Ägypten – Tauchparadies vor dem Kollaps? – Teil 2: Marsa Alam

Ägypten – Tauchparadies vor dem Kollaps? – Teil 2: Marsa Alam

Es ließ uns nicht los. Wir wollten die Pracht des roten Meeres nochmal erleben, bevor es zu spät ist. Wir entschieden uns dieses mal bewusst gegen die ganzen supergünstigen Angebote die man in Deutschland an jeder Ecke für Ägypten bekommt. Wir wollten weg vom Massentourismus, weg von Lärm und Schmutz, weg von übertauchten Plätzen und hin zu den intakten Riffen des Südens.

Ein möglichst kleines Resort in Ägypten zu finden ist nicht wirklich einfach und so landeten wir schließlich beim The Oasis Marsa Alam, mit 49 Chalets sicherlich nicht klein aber trotzdem eines der kleinsten. Das Hotel liegt ca. 20 km nördlich der kleinen Ortschaft Marsa Alam. Die Unterkünfte sind relativ einfach und im lokalen Charakter und es wird Wert auf Ruhe gelegt, also keine Animation oder ähnlicher Nonsens. Wer hierher kommt, der kommt in der Regel aus einem Grund: Tauchen!

Das Hotel liegt an einem relativ ursprünglichen Strand, der wie so viele in Ägypten über ein Saumriff (Hausriff) verfügt. Das Hausriff kann selbstständig betaucht werden, Vormittags und Nachmittags werden jeweils die umliegenden Saumriffe mit dem Auto angefahren und an mehreren Tagen in der Woche werden Bootstauchgänge angeboten. Mit einer Wassertemperatur von 30 Grad ließ sich bequem ohne Neo tauchen und auch die Sichtweiten waren mit meist über 20 Meter sehr gut. Wir hatten also keine Probleme in zwei Wochen fast zwanzig Tauchgänge zu machen. Unsere Erwartungen waren hoch: Haie, Delphine, Schildkröten und selbst Dugongs sollte es hier geben. Naja, etwas Glück gehört eben auch dazu. Aber lest selbst, wie üblich werde ich hier auf einige Highlights eingehen:

  • Hausriff “The Oasis”:
    Iiiiigelfische

    Das Hausriff hat durchaus einiges zu bieten, bequem über einen Jetty erreichbar haben wir hier mehrere schöne Tauchgänge, je nach Strömung in Nord- oder Südrichtung, gemacht. Neben den üblichen Rifffischen haben Nadine vor allem die vielen überhaupt nicht scheuen Igelfische gefallen. Doch auch Marmorrochen, Napoleons, Barrakudas und Schildkröten bekamen wir öfter zu Gesicht. In Ägypten obligatorisch und natürlich auch am Hausriff anzutreffen: Blaupunktstachelrochen und Riesenmuränen. Ja selbst eine spanische Tänzerin konnten wir bei einem Nachttauchgang direkt am Jetty beobachten. Der ein oder andere Tauchgang hier lohnt sich also definitiv.

  • Elphinstone-Reef: Eines DER Highlights der Region. Auf Grund der Vielzahl an Tauchern und Safaribooten wird das Riff vom “Oasis” bereits bei Sonnenaufgang per Zodiac angefahren. Es herschte eine ordentliche Strömung als wir unseren Tauchgang mit einer Rolle Rückwärts vom Zodiac begannen, welche uns einen schönen Drift an der Steilwand entlang bescherte. Die Wand ist über und über mit Weich- und Hartkorallen bewachsen und tausende von Fahnenbarsche stehen in der Strömung. Wir konnten Schildkröten, Thunfische, Napoleons und Barrakudas im Blauwasser sehen. Wirklich sehr schön. Elphinstone ist darüberhinaus einer der besten Tauchplätze im südlichen Ägypten um Weißspitzenhochseehaien nahe zu kommen und so waren meine Erwartungen hoch, wurden aber leider enttäuscht. Bis auf einen kurzen Schemen in 40 Meter Tiefe konnte ich bei zwei Tauchgängen hier keine Haie sehen. Ist halt Natur und kein Zoo!

    Elphinstone Panorama
  • Marsa Abu Dabab: Auch hier wird der erste Tauchgang bereits bei Sonnenaufgang unternommen, ebenfalls um die Massen zu vermeiden. Die Bucht war ein absolutes Highlight im südlichen Ägypten und wie das hier so ist wurden Hotels hingebaut und alle Schnorchler von nah und fern angekarrt. Als wir allerdings um kurz nach 6 Uhr in’s Wasser gingen, waren wir die einzigen. Der Tauchgang fand komplett über Seegraswiesen in maximal 10 Meter Tiefe statt. Die lokale Dugong-Population ist bei dem hier herrschenden Andrang freilich längst verschwunden. Aber eine ungeheure Anzahl riesiger grüner Schildkröten bevölkerte nach wie vor die Seegraswiesen, welche ihre Nahrungsgrundlage sind. Nur hier und nirgendwo sonst haben wir so etwas sehen können. Absolut beeindruckend stellen die Schildkröten selbst die ebenfalls dort lebenden Gitarrenrochen in den Schatten. Diese Bucht ist einmalig und müsste eigentlich unter Naturschutz gestellt werden, stattdessen wird sie zugebaut und Massen von Touristen werden auf die Schildkröten losgelassen, versuchen diese zu betatschen wenn sie zum Luftholen auftauchen oder auf Ihnen zu reiten. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass nur zwei Jahre nach unserem Besuch die Seegraswiesen und mit ihnen die Schildkröten und der Artenreichtum aus der Bucht verschwunden sind. Ein Trauerspiel der Ausbeutung…..

    Ab in’s Licht….
  • Shaab Marsa Alam: Vom Hafen Marsa Alam aus wurden die Riffe hier per Tagestour angefahren und wir konnten dort drei Tauchgänge unternehmen, die wir so schnell nicht vergessen werden. Neben schönen Korallengärten, einem Wrack eines ausgebrannten Safaribootes und Babyweißspitzenriffhaien erlebten wir hier ein weiteres Highlight unserer Ägyptenreise. Als wir während des ersten Tauchgangs um eine Ecke tauchten, kam plötzlich etwas großes auf uns zu. Ich dachte erst an einen Schwarm Barrakudas, aber als sich die Tiere uns weiter näherten jubelten wir vor Freude: Delphine, sechs große Tümmler um genau zu sein. Und sie waren überhaupt nicht scheu, sondern schwammen immer wieder durch unsere Gruppe und spielten mit den Luftblasen die wir ausatmeten. Es war für uns das erste mal, dass wir Delphinen unter Wasser begegnet sind und es war ein unbeschreibliches Gefühl. Man sieht den Tieren ihre Intelligenz förmlich an, wenn sie ganz nah kommen, um einem in die Augen zu sehen. Die Delphine hatten Gefallen an den Tauchern gefunden und so sahen wir sie auch beim nächsten Tauchgang wieder und hatten danach noch die Möglichkeit mit Ihnen zu Schnorcheln, ihrem Spielen zuzusehen und ihrer Unterhaltung zu lauschen. Ich kann nicht verstehen, warum nicht alles getan wird um es diesen Tieren weiterhin zu ermöglichen durch unsere Meere, oder in diesem Fall das rote Meer zu ziehen.

    Schöner Moment!
  • Marsa Egla, Marsa Assalai etc.: Es gab mehrere Tauchplätze in der Nähe, die alle Teil des Saumriffs waren und eine ähnliche Topographie besassen: Eine Bucht von Seegras bewachsen mit langsam abfallenden Riffen links und rechts. Und es gab noch etwas, dass diese Tauchplätze alle gemeinsam hatten. Bei allen bestand die Chance darauf, einem der vom Aussterben bedrohten Dugongs zu begegnen! Wir betauchten also alle dieser Tauchplätze, und viele auch mehrere Male um unsere Chancen zu erhöhen. Auch ohne Dugong hatten die Tauchplätze einiges zu bieten. Intakte Korallen, Schildkröten, verschiedene Rochen, Sepien und Oktopusse um nur einige zu nennen. Aber so richtig freuen konnten wir uns darüber nicht, da wir Tag für Tag auf der Suche waren nach einem Dugong und enttäuscht wurden. Als schließlich der letzte Tauchgang des Urlaubs sattfand, schlossen wir uns nicht mehr dem Guide und den anderen Tauchern an sondern zogen allein über die Seegraswiese an’s Riff.Wir hatten die Hoffnung auf eine Begegnung aufgegeben, genoßen unseren Tauchgang am Riff und drehten kurz vor dem Auftauchen noch eine kleine Runde über die Seegraswiese und da war er!!!! Ein Dugong, auf einmal direkt vor uns,
    Dugong

    frass Seegras und ließ sich vorerst nicht stören. Was für ein schönes Tier. Leider hatte noch eine andere Tauchgruppe den Dugong entdeckt, kniete sich um ihn herum und wirlbelte reichlich Staub auf. Diesem wurde es dann irgendwann zu viel und er hat sich verzogen, wer mag’s ihm verdenken. Ein weiteres Highlight dieser erlebnisreichen Tauchreise und zwar in den letzten paar Minuten des letzten Tauchgangs!

Trotz all dieser Highlights und schönen Tauchgänge verließen wir Ägypten mit gemischten Gefühlen. Wir waren froh noch mal hier gewesen zu sein und die Wunder der Unterwasserwelt gesehen zu haben, denn eines ist sicher, auch hier soll der Massentourismus und damit die Zerstörung der Saumriffe Einzug halten. An fast jeder dieser wunderschönen Buchten um Marsa Alam sahen wir Baustellen für neue Hotels. Überall an den Stränden und im Hinterland liegt Müll, der durch den ständig blasenden Wind in’s Meer geblasen wird. Leider sind selbst die arroganten deutschen Tauchguides der Tauchbasen keine Hilfe sonder werfen ihre Zigarettenkippen einfach in den Sand.

Es muss sich in Ägypten einfach die grundlegende Einstellung zur Natur ändern um die Zerstörung aufzuhalten. Die ägyptische Regierung muss den Schatz erkennen, der vor ihrer Haustür liegt. Mit einem etwas sanfteren Tourismus kann es durchaus möglich sein weitere Arbeitsplätze in der Tourismusindustrie zu schaffen und trotzdem die Natur und damit das Kapital des Landes zu erhalten. Es gibt ganz im Süden bereits einige Eco-Resorts die sich an solchen Modellen in Einklang mit der Natur versuchen. Doch noch herrscht Massentourismus in all seiner dreckigen, zerstörerischen Form und wir können nur hoffen, dass die aktuell das Land überziehenden Revolutionen auch die Tourismusindustrie revolutionieren, bevor es zu spät ist……

Reisezeitraum: September 2011

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