Copacabana und die Isla del Sol

Copacabana und die Isla del Sol

Klar, bei Copacabana denkt man als erstes an Palmen, weißen Sandstrand und leicht bekleidete Brasilianerinnen. Doch der berühmteste Stadtteil von Rio de Janeiro war nicht der erste Ort mit dem wohl klingenden Namen. Er wurde benannt nach einem kleinen Städtchen im Nordwesten Boliviens. Direkt am sagenumwobenen Titicacasee übte Copacabana wohl eine Menge Faszination aus, so dass auch noch einige andere Orte nach ihr benannt wurden. Eine wichtige Rolle dafür spielte womöglich die Nähe zur Sonneninsel “Isla del Sol”, die der Legende nach die Geburtsstätte des ersten Inkas sein soll. Noch heute kann man sich dort auf die Spuren der Inka begeben, deren Ruinen besuchen und das originale Copacabana kennenlernen. So viele Strandschönheiten wie in Brasilien trifft man am höchst gelegenen schiffbaren See der Welt allerdings nicht…

Copacabana

Nur knapp 150 km von La Paz entfernt, auf einer Halbinsel direkt am 3.810 m hoch gelegenen Titicacasee ist die Stadt inzwischen im Pflichtprogramm vieler Individualeisender und auch bei Bolivianern sehr beliebt und das aus gutem Grund. Seit Bolivien im letzten Krieg mit Chile seinen Meerzugang verloren hat übt der größte See Südamerikas (13 mal so groß wie der Bodensee) mit seinen vielen Inseln natürlich eine umso größere Faszination aus. Auch gilt Copacabana als bedeutendster Wallfahrtsort Boliviens und regelmäßig finden Feste und Zeremonien auf Basis einer Mischung aus Christentum und Aberglauben in dem Ort statt. So verwundert es auch nicht weiter, dass neben dem Copacabana in Brasilien auch noch sieben weitere Orte in Bolivien auf den gleichen Namen (Aymara für: Sicht auf den See) hören.

Copacabana

Trotz der vielen Touristen hat der Ort nur rund 6000 Einwohner, die gefühlt alle irgendwie versuchen mit den Besuchern Geld zu machen. Ununterbrochen wird man angesprochen, ob man auf die Inseln möchte oder mit dem Bus nach La Paz, Peru oder sonst wo hin. Klar müssen alle nur irgendwie Geld machen, aber etwas nerven tut es schon. Natürlich gibt es auch zu Hauf die allgegenwärtigen Anden-Souveniers wie Pullis, Mützen oder alle anderen Kleidungsstücke aus Alpaka-Wolle. Da in Bolivien alles etwas günstiger ist als in Peru lohnt es sich durchaus sich dort ordentlich einzudecken, zumal es auch echt kalt genug für Alpaka-Kleidung ist.

Viel gehört und gelesen habe ich über die besten Titicaca-See Forellen, die es in Copacabana geben soll. Natürlich nicht in einem der vielen Touristen-Restaurants, sondern in den einfachen Buden direkt am See. Obwohl ich mir beim Warten auf die Forelle fast den A**** abgefroren habe, muss ich sagen dass die frischen Forellen aus dem See sicher eines der ansonsten mit nicht soo vielen kulinarischen Highlights gespickten bolivianischen Küche sind.

Der lange Weg zum Titicaca See

Nur weil Copacabana gerade mal 150 km von La Paz entfernt ist, heißt das nicht dass es schnell zu erreichen ist. Nachdem ich die Bushaltestelle für Busse zum Titicacasee gefunden habe, die komischerweise nicht dort abfahren wo alle anderen, verstaute ich mein Gepäck auf dem Dach und nahm Platz in dem Minibus. In einer viertel Stunde sollte es los gehen, was mich schon etwas stutzig machte, da außer mir erst drei Fahrgäste im Bus waren und man in Bolivien durchaus auf volle Auslastung achtet. Als ich nach zwanzig Minuten noch mal nachfragte, sagte der Fahrer mir wieder dass wir in einer viertel Stunde losfahren würden. Aha ;-)! Nachdem der Bus fast voll war und nach rund einer Stunde Wartezeit ging es dann endlich los. Dachte ich. Denn statt der direkten Route fuhr der Fahrer nun durch die belebten Straßen von La Paz und schrie immer wieder “Copacabana, Copacabana, Copacabana” bis er genug Mitfahrer gefunden hatte um den Bus wirklich bis zum allerletzten Platz zu füllen. Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen wir am Titcaca-See an, überquerten einen Teil mit der Fähre (Bus und Fahrgäste in verschiedenen Fähren), ließen die Serpentinen des letzten Wegstücks hinter uns und erreichten schließlich nach sieben (!) Stunden Copacabana. Da soll noch mal einer sagen, die deutsche Bahn hat ordentlich Verspätung!

Vielleicht wäre ich mit dem Esel schneller gewesen…

Die Isla del Sol

Die Sonneninsel, die nur einige Bootsstunden von Copacabana entfernt liegt (eigentlich nur 1 km, aber die Boote sind natürlich saulangsam) war für mich der Hauptgrund dort einen Stop einzulegen. Der ursprüngliche Name der Insel lautete Titicaca, nach dem später auch der See benannt wurde. Die Herkunft des Namens ist nicht sicher. Er soll auf zwei Aymara-Wörtern beruhen: titi heißt „Große Katze“ und kak heißt „Felsen“. Frei übersetzt bedeutet es „Puma-Felsen“, da der See wenn man ihn mit etwas Fantasie auf der Karte betrachtet die Form eines Pumas hat. In der Mythologie der Inka soll der Sonnengott Inti seine Kinder, den ersten Inka Manco Cápac und seine Frau, auf einem Felsen der Isla del Sol zur Erde gelassen haben. Somit ist die Insel die Geburtsstätte der Inka und spielt noch heute eine große Rolle im Glauben der Menschen.

Isla del Sol, am Labyrinth der Inka

Es ist möglich auf der Insel zu übernachten oder wenn man gut zu Fuss ist, an einem Tag vom Süd- zum Nordende zu marschieren und die Inkaruinen zu besuchen die sich größtenteils an den beiden Enden der Insel konzentrieren. Ich wählte die zweite Variante, machte mich alleine zu Fuss auf den Weg und besuchte einen Opfertisch, das Labyrinth der Inka und die berühmte Treppe der Inka, die im Ort Yumani wieder zurück an den See führt. Neben den Ruinen ist es aber vor allem die schöne Landschaft, die einen Besuch der Isla del Sol besonders macht. Sandstrände, die kaum Vergleiche scheuen müssen mit wärmeren Regionen, laden zum Sonnen und Baden ein. Wenn es nur nicht so verdammt kalt wäre! Das hügelige Land und die kleinen Dörfchen könnten uriger kaum sein und viel interessantere Fotomotive als die Ruinen sind die Lamas und Alpakas mit ihren Hirten, denen man unterwegs immer wieder begegnet. Auch ohne allzu viel Interesse an der Kultur der Inka ist die Sonneninsel also einen Besuch wert.

Schafhirtin Isla del Sol

Ab nach Peru

Schlussendlich hab ich mich dann doch abschleppen lassen von einem übermotivierten Verkäufer und ein Ticket nach Puno in Peru gekauft. Obwohl die vielen Busticketagenturen alle nebeneinander liegen und letztendlich alle im selben Bus mitfahren, zahlt doch jeder einen anderen Preis. Aber so ist das eben in Bolivien ;-). Schon nach einer halben Stunde waren wir an der Grenze und durften den Bus wieder verlassen. Nach den Formalitäten und einem Stempel im Pass überquerte dann jeder für sich und zu Fuss die Grenze nach Peru, ohne das noch irgendeiner der gelangweilten Wachleute den Pass hätte sehen wollen. Ein interessanter Einstieg und ein emotionsloser Abschied! Ich war gespannt was mich in Peru erwarten würde…


 

 

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