Ao Nang und Railay Beach – Paradies oder mies?

Ao Nang und Railay Beach – Paradies oder mies?

Die Strände von Ao Nang und hier vor allem der berühmte Railay Beach erfreuen sich seit vielen Jahren ungebrochener Beliebtheit bei Thailand Reisenden. Neben Backpackern wurde die Region längst auch von Pauschaltouristen erschlossen und gerade die Generation Instagram findet an den schönen Stränden vor eindrucksvollen Kalksteinfelsen genau das richtige Material für ihre Follower. Viele Strände locken um Ao Nang mit weißem Sand, türkisem Wasser und eindrucksvoller Kulisse. Klar, dass da, gerade in Thailand, der Massentourismus nicht ausbleibt. Erträglich oder too much? Immer noch Paradies oder mies? Wir haben das mal getestet…

Ao Nang

Gerade mal eine dreiviertel Stunde vom Flughafen Krabi entfernt liegt das Küstenörtchen Ao Nang. Einst sicherlich ein beschaulicher Fischerort ist Ao Nang heute die Tourismushochburg Krabis. Denn von hier aus erreicht man all die Traumstrände der Region, in der Regel per Boot. Ao Nang bietet eine Vielzahl an Unterkünften für jeden Geldbeutel und ein ebenso großes Angebot an Verpfleguns- und Shoppingmöglichkeiten. Klar dürfen die in Thailand allgegenwärtigen 7-Eleven Läden nicht fehlen genauso wie günstiges und leckeres Streetfood. Leider haben allerdings inzwischen auch die großen Fastfoodketten Einzug in den kleinen Ort gefunden und passen hier irgendwie so gar nicht hin.

So muss Thai Essen…

Mit der Unterkunft Vipa Tropical Resort haben wir unsere persönliche, kleine Ruheoase im Trubel Ao Nangs etwas abseits der Hauptstraße gefunden und starteten von dort unsere täglichen Erkundungstouren. Bis auf einen Ausflug zum Tiger Cave Tempel (Wat Tham Sua) in Krabi mit seinen 1237 Stufen und einer dementsprechend tollen Aussicht führte uns unser erster Weg in der Regel an den Strand von Ao Nang.

Tiger Cave Tempel: Nach 1237 Stufen endlich oben…

Nicht sehr sauber und mit Unmengen Restaurants und Massagezentren im Hintergrund entspricht Ao Nang Beach allerdings nicht unbedingt der Vorstellung eines paradiesischen Tropenstrandes, auch wenn er dies sicherlich mal war. Was die Vorstellung weiter trübt, ist das Abwasser, welches seitlich des Strandes und mit Sicherheit ungeklärt ins Meer geleitet wird.

Ao Nang Beach

Allerdings brechen von hier die hübsch anzusehenden Longtailboote auf um die Touristenscharen auf die angrenzenden Strände zu verteilen. Das Ticket kann man direkt vor dem Strand kaufen und die Wartezeit auf das nächste Boot dauert in der Regel nur wenige Minuten.

Abendstimmung am Ao Nang Beach

Pai Plong Beach

Wer nicht gerne Boot fährt, aber trotzdem gerne etwas mehr Ruhe möchte, der kann zu Fuß den Pai Plong Beach erreichen. Am östlichen Ende des Ao Nang Beach führt ein schmaler, steiler Pfad (Monkey Trail) an den Kalksteinfelsen entlang in die benachbarte Bucht. Schweißtreibend ist der Aufstieg in der schwülen Hitze, vor allem mit ordentlich Gepäck und einem Baby auf dem Rücken. Doch es lohnt sich. Am Pai Plong Beach gibt es lediglich zwei Hotels und eine kleine Hütte an die überteuerte Snacks und Getränke verkauft werden.

Über den Monkey Trail zum Pai Plong Beach

Das Wasser ist, obwohl gleich um die Ecke, merklich sauberer und die Kulisse mit den hohen Felsen im Hintergrund traumhaft. Allerdings fahren nicht weit vom Strand entfernt die ratternden, lauten Longtailboote auf dem Weg zu den östlicheren Stränden vorbei und trüben die entspannte Atmosphäre etwas. Eine allgegenwärtige Geräuschkulisse an die man sich an allen Stränden rund um Ao Nang gewöhnen muss.

Pai Plong Beach

Der Pai Plong Beach ist gerade für den ersten Tag in Ao Nang die beste Wahl, da er ohne viel Aufwand und umsonst zu erreichen ist und dennoch die unweigerliche Enttäuschung die einen ereilt wenn man mit zu hohen Erwartungen nach Ao Nang kommt etwas wett macht.

Ein überteuertes Chang hab’ ich mir dort dann doch gegönnt…

Tonsai Bay

Nur eine Bucht weiter aber nur mit dem Boot erreichbar liegt die Tonsai Bay. Das Ticket ist etwas billiger als nach Railay und man kann auch nur die Hinfahrt in Ao Nang kaufen. Wie man zurück kommt muss man dann selbst sehen. Mit nur einem Resort an der Ostseite und weiteren Unterkünften im landeinwärts gelegenen Dorf hat sich die Tonsai Bay ihre Schönheit weitgehend erhalten können und wird vor allem von Backpackern und Kletterern aufgesucht, die an den Kalksteinfelsen ideale Kletterbedingungen vorfinden.

Tonsai Bay

Ein langer Strand wartet auf Sonnenanbeter und Schatten ist rar gesät. Höchstens unter den Felsen findet man ein schattiges Plätzchen, das man sich allerdings mit den Kletterern auf der Ostseite und mit frechen Makaken auf der Westseite teilen muss. Im Vorbeigehen konnten wir beobachten, wie einer der Affen eine Dose Cola von einem verkaterten, schlafenden Backpacker klaute, öffnete und austrank. Wer ist hier der dumme Affe?

Makaken an der Westseite der Tonsai Bay

Über einen kurzen aber anstrengenden Pfad kann man vom Ostende der Tonsai Bay nach Railay laufen und so einen ersten Blick auf den Strand erhaschen, über den hier alle reden. So groß scheint mir der Unterschied beim ersten Blick nicht aber vielleicht kann ich auch einfach zu wenig vom Strand sehen durch die vielen Menschen die bereits jedes schöne Plätzchen beschlagnahmt haben.

Erster Blick nach Railay

Rückblickend und nach Besuch der anderen Strände war die Tonsai Bay auf Grund der überschaubaren Anzahl an Touristen und dennoch schönen Kulisse unser Favorit unter den Stränden von Ao Nang. Einzig der Weg zurück ist etwas nervig, denn es fährt erst ein Longtailboot wenn ausreichend zahlende Kundschaft am Start ist, worauf man in Tonsai durchaus mal ein oder zwei Stunden warten kann…

Es gibt schlechtere Orte um auf ein Taxi zu warten…

Railay Beach

Railay Beach, 25.000 Einträge bei Instagram, das ungebrochene Aushängeschild der Region und DER Strand den man besuchen muss, wenn man in Ao Nang ist. So ist es wenig verwunderlich, dass bereits am frühen Morgen Flotten von Longailbooten auf dem Weg von Ao Nang nach Railay Beach sind. Glücklicherweise waren auch wir nicht allzu spät dran und der Strand noch nicht mega überlaufen. Was sich im Laufe des Tages auf jeden Fall noch ändern sollte.

Railay Beach am Morgen

Ein schöner Strand, der, wie auch die anderen, vor allem von der wunderschönen Kulisse lebt. Das ständige Rattern der Longtailboote ist auch hier die dominierende Geräuschkulisse. Direkt hinter dem Strand liegt der Ort Rai Leh, der bestens auf die Touristenhorden eingestellt ist. Restaurants, Bars, Take Aways, Shops. Alles was das Touri-Herz begehrt, alles etwas teurer als in Ao Nang.

Am frühen Nachmittag herrscht Hochbetrieb

Ein Spaziergang führt vorbei an der Phranang Cave nach Railay Ost. Der häßlichen Schwester von Railay West. Dort ist alles noch etwas einfacher und der Strand gesäumt von fast abgestorbenenen Mangroven die in der grauen, stinkenden Abwasserbrühe vergeblich nach Sauerstoff suchen. Im Inneren der Halbinsel häufen sich die Müllberge, die laut Höhrensagen wohl nach Saisonende abtransportiert werden sollen oder vielleicht einfach im Meer landen. Die Kehrseite des Paradieses.

Shops, Restaurants, Tourenanbieter

Phra Nang Beach

Wer nach Railay gedacht hat, dass es wohl kaum noch voller am Strand werden kann. Dem sei ein Besuch von Phra Nang empfohlen. In Sachen Kulisse sicherlich das Highlight der Region. Vor allem die vor dem Strand aufragende Felsnadel ist DAS Fotomotiv schlechthin und bei Ebbe sogar zu Fuß erreichbar.

Phra Nang Beach

Dicht an dicht reihen sich bereits gegen Mittag die Handtücher und direkt davor liegen Longtailboote mit verkaufstüchtigen Thais, die vom Chang, über Fruchtshakes bis hin zum Kebab alles anbieten und auf Ihren Booten frisch zubereiten. Alle Boote bieten übrigens exakt die gleiche umfassende Auswahl. Ein Geschäftsmodell, das man mal überdenken sollte.

Die Imbisse am Phra Nang Beach

Ab Mittags dann der totale Overkill. Nicht nur die Touris aus Ao Nang und Krabi, auch Auflugsboote legen am “Traumstrand” Phra Nang an und so sind wir auf einmal belagert von einer kompletten Reisetruppe Malaien, die völlig vernarrt in unser blondes, blauäugiges Baby sind und am liebsten alle ein Selfie haben wollen. Nicht unbedingt idyllische Strandatmosphäre aber eigentlich ganz spaßig.

Am Morgen herrscht noch etwas Ruhe…

Wer genug vom Trubel am Strand hat, hat in Phra Nang allerdings die Möglichkeit ein paar richtig schöne Spots zu erreichen. Ein steiler Kletterpfad unweit hinter dem Strand führt zu einem Aussichtspunkt mit einem atemberaubenden Blick auf die beiden Railays.

Aussichtspunkt auf Railay West und East

Wem das noch nicht Abenteuer und Kletterei genug war, der kann dem gegenüberliegenden Pfad weiterfolgen zu einer Lagune. Ein Heidenspaß aber nicht ganz ungefährlich, da man tatsächlich Klettern und an einigen fragwürdigen Bambusleitern mehrere Meter ab und dann natürlich auch wieder aufsteigen muss.

Abstieg zur Lagune

Doch der Blick auf die Lagune und die dort herrschende friedliche Atmosphäre entschädigt für die Strapazen. Denn obwohl am Strand sicher mehrere tausend Touristen verweilten, waren an der Lagune außer mir gerade mal vier andere Leute. Durch die Gezeiten verändert sich der Wasserspiegel in der komplett von Felsen umschlossenen Lagune und bei Flut soll das Wasser türkis schimmern und zum Baden einladen, was ich bei der schlammigen Brühe am Rand nicht ganz glauben konnte.

Die Lagune

Nichtsdestotrotz waren der Aussichtspunkt und die Lagune für mich ein Highlight der  Strände um Ao Nang und ich bin vollkommen verdreckt, verschwitzt aber glücklich zurück in die Menschenmassen am Phra Nang um mich im nach wie vor schönen, türkisen Wasser vor dem Strand wieder abzukühlen.

Phra Nang Beach

Phra Nang muss man gesehen haben und wer früh genug dran ist, kann tatsächlich einen Hauch Paradies im Kopf oder auf SD-Karte speichern. Die Kletterpartien zum Aussichtspunkt und zur Lagune sind absolut lohnenswert, aber vor allem zweitere nicht zu unterschätzen und mit Kindern auf keinen Fall machbar. Genau wie von Railay ist es auch in Phra Nang überhaupt kein Problem ein Boot für die Rückfahrt nach Ao Nang zu bekommen, da ausreichend Mitfahrer schnell gefunden sind. Obwohl verdammt laut, sind die Fahrten auf den Longtailbooten eigentlich auch jedes mal schön. Der Geruch des Meeres gemischt mit Dieselabgasen, so riecht Urlaub!

Wassertaxi Thai Style

Paradies oder mies?

Das muss wie so oft jeder selbst für sich entscheiden. Für uns, die wir schon viele schöne Strände gesehen haben, waren Ao Nang und seine Strände zwar sehr schön, aber schlicht zu überlaufen. Natürlich hatten wir uns im Vorfeld schon etwas darauf eingestellt, allerdings hat uns die Realität dann doch etwas geschockt. Dennoch war für uns Ao Nang die richtige Wahl, da wir mit einem sechs Monate alten Baby unterwegs waren und dort einfach die Infrastruktur und Versorgung gegeben ist um auch mit dem Kleinen auf der sicheren Seite zu sein.

Ohne Baby hätten wir uns sicherlich eher für eine andere Region oder ein anderes Land entschieden, aber für einen entspannten Reiseeinstieg mit Nachwuchs ist Ao Nang durchaus zu empfehlen…

 

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