Alligatoren und Indianer – Florida’s Everglades

Alligatoren und Indianer – Florida’s Everglades

“DO NOT FEED ALLIGATORS” ist das Warnschild, welches man in den Everglades wohl am häufigsten sieht. Doch bevor man die verdammten Alligatoren füttern könnte, muss man sie erst mal finden. Das Wahrzeichen der Sümpfe zu entdecken ist gar nicht so einfach, außer man besucht eine der zahlreichen Alligatorenfarmen oder das Dorf der Miccosukee Indianer. Aber viel reizvoller ist es natürlich dem Aushängeschild der Everglades in freier Wildbahn zu begegnen, was so kurz nach Hurrikan Irma tatsächlich viel schwieriger war als angenommen…

Die Everglades

Nach zwei Nächten in Miami machte ich mich auf den Weg die Everglades zu erkunden. Prinzipiell gibt es nur zwei Wege in das Feuchtgebiet. Entweder über Homestead nach Flamingo, was allerdings eine Sackgasse ist, oder über den Tamiami Trail, der nach Everglades City und an die Westküste Floridas führt. Ich hätte gerne beide Gegenden erkundet, aber da auf Grund des kürzlich zuvor gewüteten Hurrikan Irma ohnehin fast alle relevanten Trekkingpfade überflutet waren und meine Zeit natürlich begrenzt, entschied ich mich nur für den Tamiami Trail.

Auf in die Everglades

Die Everglades sind ein rund 6000 km² großes, tropisches Marschland im Süden von Florida und ein einzigartiger Lebensraum für Flora und Fauna, weshalb ein Teil der Region (etwa 20%) als Nationalpark und Unesco Weltnaturerbe unter Schutz steht. Der höchste Punkt der Everglades liegt nur 2,4 Meter über dem Meeresspiegel und selbst nahezu das gesamte bewachsene Gebiet steht ganzjährig einige Zentimeter bis mehrere Meter unter Wasser, was der Region den Beinamen “Fluss aus Gras” einbrachte.

Durch die zunehmende Umweltverschmutzung, die landwirtschaftliche Nutzung und die Wasserentnahme zur Versorgung angrenzender Städte (unter anderem Miami) sind die Everglades stark bedroht und stehen seit 2010 auf der Liste des gefährdeten Welterbes. Wie bei so vielen einzigartigen Landschaften unseres Planeten muss leider auch hier befürchtet werden, dass unsere Enkel diese Naturschönheit so leider nicht mehr erleben können.

Einzigartige Flora und Fauna

Für Touristen sind die Eingriffe in die Natur deutlich ersichtlich und diese begannen bereits lange vor der Besiedelung Nordamerikas durch die Europäer…

Miccosukee Indian Village

In der Sprache der Miccosukee Indianer heißt das Feuchtgebiet ihrer Heimat “Kahayatle”, was soviel bedeutet wie schimmerndes Wasser, woraus der Name Everglades abgeleitet sein soll. Die Miccosukee sind einer von drei in Florida lebenden Stämme, die von der  US-Regierung auf Bundesebene anerkannt sind.

Das Ortsschild vom Dorf

So ziemlich die einzige Möglichkeit, in Florida etwas über die Ureinwohner und ihre Verbindung zu den Everglades zu erfahren ist ein Besuch im Miccosukee Indian Village. Das Dorf bzw. Museum liegt am Tamiami Trail, eben jener Straße die von Ost nach West durch die Everglades führt und ein Besuch ist aus verschiedenen Gründen etwas zwiespältig.

Miccosukee Indian Village

Das Miccosuke Indian Village besteht aus einigen traditionellen Unterständen die sich jeweils den verschiedenen Facetten des indianischen Lebens widmen, welches man während einer Führung kennen lernen kann. Hinzu kommt ein Museum, das einige Exponate zeigt und versucht das damalige Leben so plastisch wie möglich darzustellen. Das ist alles soweit ganz nett, wären da nicht die obligatorische Alligatorenfarm und -show, die für viele sicherlich das Highlight ihres Besuchs darstellen. Die Anlage wirkt zwar sehr gepflegt und es wird betont, dass es sich um Nachzuchten und nicht um Wildfänge handelt, dennoch sind mir Alligatoren in Freiheit lieber, als in Showbecken.

Alligatoren Show

Für mich war der Besuch etwas zwiespältig. Zum einen hatte ich die Möglichkeit, etwas über die Ureinwohner Florida’s zu erfahren. Zum anderen werden hier die meisten Dollars sicherlich auf Kosten der Alligatoren verdient, wobei die Souvenirs dem ganzen die traurige Krone aufsetzten.

Souveniers im Miccosukee Indian Village (glücklicherweise verboten in die EU einzuführen)

Die Alligatoren der Everglades

Da wollte ich mir die Tiere doch lieber lebendig und in freier Wildbahn ansehen. Doch das gestaltete sich schwieriger als gedacht. Durch den kürzlich zuvor gewüteten Hurrikan Irma waren fast alle Trails die Aussicht auf Alligatorensichtung boten, überflutet und gesperrt. Wovon ich in jedem Fall absehen wollte, war eine Fahrt mit einem Luftkissenboot oder Sumpfbuggy, da beides extrem schädlich für die Flora und Fauna des sensiblen Ökosystems ist.

Luftkissenbootfahrten werden natürlich auch bei den Indianern angeboten

Die Everglades sind die einzige Region auf der Erde, in der sowohl Alligatoren als auch Krokodile leben. Sie sind im gesamten Gebiet verbreitet, doch meiden sie das Salzwasser und normalerweise auch Menschen. Die Krokodile leben, im Gegensatz zu den Alligatoren, in Küstennähe und im Salzwasser, sind eine ganze Ecke gefährlicher und übellaunig, also besser zu meiden. Der Bestand der Urzeittiere ist verschwindend gering und sie gelten daher in den gesamten USA als gefährdet.

Also was tun um Alligatoren zu sehen? Ich holte mir Rat im Big Cypress Visitor Center. Neben einem kurzen Boardwalk direkt vor der Tür, lohnt sich ein Besuch vor allem, um einen Überblick über die Region und Möglichkeiten zu bekommen. Ein sehr freundlicher Ranger erklärte mir die wenigen Optionen die ich hatte, bevor ich mich wieder auf den Weg machte. Ich fuhr von Boardwalk zu Boardwalk und war etwas enttäuscht.

Mehr bekommt man meist nicht zu sehen

Schließlich beschloss ich einfach mal einer der Schotterpisten weg von der Hauptstrasse und entlang eines Flusses zu folgen um zu sehen was sich dort so findet. Und siehe da, hier hatten sie sich also versteckt! Als erstes fiel mir im Vorbeifahren nur ein Augenpaar auf, das mich argwöhnisch beobachtete und dann wieder im Fluss verschwand.

Der erste “wilde” Alligator

“Wo es einen gibt, muss es auch noch mehr geben” dachte ich mir und so war es auch. Alle paar Meter stieß ich auf weitere Alligatoren und versuchte mich möglichst nahe heranzupirschen. Doch die scheuen Echsen hatten nicht so recht Lust sich ablichten zu lassen und immer wenn ich langsam auf einen am Ufer liegenden Alligator zulief, zog er sich früher oder später ins Wasser zurück. Bis ich schließlich auf ein Exemplar stieß, das im seichten Uferwasser liegend, völlig tiefenentspannt war und dem ich mich problemlos bis auf einen Meter nähern konnte, ohne dass er nur mit der Wimper (haben Alligatoren eigentlich Wimpern?) zuckte.

Das beste Fotomodel

So, oder so ähnlich müssen Begegnungen mit wilden Tieren stattfinden. Idealerweise allein und natürlich in freier Wildbahn. Es gibt wohl kaum etwas spannenderes! Zum krönenden Abschluss dann überquerte direkt vor meinem Auto noch ganz gemütlich eine Schildkröte die Strasse und hatte ebenfalls Bock auf Fotos. So war letztlich mein Besuch der Everglades, trotz schwieriger Bedingungen, noch ein voller Erfolg.

Schildi auf Achse

Ab in den Westen

Folgt man der Straße weiter Richtung Westen tauchen immer wieder die obligatorischen Anbieter von Luftkissenbootfahrten auf und ein “Highlight”, welches man schnell übersieht. Am Tamiami Trail in Florida liegt nämlich das kleinste Postamt der USA. Eine kleine weiße Bretterbude, vor der natürlich stolz die US-Fahne gehisst ist. Wer hier mitten im nirgendwo allerdings seine Post aufgibt ist mir schleierhaft.

Das kleinste Postamt der USA

Die Everglades und ihre Bewohner haben mich auf jeden Fall sehr beeindruckt und ein Besuch der Region sollte bei einem Florida-Aufenthalt obligatorisch sein. Bei besseren Bedingungen soll es wunderschöne Trails und Wanderwege geben, die das Feuchtgebiet durchziehen und die Möglichkeit bieten, wilde Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten. So kann man auf die zerstörerischen Luftboot- und Sumpfbuggytouren getrost verzichten und damit einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass die Everglades und ihre Bewohner hoffentlich noch lange Bestand haben werden…

 

 

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