg in die Porpoise Bay. Die Nachbarbucht der Curio Bay liegt nur wenige Meter entfernt und dort sollen am frühen Morgen Hectordelfine zu sehen sein. Die kleinste und seltenste Delfinart der Welt, beheimatet nur in Neuseeland.

Porpoise Bay

Langsam quält sich die Sonne über den Horizont als ich die Bucht erreiche und taucht den braunen Sand in goldenes Licht. Dampf steigt vom Strand und der schwachen Brandung auf und eine Handvoll Menschen steht bereits dort unten auf dem Sand und starrt auf das Meer. Von meinem Aussichtspunkt auf den Klippen lasse ich meinen Blick über die Wellen schweifen die plötzlich von kleinen Flossen durchbrochen werden. Da wir die Tiere bereits bei unserer Bootsfahrt durch die Marlborough Sounds sehen durften, ist mir gleich klar, dass hier sind Hectordelfine. Ich hechte zurück zum Camper und entledige mich meiner Klamotten. Badehose an, rein in den Neoprenanzug und bewaffnet mit Schnorchelausrüstung und Go Pro ab in  Richtung Brandung. Bei maximal fünf Grad Außentemperatur sind mir die staunenden Blicke der wenigen Frühaufsteher sicher, als ich mich durch die kleinen Wellen ins tiefere Wasser vorkämpfe. Bei einem Blick nach unten hätte ich mir die Maske sparen können, die Sicht beträgt maximal einen Meter und so müssen die Tiere schon sehr nahe kommen, dass ich sie sehen kann.

Da Delfine sehr neugierig sind und auch Hector Delfine da wohl keine Ausnahme machen, fange ich lautstark an unter Wasser zu singen. Nur hin und wieder hebe ich meinen Kopf, wenn ich das Atemgeräusch der Tiere irgendwo in der Nähe höre. Ansonsten herrscht bis auf die sanften Geräusche der Dünung absolute Stille, die plötzlich unterbrochen wird, als direkt neben mir Delfine auftauchen. Die Tiere sind extrem schnell und quirlig und es bleiben mir jeweils nur Bruchteile von Sekunden um sie zu sehen. Doch sie kommen tatsächlich nahe genug. Vor Schreck und Begeisterung vergesse ich zu singen und die Tiere verlieren schnell wieder das Interesse. Also weiter Singen, Anlocken, Erschrecken, Singen. “My heart will go on” von Celine Dion in der Schnorchelversion scheinen sie zu mögen. Dieses Spiel treiben wir so lange, bis meine Zähne zu stark klappern um noch zu singen und ich schließlich zurück an den Strand stapfe.

Porpoise Bay

Nach ein paar Tassen heißem Kaffee und einem guten Frühstück stürze ich mich nun mit Surfboard erneut in die Brandung und obwohl ich fast keine gute Welle bekomme, werde ich diese Surfsession doch sicherlich nie vergessen. Bei strahlendem Sonnenschein sitze ich auf meinem Board und immer wieder tauchen, mal weiter weg, mal ganz nah, die Hectordelfine auf, die ebenfalls die ein oder andere Welle surfen. Ein wunderschönes Schauspiel!

Porpoise Bay

Die Kathedrale des Südens

Nicht nur in Sachen Wildlife, sondern auch landschaftlich können die Catlins Highlights vorweisen, die sich hinter ihren Gegenstücken auf der Nordlinsel oder anderen Regionen der Südinsel nicht zu verstecken brauchen und zudem über mindestens 99% weniger Touristen verfügen. Keine Region in Neuseeland ohne Wasserfälle und obwohl sicherlich nicht die größten oder eindrucksvollsten, genießen wir unseren Besuch an den Mc Lean Waterfalls.

Mc Lean Waterfalls

Wer von der überlaufenen Cathedral Cove auf der Nordinsel begeistert war, der sollte auf keinen Fall die Cathedral Caves verpassen. Die Caves befinden sich auf Maori Stammesland und so ist es auch eine freundliche Stammesfrau, die uns am Parkplatz informiert wie lange wir noch Zeit haben und anbietet auf unser Kind aufzupassen während wir runter zum Meer wandern. Wir nehmen den Kleinen mit und müssen uns etwas beeilen, denn die Cathedral Caves sind nur bei Ebbe zugänglich und füllen sich während der Flut mit Wasser. Ein schmaler Waldpfad führt hinunter und am Strand ist zwar kein Mensch aber tausende Sandflöhe scheinen bereits sehnsüchtig auf unsere Ankunft gewartet zu haben. Hastig laufen wir über den Strand zu den zwei touristisch erschlossenen Höhlen, die miteinander verbunden sind und eine Höhe von bis zu 30 m erreichen. Die Höhlen sind nicht lang, aber haben auf jeden Fall Charme und so ist es schade, dass wir nicht noch etwas länger bleiben können, doch die anrückende Flut und die uns terrorisierenden Sandflöhe zwingen uns zum Rückzug.

Cathedral Caves

Die Löwen von Neuseeland

Meine erste Begegnung mit den Löwen von Neuseeland hatte ich am Morgen, als ich nach meinem Delfinkonzert zitternd an den Strand kam. Dort machte gerade einer der imposanten neuseeländischen Seelöwen seinen Morgenspaziergang und ließ sich nicht von den Blicken der Schaulustigen stören. In der Porpoise Bay blieb es leider bei dieser einen Begegnung. Doch ein paar Kilometer weiter sind die Strände voll in der Hand der Seelöwen.

Neuseeländischer Seelöwe

Vor unserer Reise nach Neuseeland hatten wir eigentlich keine Ahnung von den ganzen Unterschieden in der Tierfamilie der Robben. Wenn man einem echten Seelöwen begegnet wird der Unterschied zu den possierlichen Pelzrobben aber mehr als deutlich. Der neuseeländische Seelöwe ist eine große Ohrenrobbe, die in der subpolaren Zone beheimatet ist. Nachdem die Tiere Anfang des 19. Jahrhunderts nahezu vollständig ausgerottet waren, konnten sich die Bestände durch die konsequente Einrichtung von Robbenschutzgebieten inzwischen wieder erholen und man geht von einer Population von 10.000 bis 15.000 Individuen aus. Dabei sind 95% der weltweiten Bestände auf den extrem abgelegenen und unbewohnten Auckland Inslen beheimatet und einige wenige Kolonien leben zeitweise an den Stränden der Südinsel von Neuseeland. Die Bullen sind schwarzbraun gefärbt, wirken durch ihre Schultermähnen echt massig und erreichen Größen von 2,45 Metern. Die Kühe sind zierlicher, hellbraun und höchstens 2 Meter lang. Imposant sind die Begegnungen mit beiden.

Neuseeländischer Seelöwe

Durch eine Wagenpanne, die uns zeitweise an die größte Besiedelung der Catlins Owaka fesselte, hatten wir ausgiebig Zeit die Gegend zu erkunden und landeten schnell in der Cannibal Bay. Diese von Klippen eingerahmte Bucht mit einem braunen Sandstrand vor grasbewachsenen Dünen beherbergt zu unserer Zeit eine Kolonie von etwa 30 Seelöwen. Trotz des Nieselregens arbeiten wir uns langsam den Strand entlang in Richtung der Tiere. Das Herz klopft, wir wissen nicht, wie die Tiere auf unsere Anwesenheit reagieren und haben gehört, dass sie auch an Land ziemlich schnell sein sollen. Wahrscheinlich etwas zu nah wagen wir uns an einige schlafende Seelöwen, können Tiere beim Baden beobachten und kommen der größten Gruppe immer näher. Mit lautem Bellen bricht dort plötzlich ein Hirarchie-Kampf aus und wir gehen schnell wieder auf Distanz, obwohl sich die Tiere für uns eigentlich nicht zu interessieren scheinen. Lange Zeit beobachten wir aus der Ferne die Interaktion der Tiere untereinander und freuen uns wieder einmal darüber, was wir auf dieser Reise alle erleben dürfen.

Neuseeländischer Seelöwe

Eine Bucht weiter in der Surat Bay, lädt ein langer weißer Sandstrand zu ausgiebigen Spaziergängen ein und da wir immer noch auf ein Ersatzteil für unser Fahrzeug warten müssen, haben wir auch genug Zeit dafür. Als wäre der weiße Sand und das türkisblaue Meer noch nicht genug um diesen Ort zu einem besonderen zu machen, treffen wir auch dort immer wieder auf Seelöwen. Kleine Gruppen, Pärchen und Einzeltiere. Die Seelöwen sind nicht aggressiv uns lassen sich bereitwillig oder vielleicht eher gleichgültig ausgiebig ablichten.

Neuseeländischer Seelöwe

Nachdem wir die Nacht dann an einem alten Krankenhaus verbracht haben das nun als Herberge dient und unser Camper endlich repariert ist, sparen wir uns die ebenfalls für ihren Tierreichtum bekannten Spots Nugget Point und Kaka Point und fahren direkt weiter nach Dunedin, wo wir nochmals die Möglichkeit bekommen sollten Seelöwen zu sehen.

Surat Bay

Wild und weit

Auch wenn sich die Adjektive der Begeisterung bei einer Reise durch Neuseeland schnell abzunutzen scheinen, waren wir von jeder Region aufs neue beeindruckt. In den Catlins war es vor allem die Nähe zur heimischen Tierwelt, die uns zum Staunen brachte. Eine Region die zu einem Großteil noch im Griff ihrer tierischen Bewohner ist, was sie umso schöner und bereisenswerter macht. Alleine und auf eigene Faust kann man sich (unter Einhaltung der gegebenen Verhaltensregeln) den Tieren nähern und die Schönheit und Intensität der Natur ungefiltert und ungestört erleben. Hoffentlich bleiben die chinesischen Reisegruppen an der Westküste und die Anzahl der Seelöwen an den Stränden noch lange Zeit größer als die der Touristen auf den Straßen der Catlins.

 

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