Arequipa – Die weiße Stadt und das wilde Wasser

Arequipa – Die weiße Stadt und das wilde Wasser

Arequipa gilt als die schönste Stadt Perus und wird diesem Ruf mit Geschichtsträchtigkeit und einer gehörigen Portion Charme mühelos gerecht. Die Straßenzüge der Innenstadt erstrahlen in einen kolonialen Glanz längst vergangener Zeit, als spanische Konquistadoren dem Kontinent für alle Zeit ihren ebenso blutigen wie christlichen Stempel aufdrückten. Wenn man vorbei schlendert an den vielen Kirchen und Prachtgebäuden der Altstadt wähnt man sich in einer europäischen Kultur-Metropole. Nur die Tatsache dass die Türsteher vor den In-Clubs schusssichere Westen tragen erinnert einen in Arequipas Zentrum daran dass man sich in einem Entwicklungsland befindet, in dem sich nur ein sehr geringer Teil der Bevölkerung den Pisco Sour in einer der angesagten Bars leisten kann.

Die weiße Stadt

Auf knapp über 2300 m liegt Arequipa, das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des südlichen Perus. Dominiert wird die Stadt von den umliegenden Vulkanen, deren schneebedeckte Gipfel teilweise über 6000 m liegen. Rund 900.000 Peruaner bewohnen Arequipa, deren Zentrum von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Die Herkunft des Beinamens „die weiße Stadt“, mit dem sich Arequipa schmückt, bezieht sich entweder auf das weiße Sillar-Gestein vulkanischen Ursprungs, mit dem viele der alten historischen Gebäude im Zentrum erbaut wurden oder auf die hellere Hautfarbe der einstmals im Stadtzentrum lebenden spanischstämmigen Bewohner, die es den Einheimischen verboten, in der Innenstadt zu leben.

Heute ist die Innenstadt offen für alle

Als sich unser Mini-Bus, vom Colca Canyon kommend, durch den dichten Verkehr der Vororte Arequipas schlängelte erinnerte mich das eher an das Verkehrschaos Indiens als an den Glanz europäischer Kolonialzeit. Doch umso näher wir dem Zentrum kamen, umso mehr zeigte sich die Schönheit der weißen Stadt. An irgendeiner Straßenecke ließ mich der Fahrer raus und versuchte mir verständlich zu machen, dass mein Hostel irgendwo in der Nähe sein müsste. Kein Schild weit und breit und doch stimmte die Hausnummer. Ich klopfte an dem großen Holztor und wurde tatsächlich mit einem freundlichen “Welcome Frank” begrüßt. Ich war richtig! Und nicht nur dass. Auch das Hostel war aus dem in Arequipa häufig anzutreffenden Sillar-Gestein und obwohl ziemlich einfach (und günstig ;-)) wohl das schönste in dem ich in Peru untergekommen bin.

Die Vulkane um Arequipa

Durch die Straßen Arequipas

Ich schlenderte durch die Strassen Arequipas und die Stadt wurde ihrem Ruf tatsächlich mühelos gerecht. In Reiseführern sind mehrere Seiten gefüllt mit den Sehenswürdigkeiten Arequipas, doch viel schöner ist es sich einfach treiben zu lassen und die Stadt auf eigene Faust zu entdecken. Kirchen, Kirchen, Kirchen, eine schöner als die andere und alle aus dem charakteristischen weißen Sillar Gestein. Ebenso die Fußgängerzone in der selbst Apotheke, Bank und Mc Donalds in historischen Gebäuden untergebracht sind. Unweigerlich kommt man immer wieder am Plaza de Armas und der beeindruckenden und einzigartigen Kathedrale an und wie sollte es in Peru anders sein, wurde dort mal wieder demonstriert. Wofür oder wogegen, erschloss sich mir in dem Megaphongeblärre leider nicht, interessant war es aber allemal und vor allem ein krasser Kontrast zu dem erhabenen Image, dass die Gebäude ausstrahlen.

Selbst die Banken sind in Arequipa in historischen Gebäuden

Die Anzahl der Touristen ist überschaubar und es zeigte sich, dass die Stadt vor allem bei Peruanern mit Geld beliebt ist. Nicht nur wegen ihrer Schönheit, sondern auch wegen ihres milden Klimas, das ganzjährig frühlingshafte Temperaturen verspricht. Das pure peruanische Getümmel herrscht dann zwei Straßenzüge entfernt von der Plaza de Armas in den Markthallen Mercado San Camillo. Einen Besuch dort sollte man sich nicht entgehen lassen, wird in den Hallen doch alles angeboten, was die Peruaner zum Leben brauchen. Von halben Schweinen bis zu Sombreros (nicht die aus Mexiko) wird der Alltagsbedarf gedeckt und wer sich am Geruch des vielen rohen Fleisches nicht stört sollte unbedingt an den unglücklicherweise direkt neben der Fleischabteilung liegenden Getränkeständen ein Glas frisch gepressten Saft genießen.

Saaaaaft

Das Kloster Santa Catalina

Eines der Highlights der Stadt war für mich das Kloster Santa Catalina. Es gilt als eines der wichtigsten religiösen Bauwerke aus der Kolonialzeit und war eine autarke kleine Stadt inmitten Arequipas. Hohe Mauern schützten die Nonnen vor weltlichen Einflüssen bzw. erschwerten ihnen die Flucht. Man bekommt einen guten Einblick wie einfach, ärmlich und beabsichtigt beschwerlich das Leben der Nonnen gewesen sein musste. Es ist erschreckend wie verblendet von fanatischem Christentum viele Menschen waren und sich selbst geißelten um Gott näher zu sein. Von seiner Erbauung im Jahr 1579 bis ins Jahr 1970 wurde das Kloster ständig von rund 150 Nonnen bewohnt, die in verschiedenen Arealen der Anlage lebten, je nach Rang innerhalb des Ordens. Farblich sind die verschiedenen Bereiche des Klosters voneinander getrennt und die Größe der Anlage spürt man deutlich in den Beinen, wenn man wieder am Ausgang angekommen ist. Definitiv einen Besuch wert!

Im Kloster Santa Catalina

Rafting in Arequipa

Für viele ist Arequipa der Ausgangspunkt zum Colca Canyon und so gibt es auch eine Handvoll Agenturen, die Touren an die Schlucht anbieten. Ich bekam den Tipp, dass ich bei einer der Agenturen nach einem Raftingtrip auf dem Fluss der Stadt fragen sollte, was ich natürlich auch tat. Einfach, schnell und günstig wurde das Raften organisiert und da ich keinerlei Infos bekam, war ich gespannt was auf mich zukommen würde. Mit einem Minibus ging es gerade mal 15 Minuten in einen Vorort Arequipas, wo wir unseren Guide begrüßten, unsere Ausrüstung bekamen und das Boot zu Wasser ließen. Ich teilte mir das Boot mit dem Guide und einer jungen Litauerin, die tatsächlich der Meinung war, dass wir einfach mit dem Boot einen Fluss runter schippern würden, ohne viel machen zu müssen. Ein Absoluter Irrglaube wie sich herausstellen sollte.

Ich war beeindruckt was für ein wunderschöner Wildwasserfluss sich hier durch die hohen Felswände schlängelt. Man wähnt sich mitten in der Natur und ist doch eigentlich immer noch in der Stadt. Sanft und langsam tasteten wir uns an die ersten Stromschnellen heran und meisterten diese ohne Probleme. Doch nach und nach wurde es immer herausfordernder, die Kommandos des Guides schriller und eindringlicher und Möglichkeit zu kentern größer. Obwohl wir die schwierigste der vielen Stromschnellen super meisterten knallten wir unerwartet doch auf einen Felsen, wurden ins eiskalte Wasser geschleudert und kämpften darum wieder ins Boot zu kommen. Bis auf ein paar blauen Flecken kamen wir mit dem Schrecken davon und beendeten die Rafting-Tour an einer Wiese direkt am Fluss, auf welcher einige Jugendliche den Abend schon mit reichlich Alkohol, Musik und ausgelassenem Tanzen eingeläutet hatten.

Ein würdevoller Abschluss meines Besuchs in der weißen Stadt nach dem ich es etwas bereute nicht mehr Zeit dort gehabt zu haben. Doch mein Nachtbusticket nach Cusco war gebucht und meine Reise ging weiter. Arequipa, die weiße Stadt, für mich völlig zu Recht schönste Stadt Perus.

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