Ägypten – Tauchparadies vor dem Kollaps? – Teil 1: Makadi Bay

Ägypten – Tauchparadies vor dem Kollaps? – Teil 1: Makadi Bay

Ägypten: Das Pauschal-All-Inklusive Nr. 1 Ziel deutscher Taucher und Strandliebhaber. In jeder Tauchzeitschrift gibt es mindestens einen Bericht über Tauchreisen nach Ägypten. Und bei Gesprächen unter deutschen Tauchern landet man unweigerlich wieder bei Ägypten. Es soll sogar Taucher geben, die selbst nach vielen Jahren eigentlich nur die heimischen Seen und das rote Meer kennen. Für uns “um die Ecke” und günstig zu erreichen ist das rote Meer für maritim begeisterte weltweit ein Traumreiseziel. Und das aus gutem Grund. Darüber möchte ich hier berichten, aber auch über die Schattenseiten des Massen(tauch-)tourismus, die meiner Ansicht nach in den meisten Berichten zu kurz kommen. Wie lange können die Riffe der Verschmutzung und Zersörung noch standhalten?

Wir waren bereits drei mal in Ägypten. Unsere erste Ägyptenreise war auch gleichzeitig unser erster gemeinsamer Urlaub und wir landeten damals, nach einer Beratung im Reisebüro, in einem der vielen riesengroßen All-Inklusive Bunker in der Nähe von Ägyptens Haupttouristendestionation Hurghada. Neben lesen, baden und relaxen bekamen wir hier das erste mal die Gelegenheit unsere Köpfe schnorchelnd unter Wasser zu stecken. Für mich eine Initialzündung. Aber aus heutiger Sicht auch ziemlich erschreckend wie das damals abgelaufen ist. Ein vollbepacktes Boot mit 30 – 50 Touristen fährt raus zu den Giftun-Islands, dort wird dann neben zig anderen Booten geankert und die “schwimmbewesteten” Touris abgeladen. Schnorchelt mal! Ohne irgendeine Information bezüglich Verhaltensregeln oder Fragilität der Korallen. So wundert es auch nicht, das viele mit Schürfwunden und Schnitten aus dem Wasser stiegen weil die Brandung sie auf die Korallen geschwemmt hat. Die Reste des Mitagessens, genau wie Zigarettenstummel und die ein oder andere Plastiktüte landen im Meer, ohne das sich irgendjemand daran stört. Und dieses Schauspiel wiederholt sich Tag für Tag bis diese Touristenattraktion zerstört und die nächste gesucht wird. Wirklich traurig!

Unser zweite Ägyptenreise führte uns etwas weiter in den Süden, in die Makadi Bay. Eine wunderschöne Bucht, die leider von Nord nach Süd komplett mit Hotels zugepflastert ist. Da in der Gruppe unterwegs wurde diese Entscheidung gemeinsam getroffen und wir landeten wieder in einem der vielen großen Hotels, zumindest in der Nähe der Tauchbasis. Damals schon mit Tauchschein hatten wir hier die Möglichkeit zu Tauchen und zu Schnorcheln. Die Riffe in und in der Nähe der Makadi Bay hatten zu diesem Zeitpunkt durchaus einiges an Fischreichtum und intakten Korallen zu bieten. Ja, selbst Walhaie sollten sich schon in die Bucht verirrt haben.

Der Strand mit “Liegebatterien” zugestellt, ist es eine ungeheure Zahl Touristen, die hier jeden Tag im Meer planscht. Dennoch sind viele der üblichen Riffbewohner noch in der Bucht anzutreffen, obwohl man tagsüber selbst unter Wasser die Musik der angrenzenden Hotels hören kann, welche die bereits Nachmittags angetrunkenen Touristen beschallen. Nur die wenigsten haben irgendeinen Bezug oder auch nur die geringste Ahnung welche Wunderwelt sich unweit des Strandes unter der Oberfläche verbirgt. Es werden höchstens ein paar Muscheln gesammelt, Korallenstücke als Souveniers abgebrochen oder die niedlichen kleinen Kugelfische mit Unmengen Brot vom Frühstücksbuffet versorgt.

Beim Tauchen am Hausriff und den umliegenden Riffen konnten wir dir größte Anzahl Feuerfische ever sehen, Drachenköpfe, Krokodilsfische, Blaupunktstachelrochen, Muränen, Zackenbarsche, Fledermausfische, ja selbst ein Schwarm junger Barrakudas war hier zu Hause. Insgesamt angenehme und relativ unspektakuläre Tauchgänge, bis auf einen. Wir fuhren an diesem Tag mit dem Boot zum Tauchen raus. Der Guide, relativ neu, und der Bootsführer hatten extreme Schwierigkeiten sich zu verständigen. Trotz hohem Wellengang kamen wir mit der Nussschale irgendwann am Tauchplatz “Southexpress” an, wir erwarteten Strömung (express!). Nach dem Abtauchen merkten wir aber schnell, nix mit Drift-Dive. Die Strömung war gleich Null. Dennoch ein schönes Riff und nach den üblichen 60 Minuten beendeten wir den Tauchgang und tauchten auf. Der Wellengang war immer noch ziemlich hoch und es war weit und breit kein Boot zu sehen, also hieß es warten. Aber auch nach 10 bis 15 Minuten tauchte kein Boot auf. Open Water! Wer den Film gesehen hat, weiß was einem da so durch den Kopf geht. Irgendwann sahen wir etwas entfernt ein anderes Boot (ist ja eigentlich immer ordentlich Bootsverkehr in Ägypten) und wer Notfalltrillerpfeifen dabei hatte pfiff wie wild in die Pfeife. Kurz bevor das Boot bei uns war tauchte jedoch unsere Nussschale in den Wellenbergen auf und die Open-Water Situation blieb uns glücklicherweise erspart 😉

Trotz der Schönheit des roten Meeres fassten wir eigentlich schon damals den Entschluss nicht mehr zurückzukehren um den dort stattfindenden Massentourismus und die leider damit einhergehende Zerstörung der Natur nicht weiter zu unterstützen. Jedoch konnten wir das rote Meer doch noch nicht ganz abhaken, es gab schließlich noch so viel zu sehen… Davon könnt ihr im nächsten Blogpost lesen.

Ein Kugelfisch aus der Makadi Bay…..

Reisezeitraum: Februar 2010

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