Bromo und Ijen – Heißer Scheiß oder Touri-Hotspot?

Bromo und Ijen – Heißer Scheiß oder Touri-Hotspot?

Wer Java besucht kommt meist wegen Yogyakarta oder Mt. Bromo oder beidem. Günstig gelegen auf dem Weg über Land nach Bali bietet sich ein Stop an dem wohl mit Abstand fotogensten aktiven Vulkan Javas an. Und wer schon mal am Bromo ist und nach Bali reist, der kann auch noch locker den Ijen-Krater mitnehmen. So hatte ich es jedenfalls vor und ich befürchtete auch ganz viele andere. Naja, von locker mitnehmen konnte letztendlich absolut keine Rede sein und ob der Touriandrang so schlimm war wie befürchtet und sich der Besuch der Vulkane gelohnt hat, könnt ihr hier lesen.

Indonesien ist das Land der Vulkane. Alleine auf Java befinden sich 38 (!) teils erloschene, teils noch aktive Vulkane. Schon beim Anflug auf die Insel sieht man die Feuerberge durch die Wolken stechen. Kein Wunder also, dass die fleißige indonesische Tourismusindustrie diese Vulkane und ihren Wert schon längst für sich entdeckt hat. Auf nahezu jeden Berg werden Touren angeboten, vorzugsweise mit Start in der Nacht um bei Sonnenaufgang oben zu sein. Von leicht bis schwer oder sogar gefährlich, kann sich der Vulkanenthusiast auf Java austoben.

Anflug auf Yogyakarta

Doch selbst wer sonst mit Bergen nichts am Hut hat, stattet in der Regel auf seiner Reise durch Java zumindest Mt. Bromo einen Besuch ab. Angeboten werden die Touren in allen erdenklichen Varianten mit Startpunkt in Yogyakarta, Surabaya oder anderswo. Von billig und basic bis Luxus ist für jeden Geldbeutel was dabei. Wir entschieden uns letztlich für eine individuell geplante Tour mit eigenem Fahrzeug und Fahrer ab Yogyakarta und mit Ende an der Fähre nach Bali.

Gemeinsam haben alle Touren, das in der Nähe des Vulkans (meist in Cemora Lawang) übernachtet wird und es zwischen zwei und drei Uhr morgens per Allradfahrzeug hoch zu einem der drei Aussichtspunkte geht, von welchen man den Sonnenaufgang hinter Mt. Bromo bestaunen kann. Nach einer kurzen und kalten Nacht kamen wir um ca. 4 Uhr am höchsten der Aussichtspunkte an. Trotz Dunkelheit zeigte sich, dass viele hunderte andere Touristen sich wohl den selben Tag ausgesucht hatten. Allerdings meinte unser Guide, dass es in der Hauptsaison noch um einiges voller wird. Die meisten Leute hatten schon ihren Platz eingenommen, von dem sie dachten den besten oder bequemsten Blick auf den Sonnenaufgang zu haben. Vertreten waren nahezu alle Nationen. Was alle vereinte: Sobald das erste Morgenrot am Himmel war wurden die Smartphones gezückt und wie wild losgeknipst. Glücklicherweise konnten auch wir uns noch ein gutes Plätzchen erkämpfen und warteten bis es langsam hell wurde. Bereits bei den ersten aufblitzenden Sonnenstrahlen zeigte sich das Spektakel. Zu unserer Linken stieß der aktuell aktive Mt. Raung (verantwortlich für die Flugausfälle auf Bali) seine Rauchwölkchen aus, im Tal waberte der Nebel, zog  in den nahe gelegenen Ort und gab nach und nach den Blick auf die Vulkane vor uns frei. Es wurde fotografiert ohne Ende und jeder wollte DAS Bild machen, das man beim “googlen” nach Mt. Bromo als erstes zu sehen bekommt. Und siehe da, ist gar nicht so schwer ;-).

Blick auf Bromo

Sobald die Sonne am Himmel steht, geht es mit dem Jeep wieder nach unten und über die “Sea of Sands” bis kurz vor den Vulkan. Von hier dann per Pferd oder zu Fuss bis nach oben an den Kraterrand. Wie eine Mondlandschaft und völlig unwirklich (oder lag’s nur am Schlafmangel?) wirkte die noch tief im Nebel liegende Landschaft auf uns. Nach dem auf Grund der Höhe doch recht anstrengenden Marsch zum Kraterrand wurden wir empfangen vom tiefen Grummeln und Schwefelgestank des aktiven Vulkans, dessen Kraterrand übrigens größtenteils absolut ungesichert und damit natürlich auch nicht ganz ungefährlich ist.

Am Krater von Mt. Bromo

Als der Abstieg geschafft war, ging’s für uns zurück in’s Hotel und nach dem Frühstück auf direktem Weg nach Banyuwangi, was unser Ausgangspunkt für die nächtliche Anreise zum Ijen-Krater sein sollte.

Nach einer weiteren viel zu kurzen Nacht starteten wir diesmal bereits um 0 Uhr unsere Anreise zum Krater und standen erst mal im Stau. Die Zeit verging und ich wurde immer ungeduldiger, wollten wir doch die nur nachts zu sehenden blauen Feuer noch mitbekommen bevor die Sonne aufging. Nach einigen gewagten Fahrmanövern und unter Mithilfe aller Beteiligten schafften wir es uns nach zwei (!) Stunden aus dem Stau zu befreien, waren aber erst ca. 2 km von unserem Hotel entfernt. Jetzt hieß es Gas geben. Wir erreichten den Parkplatz am Ijen viertel nach drei. Von hier geht es 3 km und rund 1000 Höhenmeter (mindestens 1, 5 h laut Guide) bergauf bis an den Kraterrand und dann noch mal ca. 45 Minuten nach unten, um die Feuer zu sehen. MIt gemütlich wandern war hier nichts mehr, da wir sonst das Innere des Kraters nicht vor Sonnenaufgang erreicht hätten. Michael, der mit mir zusammen die Tour machte, und ich rannten “wie die Irren” den Berg hoch, ließen nach kurzer Zeit den Guide hinter uns, überholten auch beim Abstieg unzählige Besucher und kamen rechtzeitig (noch im Dunkeln), jedoch am Ende unserer Kräfte unten an. Wir begutachteten kurz die auf dem Weg zugezogenen Blessuren (der Weg ist natürlich unbefestigt und ungesichert) und tasteten uns dann langsam an die Feuer heran.

Ijen blue flames

Der Schwefelgeruch und die Dämpfe waren zeitweise unerträglich. Wir verzichteten dennoch auf die oben zum Verleih angebotenen Gasmasken und näherten uns mit in Wasser getränkten T-Shirts um Mund und Nase den Quellen des Gestanks. Der Andrang war weit weniger groß wie beim Bromo, mag vielleicht daran liegen, dass es weit anstrengender ist in den Krater zu gelangen, aber das Spektakel nicht weniger beeindruckend. Aus mehreren Felsspalten treten blaue Flammen hervor, die sich selbst entzünden und der Szenerie eine nahezu außerirdische Erscheinung geben. Wir tasteten uns langsam heran und machten unsere Fotos ca. zwei Meter neben den mannshoch züngelnden Flammen. In Deutschland unvorstellbar. Hier ist nichts gesichert und niemand schert sich um die Gefahren. Muss also jeder auf sich selbst aufpassen.

Nach wie vor wird hier Schwefel abgebaut, von der Regierung subventioniert und in Körben von zusammen ca. 90 kg Gewicht pro Person von den Arbeitern nach oben zum Kraterrand geschleppt. Die Arbeiter tragen natürlich keine Gasmasken oder sonstigen Schutz und opfern hier sicherlich mehrere Jahre ihres Lebens um mit dieser harten Arbeit ihre Familien ernähren zu können. Selbst Souvenirs aus Schwefel werden von Ihnen hergestellt. Sie gießen direkt an den Quellen den heißen, flüssigen Schwefel in Formen und verkaufen die Skulpturen für umgerechnet ein bis zwei Euro. Ein echter Knochenjob!

Arbeiter am Ijen-Krater

Kurz vor Sonnenaufgang machten wir uns wieder an den Aufstieg. Durchgeschwitzt und durchgefroren genossen wir den Sonnenaufgang der verschiedene Farbtöne in die Nebelschwaden über dem Krater und dem neben ihm liegenden giftigen türkisen See zauberte. Auch hier wieder eine unwirkliche kalte und karge Landschaft, die im krassen Kontrast zu dem feuchten, tropischen Klima in der Ebene steht. Nach insgesamt neun Stunden kamen wir total geschafft im Hotel an und hatten uns die mickrigen zwei Scheiben Toast die es zum Frühstück gab redlich verdient.

Sonnenaufgang am Krater

Heißer Scheiß oder Touri-Hotspot?

Definitiv beides! Beide Vulkane sind absolut beeindruckend und das trotz des Touristenandrangs, der bei Bromo noch bei weitem größer ist wie bei Ijen. Ich kann nur jedem empfehlen, der Java besucht, sich beide Vulkane anzusehen. Wobei Ijen eine gehörige Portion Kondition und Kampfgeist voraussetzt, vor allem wenn man auch die blauen Feuer sehen will, die sich genau aus diesem Grund wohl auch nicht jeder Besucher ansieht. Für uns war es eine harte Tour mit wenig Schlaf und anstrengenden Märschen. Aber rückblickend würde ich sagen, dass sich jeder investierte Schritt und Euro gelohnt hat, um diese Naturwunder mit eigenen Augen sehen zu können.

Ein Gedanke zu „Bromo und Ijen – Heißer Scheiß oder Touri-Hotspot?

  1. Lieber Frank, die Bilder und Berichte sind beeindruckend. Wir wünschen Dir auf Deiner Reise noch sehr viel Spaß und finden es natürlich super, dass Du uns mit Deiner Homepage an der Reise teilhaben lässt. Von den Schwefelträgern habe ich im übrigen schon einmal einen Bericht im Fernsehen gesehen – das ist nicht nur ein Knochenjob, sondern auch äußerst gefährlich.
    Bleib gesund, herzliche Grüße Norbert und Dagmar.

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